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31. Januar 2014

Bundesagentur für Arbeit: Weg mit dem Störenfried

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Marcel Kallwass kritisierte die Agentur für Arbeit - und ist nun selbst arbeitslos (Symbolfoto)  Foto: dpa

Die Bundesagentur für Arbeit wirft einen jungen Mann raus, weil er sie in einem Blog kritisiert hat. Statt im Sommer seinen Abschluss in den Händen zu halten, ist der 22-Jährige nun selbst arbeitslos.

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Die Bundesagentur für Arbeit wirft einen jungen Mann raus, weil er sie in einem Blog kritisiert hat. Statt im Sommer seinen Abschluss in den Händen zu halten, ist der 22-Jährige nun selbst arbeitslos.

Eins kann man über Marcel Kallwass in jedem Fall sagen: Er ist eine Ausnahme. Einen Fall wie ihn, sagt eine Sprecherin der Bundesagentur für Arbeit, habe es bisher noch nie gegeben. Es sei das erste Mal, dass man einem Angestellten im dualen Studium fristlos kündige. Aber so, sagt die Sprecherin, sei es eben überall: Eine Entlassung sei das letzte Mittel, „wenn man mit Abmahnungen und Aussprachen nicht weiterkommt.“

Es ist eine merkwürdige Geschichte, die dieser Tage durch die Foren von Arbeitslosen-Initiativen und Hartz-IV-Kritikern geistert. Seit Herbst 2011 hatte der heute 22-jährige Marcel Kallwass aus dem schwäbischen Giengen an der Hochschule der Bundesagentur für Arbeit (HdBA) studiert. Die 2006 gegründete Fachhochschule mit Sitz in Mannheim bildet den Nachwuchs der Behörde aus, ihre Praxisphasen absolvieren die Studierenden in Jobcentern und Arbeitsämtern. Er habe einen sozialen Beruf erlernen, Arbeitslosen helfen wollen, erinnert sich Kallwass. Erst im Laufe der Zeit habe er gesehen, „wie es in der Praxis abgeht.“

Drastische Worte im Blog

Schnell, berichtet Kallwass, habe er mitbekommen, dass es in den Jobcentern nicht um Menschen, sondern nur um Zahlen gehe. Hartz-IV-Empfänger seien oft respektlos behandelt und dann in Fördermaßnahmen gesteckt worden seien, nur weil da noch Plätze frei gewesen seien. Und dazu kämen die Sanktionen, die vielen Arbeitslosen aufgebrummt würden. „Das ist eine riesige Drohkulisse“, sagt Kallwass. „Dabei ist die Situation eines Erwerbslosen schwer genug.“

Wenn Kallwass seine Meinung über seinen Arbeitgeber für sich behalten hätte, würde er im Sommer wohl seinen Abschluss machen. Doch nachdem er bei Occupy Mannheim und im linken Blockupy-Bündnis Menschen getroffen hat, die ihn in seiner Kritik an den Jobcentern und Hartz IV bestärken, startet er im Juni vergangenen Jahres den Blog „Kritischer Kommilitone“, Untertitel: „Kritik am Arbeitsamt.“

In drastischen Worten geht Kallwass dort mit der Bundesagentur ins Gericht. Sein Gegner sei „das kapitalistische System“, schreibt Kallwass, die Agentur für Arbeit kritisiert er dafür, dass sie „dieses unsoziale System stabilisiert und die asoziale Politik umsetzt“.

Erwerbslose fordert er zu Demonstrationen auf – und Mitarbeiter der Jobcenter dazu, keinerlei Sanktionen mehr zu verhängen. Einmal schreibt er, die Jobcenter seien ein „Überwachungsapparat“ – „eine glaubhafte Konkurrenz für die NSA“.


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Radikal und arbeitslos

Der Blog und die Flugblätter, die Kallwass an der HdBA verteilt, rufen schließlich seinen Arbeitgeber auf den Plan. Man werte seine Aussagen als „Formalbeleidigung und Verunglimpfung“, teilt man ihm mit, er schade dem Image der Bundesagentur. Mehrfach mahnt man ihn wegen Verstößen gegen die Dienstvereinbarungen ab. In der vergangenen Woche wird ihm gekündigt.

Kallwass sei am Campus ein engagierter und beliebter Kommilitone gewesen, sagt Franz Maier, Jahrgangssprecher der HdBA. Viele Studierenden hätten stets gerne mit ihm gestritten und bis heute Respekt davor, „dass er für seine Überzeugungen eintritt“. Aber in seine radikale Kritik habe Kallwass sich irgendwann völlig verrannt.

Kallwass selbst hat sich inzwischen arbeitslos gemeldet. Was beruflich aus ihm werde, wisse er noch nicht, sagt der junge Mann. Aber vorerst habe er sowieso andere Prioritäten: Er wolle die Missstände in den Jobcentern aufzeigen, Proteste auf die Beine stellen. Die Kündigung der Bundesagentur mache ihm nicht viel aus, sagt Kallwass. Denn dort jemals wieder zu arbeiten, „das ist für mich keine Option.“

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