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20. März 2010

Brasilien: Seilbahn zum Erfolg

 Von Wolfgang Kunath
Schwer bewaffnet: eine Polizeipatrouille in Rio de Janeiro Foto: dpa

Favelas in Brasilien sollen aufgewertet werden. Eine Infrastruktur von hoher Qualität verwandelt die Favelas in normale Viertel - hoffen die Planer. Von Wolfgang Kunath

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Ich werde euch eine Seilbahn bauen", versprach Hugo Chávez, Venezuelas linker Präsident, vor Jahren den Bewohnern der Slums, die sich die steilen Abhänge des Talkessels von Caracas hochziehen. Daraus ist zwar nichts geworden. Aber Seilbahnen für Slum-Bewohner - das liegt im Trend. Vorbild ist die kolumbianische Millionenstadt Medellín.

Auch in Rio de Janeiro werden zurzeit die Stützen für eine Hängebahn auf den Morro do Alemão betoniert, eine der gefährlichsten Favelas der Stadt. In der Favela Dona Marta, die über dem bürgerlichen Viertel Botafogo liegt, gibt es bereits eine Zahnradbahn. Sie hat den Immobilienmarkt umgekrempelt: Die Häuser ganz oben waren früher die billigsten, weil man alles hochschleppen musste. Die Bahn hat sie drastisch aufgewertet.

Infrastruktur von hoher Qualität verwandelt die Favela in ein normales Viertel - hoffen die Planer. Weltweit sind in der jüngsten Dekade 270 Millionen Menschen den trostlosen Lebensbedingungen in den Slums entronnen - viele sind weggezogen, weil es ihnen bessergeht, aber für viele haben sich die Umstände so gebessert, dass aus Slums kleinbürgerliche Viertel wurden. Grund für den Wandel ist der wirtschaftliche Aufschwung: Rund die Hälfte der 270 Millionen entfallen auf Indien, China und Brasilien.

Die Vorteile solcher Verbesserungen gehen weit über die Wählerstimmen hinaus, auf die Politiker erpicht sind. Bei benachteiligten Schichten wächst das kollektive Selbstwertgefühl, wenn der Staat sie so gut bedient wie die Reichen. In Medellín wurden in den kritischen Vierteln einige architektonisch ausgefallene Bibliotheken gebaut, die als Gemeindezentren die Selbstorganisation der Bevölkerung unterstützen. Öffentliche Einrichtungen können den öffentlichen Raum zurückerobern, der in Problemvierteln von Drogengangs oder lokalen Milizen kontrolliert wird.

In den Sechzigern zählte Rio de Janeiro 106 Favelas, heute ist von über tausend die Rede. Der Staat hat nicht genug Mittel, sie alle rasch aufzuwerten.In der Praxis wird also entweder in die allerheißesten Brennpunkte investiert oder in die Favelas in der Nachbarschaft bürgerlicher Viertel.

Die Reichen können ruhiger schlafen, wenn es den Ärmeren nebenan ein wenig bessergeht.

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