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Bundesinnenminister: Schäuble gegen schärferes Waffenrecht

Auch striktere Zugangskontrollen an Schulen seien nicht sinnvoll, meint der Bundesinnenminister. Eine Schleuse hätte die Tat von Winnenden nicht verhindern können.

Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble lehnt eine Verschärfung des Waffenrechts nach dem Amoklauf von Winnenden ab.
Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble lehnt eine Verschärfung des Waffenrechts nach dem Amoklauf von Winnenden ab.
Foto: dpa

Berlin. Nach dem Amoklauf von Winnenden ist die Diskussion über politische Konsequenzen entbrannt. Dabei lehnten Politiker und Polizeigewerkschaften eine weitere Verschärfung des Waffenrechts am Donnerstag ab. Zugleich widersprachen Lehrerverbände Forderungen nach Zugangskontrollen an Schulen.

"Ich kann überhaupt nicht erkennen, welche wie immer geartete Änderung im Waffenrecht an dem Geschehen etwas geändert hätte", sagte Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) in Berlin. Die Vorschriften seien bereits sehr streng. Für den Vorsitzenden des Bundestagsinnenausschusses, Sebastian Edathy (SPD), ist Deutschland waffenrechtlich "auf der Höhe der Zeit", wie er der "Welt" (Donnerstag) sagte. Der Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Volker Kauder, erinnerte im Bayerischen Rundfunk auch daran, dass es eine letzte Sicherheit nicht gebe.

Der SPD-Vorsitzende Franz Müntefering und der Unions-Innenexperte Wolfgang Bosbach (CDU) warnten vor voreiligen Schlüssen aus der Tragödie. "Niemand sollte den Eindruck erwecken, hier eine schnelle, pauschale politische Antwort zu haben", erklärte Müntefering in den "Nürnberger Nachrichten" (Freitag). Der SPD-Kanzlerkandidat Frank- Walter Steinmeier fand es am Rande der Leipziger Buchmesse "nicht angemessen, dass wir 10 bis 20 Stunden nach dem Ereignis so tun, als hätten wir die Rezepte in der Hand, die das verhindern".

Klar sei jedoch, dass eine große Verantwortung für das Verhalten der Kinder in deren Familien liege. Der Vorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG), Rainer Wendt, sagte dem Fernsehsender N24: "Gesetzlicher Aktionismus täuscht Sicherheit nur vor, damit ändern wir gar nichts." Der Vizevorsitzende der Linksfraktion im Bundestag, Bodo Ramelow, forderte, die Aufbewahrung von Waffen in Privathaushalten stark einzuschränken. Bosbach entgegnete: Wenn alle Sportwaffen zentral an einem Ort gelagert würden, gäbe es "quer über die Republik verstreut Waffenarsenale, die wir sichern müssten wie den Goldschatz von Fort Knox".

Die Grünen-Vorsitzenden Claudia Roth und Cem Özdemir forderten, die Einhaltung der Waffengesetze besser zu kontrollieren und eine weitere Verschärfung des Gesetzes zu prüfen. Die Innenexpertin der Partei, Silke Stokar, verlangte ein nationales Waffenregister, in dem alle Waffenbesitzer festgehalten werden.

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) sprach sich für technische Zugangskontrollen an Schulen aus. Wie bei großen Betrieben könne etwa eine Chipkarte Voraussetzung für den Zutritt sein, sagte GdP-Chef Konrad Freiberg dem Hörfunksender NDR-Info. Bei Lehrerverbänden stieß die Forderung nach Videoanlagen, Eingangskontrollen und Metalldetektoren in Schulen auf Kritik. Der Vorsitzende des Deutschen Lehrerverbandes, Josef Kraus, sagte Handelsblatt.com, dies würde ein "Big-Brother-Klima" in den Schulen schaffen.

Der Vorsitzende des Deutschen Philologenverbandes, Heinz-Peter Meidinger, sagte: "Das sind Vorschläge von Personen, die schon lange keine Schule mehr von innen gesehen haben." Auch Politiker warnten parteiübergreifend davor, Schulen zu "Hochsicherheitstrakten" oder "Festungen" auszubauen.

Der innenpolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Hans- Peter Uhl, forderte ein generelles Verbot gewaltverherrlichender Computerspiele. "Das Geschäftsmodell für brutale und gewaltverherrlichende Computerspiele muss nachhaltig gestört werden", sagte Uhl der "Leipziger Volkszeitung". (dpa)

Datum:  12 | 3 | 2009
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