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Atomkraft: Brokdorf bleibt länger vom Netz

Der Stromkonzern Eon sucht nach der Ursache für ein Störfall im schleswig-holsteinischen Atomkraftwerk Brokdorf. Experten warnen davor, die Panne im im Trafo zu verharmlosen.

Das AKW Brokdorf ist nach einem Zwischenfall abgeschaltet worden.
Das AKW Brokdorf ist nach einem Zwischenfall abgeschaltet worden.
Foto: dpa
Frankfurt –  

Das schleswig-holsteinische Atomkraftwerk Brokdorf wird nach einem Defekt im Transformatorenhaus der Anlage vermutlich längere Zeit vom Netz bleiben. Mittlerweile hat ein Expertenteam des Betreibers, des Stromkonzerns Eon, mit der Untersuchung der Ursache begonnen.

Einer von zwei Transformatoren, über die Strom aus dem AKW ins öffentliche Netz eingespeist wird, hatte sich am Sonntag abgeschaltet. Daraufhin wurden der Reaktor und die Turbinen automatisch herunter gefahren. Eon zufolge hatte ein Sensor in dem Trafogebäude „Schadgase“ festgestellt. Eine Eon-Sprecherin betonte, das Ereignis habe im nichtnuklearen Teil der Anlage stattgefunden und sei nicht meldepflichtig. „Wir haben das zuständige Ministerium aber trotzdem informiert“, sagte sie der FR. Das Justizministerium in Kiel beauftragte Gutachter damit, den Zwischenfall zu überprüfen. Brokdorf war erst am 20. Juli nach der Jahresrevision wieder ans Netz gegangen. Frühestens am Mittwoch wird Eon entscheiden, ob der Trafo ausgetauscht werden muss. Es wird damit gerechnet, dass Brokdorf einige Wochen abgeschaltet bleibt.

Der Reaktor-Experte Stephan Kurth vom Öko-Institut Darmstadt warnte, den Vorfall in Brokdorf als sicherheitstechnisch irrelevant darzustellen. „Das wäre Augenwischerei“, sagte er der FR. Bei Störungen an Trafos sei es bereits wiederholt zu Problemen mit Rückwirkungen auch auf den nuklearen Teil von AKW gekommen, wodurch Reaktor-Abschaltungen erforderlich wurden. Gravierende Störfälle wie in Forsmark (Schweden) oder in Krümmel seien durch Trafo-Fehler ausgelöst worden.

Grünen-Politikerin Rebecca Harms warf Eon Verharmlosung vor. Es grenze an Verdummung, wenn bei Pannen im konventionellen Bereich von Atomkraftwerken stets als erstes betont werde, dass nicht der nukleare Teil betroffen sei. Es handle sich keinesfalls automatisch um weniger riskante Störfälle. Mit der systematisch verharmlosenden Darstellung verstärke Eon das Misstrauen. Harms forderte, die Skala zur Bewertung von Störfällen um die Pannen im nicht nuklearen Bereich zu erweitern. „Der Ausfall der Transformatoren und damit die Blockade der Stromabfuhr, wie jetzt in Brokdorf, ist eine der hoch riskanten Situationen in einem Atomkraftwerk“, sagte sie.

Der Abriss eines AKW

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Autor:  Joachim Wille
Datum:  9 | 8 | 2011
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