kalaydo.de Anzeigen

Bundespräsidentenwahl: Schwarz-Gelb ist nicht bange

Das Risiko für Christian Wulff bei der Wahl zum Bundespräsidenten hält sich in Grenzen: Die einfache Mehrheit der Stimmen ist ihm sicher. Von B. Honnigfort und S. Geyer

Zurzeit kein Hausherr daheim: Wer demnächst ins Schloss  Bellevue  einzieht, entscheidet sich Ende des Monats.
Zurzeit kein Hausherr daheim: Wer demnächst ins Schloss Bellevue einzieht, entscheidet sich Ende des Monats.
Foto: getty

Berlin. Die Mehrheit für Christian Wulff wackelt. Der schwarz-gelbe Kandidat zur Bundespräsidentenwahl muss sich zwar nicht sorgen, dass sein rot-grüner Gegner Joachim Gauck ihn am 30. Juni schlägt. Er kann sich aber auch nicht darauf verlassen, im ersten Wahlgang die notwendige absolute Mehrheit zu bekommen.

Zwar stellen Union und FDP, wie die Wahlen der Delegierten in den letzten drei Landtagen gestern ergaben, in der Bundesversammlung 644 Wahlleute und damit 21 mehr als die Hälfte. Doch fünf FDP-Landesverbände haben - aus Wertschätzung für Gauck, aber auch aus Unmut über die Union - ihren Wahlleuten freigestellt, für wen sie stimmen.

Bundesversammlung

Am 30. Juni tritt die 14. Bundesversammlung zur Wahl des Bundespräsidenten zusammen. Gewählt ist, wer mehr als die Hälfte der Stimmen erhält. Dazu sind 623 Stimmen nötig. Kommt in zwei Wahlgängen diese absolute Mehrheit nicht zustande, ist der Kandidat mit den meisten Stimmen gewählt.

Addiert man Bundestagsabgeordnete und von Landtagen entsandte Wahlleute, so schickt von 1244 Wahlleuten: die Union 496 (davon 92 CSU), SPD 333, FDP 148, Grüne 129, Linke 124, Freie Wähler Bayern 10, NPD 3 und der Südschleswigsche Wählerverband 1.

Schwarz-Gelb übertrifft die absolute Mehrheit mit 644 um 21 Stimmen. Rot-Grün hat 459, ihr Kandidat bräuchte zur einfachenMehrheit etwa160 Abweichler von Linker und FDP. (sgey)

So könnten sich im ersten Wahlgang nicht nur die neun ostdeutschen FDP-Landtagsvertreter Wulff verweigern, sondern auch einzelne Bundestagsabgeordnete. Zumal es selbst in der CDU Forderungen gibt, die Wahl "freizugeben". Der frühere sächsische Ministerpräsident Kurt Biedenkopf schrieb in der FAZ, Kanzlerin Merkel solle der Union freistellen, wen sie wähle. Fraktionszwang in der Bundesversammlung sei verfassungspolitisch fragwürdig. Ähnlich argumentierten Vera Lengsfeld (CDU) und der Ex-CDU-Chef Brandenburgs, Jörg Schönbohm.

Die Kritik zielt auch darauf, dass Schwarz-Gelb erstmals darauf verzichtet, Wahlleute ohne Parteibindung zu nominieren. Künstler und Kulturschaffende sollten bisher als "Vertreter der Gesellschaft" die Versammlung zur überparteilichen Institution machen. Sie sind jedoch verdächtig, von Vorgaben abzuweichen. Die Union begründet ihren Verzicht mit Zeitmangel. Wulff gab sich am Abend in Frankfurt gelassen. Es sei gut, dass die Parteien Empfehlungen geben, letztlich müsse aber jeder gemäß der eigenen Überzeugungen entscheiden.

Die Bundesversammlung, die allein zur Bundespräsidentenwahl zusammentritt, besteht zur Hälfte aus den Abgeordneten des Bundestages - derzeit 622 - und ebenso vielen Delegierten der Landtage. Wie viele jede Landtagsfraktion schickt, hängt von ihrer Stärke und der Einwohnerzahl des Bundeslandes ab. So durfte die CSU im großen Bayern 47 Wahlleute bestimmen, die FDP im kleinen Bremen einen .

Der macht Wulff jedoch Ärger: In Bremen taten sich SPD, FDP und Grüne zu einer Zählliste zusammen. Folge: Die CDU schickt einen Wahlmann weniger, als ihr nach Fraktionssitzen zusteht. Und der FDP-Mann, Landeschef Oliver Möllenstädt, ist auch noch bekennender Gauck-Wähler.

Unübersichtlich ist die Lage in Sachsen: FDP-Chef Holger Zastrow stellte seinen drei Abgeordneten frei, wen sie wählen. Die Stimmung ist Gauck-freundlich: FDP-Mann Tino Günther: "Wir als liberale Freiheitskämpfer wählen Freiheitskämpfer." In Dresden hatte es bei der geheimen Abstimmung über die 34 Wahlmänner Abweichler in der CDU gegeben.

All das dürfte Gauck nicht einmal im dritten Wahlgang, wenn die einfache Mehrheit reicht, zum Sieg verhelfen. Um die Wulff-Wähler zu überflügeln, müssten weite Teile der Linken und der FDP umschwenken. Dafür dürfte Gauck zu kritisch mit DDR und Steuersenkungen abgerechnet haben.

Autor:  B. Honnigfort und S. Geyer
Datum:  18 | 6 | 2010
Kommentare:  Kommentieren
Empfehlen:  E-Mail
Leserbrief:  Leserbrief
Artikel:  Drucken
Ressort

Nachrichten aus der Politik, Kommentare, Doku und Debatten


US-Wahl 2012: Countdown für Obama

Damir Fras ist unser US-Korrespondent
Olivia Schoeller berichtete zuvor aus Washington
Daniel Haufler ist Redakteur im Ressort Meinung
Countdown für Obama - das Weblog zur US-Wahl


Spezial: US-Wahl 2012

Bleibt Barack Obama Präsident der USA? Oder macht Mitt Romney von den konkurrierenden Republikanern das Rennen?

US-Wahl-Spezial mit Analyse und Hintergrund

Interaktive Karte zu den Vorwahlen der Republikaner

Exklusive Reportagereise durch den Wahlkampf

Weblog der USA-Experten unserer Redaktion

Kolumne

Die Politik ist eine Castingshow - und Angela Merkel ihr Dieter Bohlen: Stephan Hebel in seiner Audioslideshow über Peter Altmaier (eine Runde weiter!), den Osterhasen (Artenvielfalt gerettet!) und einen friedlosen ESC (wo ist Nicole, wenn man sie braucht?). Über Fußball - diesmal kein Wort!

Interaktiv

Wer sitzt mit wie vielen Abgeordneten im Bundesrat? Alle Ministerpräsidenten, alle Zahlen und Fakten hier!

Anzeige

 

Anzeige

 

Video
Spezial: Israel-Iran-Konflikt

Bombardiert Israel die iranischen Atomanlagen? Weitet sich der Konflikt zum Regionalkrieg aus? Werden gar die USA hineingezogen? Die Lage in Nahost spitzt sich dramatisch zu. Das Spezial.


Politik-Spezial

Ihr Wunsch-Bundespräsident Wulff scheitert, sie muss Gauck als Nachfolger hinnehmen, ihre Mehrheit steht im Bundestag nicht mehr hinter ihr: Die Autorität von Bundeskanzlerin Merkel schwindet. Das Spezial.


Fotostrecke
Plaßmanns Welt (295 Bilder)
Fotostrecke
Meeresbewohner: Leuchtend grüne Quallen gleiten durch ein Aquarium.

Manchmal sind es die kleinen, schönen Dinge am Rande, die beeindrucken. Die zeigen wir in unseren Bildern des Tages.

Revolte

Protest und Party, Revolte - aber keine Revolution: 1968 hat die Gesellschaft nachhaltig verändert.

Quiz
Wissens-Test.

Politik, Sport, Wirtschaft - wie gut sind Sie informiert? Machen Sie den Test mit dem unterhaltsamen Tagesquiz.

ANZEIGE
- Business
- Kauftipps!