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23. Februar 2011

Bundeskabinett beschließt Abwehrzentrum: Zehn Mann für den Cyber-War

 Von Marten Hahn
Die Bundesregierung hat am Mittwoch ein Konzept zur Abwehr von Bedrohungen aus dem Internet beschlossen. Foto: dpa

Von April an sollen in Bonn zehn Mitarbeiter für die Sicherheit des Internets in Deutschlands sorgen. Das Bundeskabinett hat die Gründung eines Nationalen Cyber-Abwehr-Zentrums (NCAZ) beschlossen.

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Von April an sollen in Bonn zehn Mitarbeiter für die Sicherheit des Internets in Deutschlands sorgen. Das Bundeskabinett hat die Gründung eines Nationalen Cyber-Abwehr-Zentrums (NCAZ) beschlossen.

Berlin –  

Wann immer es um Hacker-Angriffe und Netzsicherheit geht, fällt der Name eines Landes: Estland. Cyber-Angriffe hatten vor drei Jahren das Banken- und Regierungssystem des Landes für mehrere Wochen lahmgelegt. Damit nicht irgendwann einmal Deutschland als Worst-Case-Szenario dient, hat das Bundeskabinett die Gründung eines Nationalen Cyber-Abwehr-Zentrums (NCAZ) beschlossen.

Was nach Science-Fiction à la Tom Clancy oder Minority Report klingt, gestaltet sich in der Realität weitaus bürokratischer. Von April an sollen in Bonn zehn Mitarbeiter für die Sicherheit des Internets in Deutschlands sorgen. Aufgerüttelt durch den Computerwurm Stuxnet hat Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) das Abwehrzentrum in seinem Haus angesiedelt − als Kommunikationsschnittstelle zwischen verschiedenen Ressorts. Vorbild ist das Gemeinsame Terrorismusabwehrzentrum in Berlin.

Wie aus einem Konzept des Innenministeriums hervorgeht, wird das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) die Leitung des NCAZ übernehmen. Das BSI ist für die Sicherheit der Bundesnetze zuständig. Außerdem werden Mitarbeiter des Bundesamts für Bevölkerungs- und Katastrophenschutz und des Verfassungsschutzes Teil des Teams sein. Um die Kommunikation im Ernstfall zu beschleunigen, sollen zudem der Bundesnachrichtendienst, das Bundeskriminalamt, die Bundeswehr und die Bundespolizei Verbindungsbeamte entsenden. Kontrolliert werden soll das Abwehrzentrum von Staatssekretären des Innen-, Wirtschafts- und Verteidigungsministeriums sowie durch das Kanzleramt.

Im Falle eines Cyber-Angriffs sollen die Sicherheitsexperten in Bonn ein Lagebild erstellen und den Bundesbehörden empfehlen, wie zu reagieren ist. Bisher waren die Wege lang und schnelle Absprachen kaum möglich. Mit dem neuen Abwehrzentrum will man nun schneller reagieren können, sollte es Hacker-Angriffe gegen Bundesbehörden oder kritische Infrastrukturen geben. Wie Stuxnet zeigte, kann ein Virus auch Systeme lahmlegen, die die Versorgung mit Wasser, Strom und Gas regeln.

Europäische Strategie verlangt

Neben Deutschland haben auch andere Länder, wie Großbritannien und Frankreich, begonnen eine eigene Cyber-Abwehr zu entwickeln. Das Internet ist jedoch international und Angriffe dürften sich durch nationale Parallelstrukturen kaum zuverlässig verhindern lassen. Deswegen versuchen die Nato-Staaten mittlerweile im Bereich Netzsicherheit enger zusammenzuarbeiten.

Der innen- und rechtspolitische Sprecher der CSU, Stephan Mayer, forderte auch die Entwicklung einer ausgewogenen europäischen Strategie zur gemeinsamen Abwehr von Cyber-Angriffen. „Schließlich werden die Angriffe auf kritische Infrastrukturen zumeist entweder von international operierenden Banden oder aber sogar von anderen Staaten in mittelbarer oder unmittelbarer Beteiligung durchgeführt“, so Mayer.

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