kalaydo.de Anzeigen

Bundesagentur für Arbeit: Leistungen für Erwerbslose in Gefahr

Bundesagentur für Arbeit muss massiv kürzen, um die Sparziele der Koalition zu erreichen - und hält das für unrealistisch. Nur 116 Millionen Euro würden sich sparen lassen - nicht 1,5 Milliarden.

Berlin. Die Bundesagentur für Arbeit (BA) hält die von der schwarz-gelben Koalition geplanten Kürzungen am Arbeitsmarkt für unrealistisch. In einem internen Papier setzt die Behörde die Einsparungen durch die angestrebte Umwandlung von Pflicht- in Ermessensleistungen deutlich niedriger an als die Bundesregierung. Sie schätzt den Spareffekt auf 116 Millionen Euro, also auf einen Bruchteil der geplanten 1,5 Milliarden.

Es sei "unwahrscheinlich", dass die angestrebte Konsolidierung im kommenden Jahr erreicht werden könne, betont die BA in der Stellungnahme, die der Frankfurter Rundschau vorliegt. Darin heißt es weiter: "Demzufolge wären weitere Maßnahmen erforderlich, um die beschlossenen Einsparungen von 1,5 Milliarden Euro zu realisieren."

Doch was die Bundesagentur hier an denkbaren Alternativen durchspielt, hat es in sich. Demnach müsste die Regierung tief in die arbeitsmarktpolitischen Leistungen einschneiden: So könnte sie dem Papier zufolge den Unternehmen die besondere, krisenbedingte Förderung der Kurzarbeit streichen, ihnen also nicht mehr die Sozialbeiträge erstatten.

Unerwünschte Optionen

Möglich wäre auch, das Kurzarbeitergeld wieder auf die normale Dauer zurückzufahren, was 1,6 Milliarden Euro brächte. Gut eine halbe Milliarde Euro ließe sich laut BA durch Einschnitte für Arbeitslose in Weiterbildung sparen, wenn ihnen der Anspruch auf einen längeren Leistungsbezug genommen würde.

Gemeinsam haben all diese Optionen, dass sie politisch nicht gewünscht sind. Gerade die massive Unterstützung für die Kurzarbeit hat die zuständige Ministerin Ursula von der Leyen (CDU) wiederholt als Erfolgsgeschichte gefeiert, die in der Krise die Beschäftigung stabilisiert habe.

Die BA listet auch auf, welche Pflichtleistungen in Ermessensleistungen umgewandelt werden. Unter anderem nennt sie die berufliche Reha, das Altersteilzeitgeld, Hilfen für Existenzgründer, für Lehrlinge und für den nachträglichen Erwerb eines Hauptschulabschlusses. Käme die Reform wie angekündigt, hätten die Arbeitslosen keinen Rechtsanspruch mehr darauf, sondern wären auf das Wohlwollen der Jobcenter angewiesen.

In einem eigenen Szenario hat die Behörde bereits im Januar 2010, also vor der Kabinettsentscheidung, durchgerechnet, was es brächte, all diese Mittel der aktiven Arbeitsmarktförderung ins Ermessen der Arbeitsvermittler zu stellen. Dabei kam sie auf eine "Bewirtschaftungsrendite" von rund zehn Prozent, was den genannten 116 Millionen Euro entspricht. Selbst diese kleine Summe könne nur erbracht werden, wenn die notwendigen Gesetzesänderungen rasch kämen.

Klarheit gefordert

Die Bundesagentur mahnt die Politik in Berlin daher auch zur Eile. "Spätestens Ende Juli" sollte klar sein, welche Leistungen in welcher Höhe betroffen sind. Eine spätere Entscheidung hätte zur Folge, dass die Arbeitsagenturen vor Ort dies bei ihren Planungen nicht mehr aufnehmen könnten: "Gleichzeitig werden - je später Entscheidungen fallen - durch Einkäufe und Planungen auf alter Gesetzeslage der Haushalt 2011 immer stärker vorbestimmt und die Möglichkeiten zu Einsparungen geringer."

Autor:  Markus Sievers
Datum:  18 | 6 | 2010
Kommentare:  Kommentieren
Empfehlen:  E-Mail
Leserbrief:  Leserbrief
Artikel:  Drucken
Ressort

Nachrichten aus der Politik, Kommentare, Doku und Debatten


US-Wahl 2012: Countdown für Obama

Damir Fras ist unser US-Korrespondent
Olivia Schoeller berichtete zuvor aus Washington
Daniel Haufler ist Redakteur im Ressort Meinung
Countdown für Obama - das Weblog zur US-Wahl


Spezial: US-Wahl 2012

Bleibt Barack Obama Präsident der USA? Oder macht Mitt Romney von den konkurrierenden Republikanern das Rennen?

US-Wahl-Spezial mit Analyse und Hintergrund

Interaktive Karte zu den Vorwahlen der Republikaner

Exklusive Reportagereise durch den Wahlkampf

Weblog der USA-Experten unserer Redaktion

Kolumne

Die Politik ist eine Castingshow - und Angela Merkel ihr Dieter Bohlen: Stephan Hebel in seiner Audioslideshow über Peter Altmaier (eine Runde weiter!), den Osterhasen (Artenvielfalt gerettet!) und einen friedlosen ESC (wo ist Nicole, wenn man sie braucht?). Über Fußball - diesmal kein Wort!

Interaktiv

Wer sitzt mit wie vielen Abgeordneten im Bundesrat? Alle Ministerpräsidenten, alle Zahlen und Fakten hier!

Anzeige

 

Anzeige

 

Video
Spezial: Israel-Iran-Konflikt

Bombardiert Israel die iranischen Atomanlagen? Weitet sich der Konflikt zum Regionalkrieg aus? Werden gar die USA hineingezogen? Die Lage in Nahost spitzt sich dramatisch zu. Das Spezial.


Politik-Spezial

Ihr Wunsch-Bundespräsident Wulff scheitert, sie muss Gauck als Nachfolger hinnehmen, ihre Mehrheit steht im Bundestag nicht mehr hinter ihr: Die Autorität von Bundeskanzlerin Merkel schwindet. Das Spezial.


Fotostrecke
Plaßmanns Welt (295 Bilder)
Fotostrecke
Meeresbewohner: Leuchtend grüne Quallen gleiten durch ein Aquarium.

Manchmal sind es die kleinen, schönen Dinge am Rande, die beeindrucken. Die zeigen wir in unseren Bildern des Tages.

Revolte

Protest und Party, Revolte - aber keine Revolution: 1968 hat die Gesellschaft nachhaltig verändert.

Quiz
Wissens-Test.

Politik, Sport, Wirtschaft - wie gut sind Sie informiert? Machen Sie den Test mit dem unterhaltsamen Tagesquiz.

ANZEIGE
- Business
- Kauftipps!