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Politik
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08. Mai 2012

Buch Deutschland ohne Ausländer: Die Sarrazins bleiben unter sich

Trauriges Bild: Deutschland ohne Ausländer.  Foto: imago stock&people

Millionen Deutsche wünschen sich ein Land ohne Ausländer – in ihrem neuen Buch beschreiben Pitt von Bebenburg und Matthias Thieme, wie unser Land aussähe, würde dieser Wunsch Wirklichkeit werden.

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Wenn Sie dies lesen, sind die Ausländer schon weg. Mehr als sieben Millionen Menschen haben Deutschland verlassen. Zumindest in diesem Text.

Fiktion kann helfen, die Realität besser zu verstehen. Was zunächst undenkbar scheint, ist nicht immer unrealistisch. Wer hätte die Euro-Krise für möglich gehalten? Wer hätte bis vor Kurzem geglaubt, dass eine rechtsextreme Terrorgruppe unerkannt durch das Land ziehen könnte, um Ausländer zu töten?

Wie Erdbebenforscher verzeichnen Sozialwissenschaftler die Risse, Erschütterungen und Spannungen in der Gesellschaft. Lange vor dem Beben stellen sie ein bedrohliches Brodeln fest. Aktuell empfinden rund 30 Millionen erwachsene Deutsche ausländische Menschen als Störung im eigenen Land. Doch was würde geschehen, wenn sie tatsächlich weg wären?

Leere Klassenzimmer

In unserem Szenario verlassen die Ausländer Deutschland. Weil eine neue rechtspopulistische Bürgerbewegung genügend Einfluss erlangt hat, um ihren Willen durchzusetzen. Mit charismatischen Politikern, die versprechen, die Ängste der Menschen ernst zu nehmen und sich auf das Vorankommen der Deutschen zu konzentrieren. Also legt die Regierung einen Stichtag zur Ausreise der Ausländer fest, all jener Menschen ohne deutschen Pass.

Vom plötzlichen Verschwinden der Ausländer sind vor allem die Ballungszentren der Republik betroffen. In Ostdeutschland ist der Verlust mit jedem 50. Einwohner überschaubar. Im Westen sieht es ganz anders aus. Von den Flächenstaaten trifft es vor allem Baden-Württemberg (11,9 Prozent) und Hessen (11,2 Prozent). Frankfurt büßt mehr als ein Viertel seiner Bewohner ein – 25,1 Prozent. Einen solchen Exodus hat es seit Kriegstagen nicht mehr gegeben.

Da die ausländischen Paare ihre Kinder trotz eines deutschen Passes mitnehmen, verliert Deutschland auch einen Großteil seines Nachwuchses und insgesamt sogar neun Millionen seiner Bewohner. Überhaupt ist jeder Fünfte der Ausländer in Deutschland geboren. Mehr als eine halbe Million ausländische Kinder und Jugendliche besuchen hier die Schule. Deutschland ohne Ausländer ist ein Deutschland der leeren Klassenzimmer.


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Ein solcher Aderlass hat massive Auswirkungen in allen Bereichen der Gesellschaft.

Die Bundesliga schwächelt

Die deutsche Bundesliga ist eine Liga ohne Ribéry und Robben, Lewandowski und Guerrero, ohne Ya Konan, Pizarro und Novakovic, Huntelaar und Farfán. Eine Bundesliga ohne Ausländer – das ist eine Liga von weit schwächerer Qualität, mit geringen Chancen auf europäischer Ebene, mit weniger Glamour und entsprechend weniger Zuschauern. „Keine Frage, Fußball ohne Ausländer in Deutschland ist nur schwerlich vorstellbar“, sagt einer, der es genau wissen muss: Theo Zwanziger. Der ehemalige Präsident des Deutschen Fußball-Bundes hat analysiert, was das bedeuten würde: 228 Bundesliga-Spieler müssten aus den Kadern der ersten Liga gestrichen werden. Der Anteil der Ausländer unter den 18 Clubs lag in der aktuellen Saison bei 43 Prozent.

Doch das wäre noch das geringste Problem. Denn am Abend des Tages, an dem die Ausländer das Land verlassen, bricht in deutschen Pflegeheimen der Notstand aus. Nach Zahlen des Bundesgesundheitsministeriums haben etwa 11 Prozent der Pflegekräfte aus Pflegediensten einen Migrationshintergrund und etwa 15 Prozent in Pflegeheimen. „Der Pflegebereich, insbesondere die Versorgung unserer älteren Mitbürger wäre ohne die Unterstützung von Migranten unmöglich“, sagt Bernd Tews, Geschäftsführer des Bundesverbandes privater Anbieter sozialer Dienste.

Weiter: Wie leben ohne Dönerbuden?

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