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Politik
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28. Dezember 2011

BUND-Chef Hubert Weiger: „Der Atomausstieg muss 2012 kommen“

Der BUND-Vorsitzende Hubert Weiger kämpft für die Abschaltung des letzten AKW im Jahr 2012 oder 2013.  Foto: dpa

Hubert Weiger, Chef des Umweltverbandes BUND, warnt vor einem Rollback beim Atomausstieg und will eine viel schnellere Energiewende.

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Vor einem Rollback beim Atomausstieg warnt der Vorsitzendes des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland, Hubert Weiger. Die Energiewende müsse viel beherzter angepackt werden, fordert er. Dazu brauche es eine umfassende Informations- und Motivationskampagne, beginnend vom Kindergarten bis zu Seniorengruppen, in TV, Hörfunk, Internet, auf allen Ebenen – von Bundes- über Landesregierungen bis hin zu Städten und Gemeinden.

Herr Weiger, 2011 sind zwei der Kernforderungen Ihres Verbandes abgehakt worden: Atomausstieg und Energiewende. Sie können sich bald zur Ruhe setzen...

Schön wär`s. 2011 war eher ein Stück Wiedergutmachung für 2009, als die Bundesregierung Laufzeitverlängerungen für Atomkraftwerke beschlossen hatte. Nun kommt hoffentlich der endgültige Atomausstieg. Leider war dafür die Katastrophe von Fukushima mit ihren verheerenden Folgen eine der treibenden Kräfte. Und trotz des beginnenden Ausstiegs werden noch bis 2022 deutsche Atomkraftwerke am Netz sein – ohne größere sicherheitstechnische Nachrüstungen. Außerdem wird immer weiter Atommüll produziert, für den es kein Endlager gibt.

Hubert Weiger

ist seit 2007 Vorsitzender des Bundes für Umwelt- und Naturschutz Deutschland (BUND), dessen Gründungsmitglied er auch war, sowie seit 2002 Vorsitzender des Bundes Naturschutz in Bayern. Der Diplom-Forstwirt hat eine Honorarprofessur an der Universität Kassel und ist Lehrbeauftragter an der TU München. Der seit 1975 bestehende BUND ist mit fast 500.000 Mitgliedern einer der größten Umweltschutzverbände Deutschlands. jw

Wollen Sie den Sofortausstieg? Und damit Blackouts riskieren?

Wir fordern den Sofortausstieg, ja. Das heißt nicht morgen früh, aber sehr viel schneller als derzeit geplant. Wir kämpfen für eine Energiewende, die die Abschaltung des letzten AKW noch 2012 oder 2013 ermöglicht. Wer sagt „Die Gefahren der Atomkraft sind zu groß“, der kann doch nicht ein weiteres Jahrzehnt mit dem Super-GAU-Risiko leben wollen. Das wäre schizophren.

Ihr Ausstiegs-Fahrplan?

Die ersten der neun noch in Deutschland am Netz befindlichen Atommeiler könnten sofort vom Netz, wenn die längst überfälligen Strom-Sparmaßnahmen endlich durchgesetzt würden. Es wäre doch verrückt, erst durch Atomkatastrophen die Bedeutung von mehr Effizienz und Einsparungen zu erkennen. In Japan gibt es 54 AKW, nach dem Fukushima-GAU sind 90 Prozent vom Netz genommen worden und sie bekamen zum Teil keine Anfahrgenehmigung, weil den lokalen Behörden das Risiko zu hoch ist. Man sieht, der Atomausstieg verursacht keine Blackouts.


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Was müsste geschehen?

Intelligent wäre es, mit Strom und Energie vernünftiger umzugehen als bisher. Vernünftig ist nicht, für den Standby-Betrieb von Elektrogeräten so viel Elektrizität zu verbrauchen wie zwei Atomkraftwerke produzieren. Nur weil wir zu bequem sind, die Geräte auszuschalten, nehmen wir ein enormes Risiko hin – das darf nicht sein.

Bis 2012 werden Sie nicht alle Bundesbürger zu Standby-Abschaltern machen...

Warum nicht? Für mehr Energieeffizienz brauchen wir eine umfassende Informations- und Motivationskampagne, beginnend vom Kindergarten bis zu Seniorengruppen, in TV, Hörfunk, Internet, auf allen Ebenen – von Bundes- über Landesregierungen bis hin zu Städten und Gemeinden. Es gibt viele Maßnahmen, die sehr schnell viel bringen. Warum legt die Bundesregierung nicht ein Programm zum Austausch von Millionen veralteter Heizungspumpen auf? Moderne Pumpen sind so sparsam, dass dadurch zwei weitere Atommeiler überflüssig würden. Auch finanziell würde sich das in kürzester Zeit amortisieren.

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