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Politik
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20. Dezember 2016

Breitscheidplatz Berlin: Unfall oder Anschlag? Terrorangriff oder Amoklauf?

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Ein Bild vom Tatort ist kein Wert an sich - einer der ersten Schnappschüsse nach dem Anschlag.  Foto: rtr

Solange nicht klar ist, was passiert ist, fällt eine seriöse Berichterstattung schwer.

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Eine Stunde ist im Zeitalter von WhatsApp, Snapchat und Facebook eine kleine Ewigkeit. Dennoch dauerte es am Montagabend fast 75 Minuten, bis nach der ersten Meldung über einen dramatischen Unfall am Berliner Breitscheidplatz der gut gelaunte Kai Pflaume vom ARD-Bildschirm verschwand und sein „Unvorstellbares Wissensquiz“ durch eine Sondersendung der Tagesthemen abgelöst wurde. Da war es 21.15 Uhr.

Das ZDF ließ eine Dokumentation über den Bau des ersten Gotthardtunnels gar ungekürzt bis 21.45 Uhr durchlaufen, um dann wie geplant das „heute journal“ zu senden. Im Netz hagelte es Proteste.

Das Bedürfnis, möglichst schnell möglichst viel über ein so unfassbares Ereignis wie die Todesfahrt des Sattelschleppers in den Berliner Weihnachtsmarkt zu erfahren, ist menschlich. Es beißt sich jedoch regelmäßig mit der anfangs dürftigen und unübersichtlichen Nachrichtenlage. Solange nicht klar ist, was passiert ist, fällt eine seriöse Berichterstattung schwer.

Auch Live-Schalten zum Ereignisort helfen da nicht weiter. Sie zeigen höchstens, wie die Reporter minutenlang im Kreis rennen und das Fernsehen auf hohen Touren leer läuft. Der Erkenntnisgewinn tendiert gegen Null.

ARD und ZDF warten ab

„Haben Sie schon neue Informationen?“, wird dann der Reporter vor Ort gefragt, obwohl die entscheidenden Nachrichten von Polizei und Staatsanwaltschaft natürlich nicht auf der Straße verteilt werden.

Im Zweifelsfall ist der Moderator in der Zentrale über die Nachrichtenagenturen deutlich besser informiert als der Kollege vor Ort. So war es auch am Montagabend: Am meisten wussten Zuschauer, die auf dem Smartphone dem Twitter-Kanal der Berliner Polizei folgten.


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Dort informierten die Beamten schnell und präzise. Erst mit Verzögerung meldeten die Reporter denselben Tatbestand. Unfall oder Anschlag? Terrorangriff oder Amoklauf? Das alles war zunächst völlig unklar.

ARD und ZDF entschlossen sich in dieser Situation erst einmal abzuwarten. Das kann man kritisieren. Eine schnelle, ganz kurze News-Sendung und ein dauerhaftes Nachrichtenband wären sicher besser gewesen.

Doch ein Bild vom Tatort ist kein Wert an sich. Das bewies der Privatsender N24, der per Live-Schalte mit der Kamera mehr als einmal auf abgedeckte Opfer am Breitscheidplatz heranzoomte und ansonsten viele hohle Phrasen verbreitete. ARD und ZDF hatten sich hingegen nach der Erfahrung mit dem Münchner Amoklauf vom Juli vorgenommen, besondere Vorsicht bei der Nachrichtenweitergabe walten zu lassen.

Mehrmals betonte „Tagesthemen“-Moderator Ingo Zamperoni: „Ob es sich um einen Anschlag handelt oder nicht, steht nicht fest“. Beim ZDF erklärte Marietta Slomka: „Es kann auch ein Unfall sein.“

Auch diese Zurückhaltung provozierte viele Zuschauer, die ihrer Verärgerung in den sozialen Netzwerken freien Lauf ließen. Viele beschwerten sich, dass die Moderatoren oft die Wörter „mutmaßlich“ und „angeblich“ benutzten.

Wie begründet gleichwohl diese Vorsicht ist, erwies sich am Dienstagnachmittag. Bis dahin schien klar, dass der Täter, ein 23-jähriger Pakistaner, gefasst sei. „Wir müssen uns mit dem Gedanken vertraut machen, dass der festgenommene Pakistaner eventuell nicht der Täter ist“, räumte dann Generalbundesanwalt Peter Frank ein.

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