Die Themen, mit denen Jamaika in den vergangenen Jahren in die Schlagzeilen geraten ist, sind Staatsbankrott, Schwulenfeindlichkeit und Drogenkrieg. Und irgendwie hat Bruce Golding damit mehr zu tun, als ihm lieb sein könnte. Seit September 2007 ist er der Regierungschef des Landes.
Lange bevor Griechenland Staatsbankrott anmeldete, erklärte der 62 Jahre alte Premierminister Ende Januar für seine Insel faktisch die Pleite. Er wandte sich über Internet an die Gläubiger jamaikanischer Staatsanleihen und bat diese, auf einen Teil ihrer Zinsen zu verzichten. Die Karibikinsel mit ihren drei Millionen Einwohnern konnte und wollte den Schuldendienst nicht mehr leisten. Der studierte Wirtschaftswissenschaftler Golding, so ätzte die Opposition damals, werde als der Pleite-Premier in die Geschichte Jamaikas eingehen.
Zu dem Zeitpunkt hatte er schon den Stempel des ersten Schwulenhassers im Staate weg. Einige Monate nach seinem Amtsantritt sagte Golding bei einem Besuch in London, er werde niemand in sein Kabinett berufen, der homosexuell sei. "Schwul sein ist nicht jamaikanisch", sagte der dreifache Familienvater der BBC. Homosexualität ist auf Jamaika ein Straftatbestand, der mit Haft und Zwangsarbeit bestraft werden kann. Und Golding ließ wissen, dass er das auch ganz richtig findet.
Man müsste Golding heute mal fragen, wie er es denn mit Haftstrafen für Mörder und Drogenhändler hält auf seinem Eiland. Denn bei diesen Delikten drückt der Premier, der seit vier Jahrzehnten mit Unterbrechungen hohe politische Ämter bekleidet, gerne mal beide Augen zu, wie man seit einer Woche weiß. Neun Monate ließ er ein Auslieferungsersuchen der USA für den Banden-Boss Christopher Coke liegen, obwohl er wusste, dass Coke für viele Morde sowie Waffen- und Drogenschmuggel verantwortlich ist.
Das mag damit zusammenhängen, dass der Mafia-Boss dem Regierungs-Boss ein nützlicher Verbündeter war. Golding von der Jamaica Labour Party hat seinen Wahlkreis genau in jenem Teil der Hauptstadt Kingston, den der Killer Coke regiert. Der sicherte Golding Wählerstimmen, und Golding revanchierte sich, indem er den Arm des Gesetzes nicht bis nach Tivoli Gardens ausstreckte, Cokes Hochburg. Zugleich schob die Regierung dem Bandenboss Aufträge für seine vielen Baufirmen zu.
So wird in Lateinamerika oft Politik gemacht, und anscheinend ganz besonders auf dem Eiland im Herzen der Karibik, das mal als Urlauberparadies galt. Bei seinem Amtsantritt bezeichnete Golding übrigens die Korruption und die Gewalt als die Übel seines Landes. Er versprach, entschlossen dagegen vorzugehen.
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