Berlin. Zwischen der Drogenbeauftragten der Bundesregierung, Sabine Bätzing, und der deutschen Werbewirtschaft gibt es neuen Streit. Der Dachverband ZAW wehrt sich gegen die Forderung der SPD-Politikerin, die Regeln für die Alkoholreklame zu verschärfen.
Bätzing präsentierte am Montag eine Studie der niederländischen Stiftung für Alkoholprävention im Auftrag der EU-Kommission. Ein Ergebnis: Jugendliche sind besonders durch Alkohol gefährdet sowie "empfänglich für auf sie abzielende Alkoholwerbung". Die Autoren sympathisieren erkennbar mit drastischen Reklameverboten und behaupten, dass - falls solche verstärkt eingeführt würden - für den Medien- und Werbesektor "wahrscheinlich nur sehr geringe Anpassungskosten" anfielen.
Für Bätzing, die seit Monaten gegen Bier trinkende und preisende Schauspieler oder Fußballer im Fernsehen oder auf Plakaten zu Felde zieht, kommt die (bereits 2007 publizierte) Studie wie gerufen. "Je mehr Alkoholwerbung Kinder und Jugendliche sehen, desto früher beginnen sie mit dem Trinken und desto mehr trinken sie." Besonders bestätigt fühlt sich Bätzing durch die von den Forschern aufgestellte These, wonach es "keine wissenschaftlichen Belege für die Wirksamkeit der Selbstregulierung" gebe. Die Branchenregeln müssten aktualisiert werden, verlangt die Drogenbeauftragte; "sollte eine Reform der Selbstkontrolle scheitern, müssen alternative Regulierungen in Angriff genommen werden", droht sie, ohne ins Detail zu gehen.
ZAW: Freiwillig läuft es bestens
ZAW-Geschäftsführer Volker Nickel hält Bätzing Eiferei vor. Von einer "Unfähigkeit der Selbstkontrolle" könne keine Rede sein, sagte er der FR. "Im Gegenteil: Wir können beweisen, dass die freiwillige Werbe-Selbstkontrolle im Alkoholbereich bestens funktioniert. Verstöße gegen unsere Verhaltensregeln sind äußerst selten." Die zitierten Studien nennt der Werbelobbyist "wissenschaftlich extrem umstritten".
Die Forscher führen Umfragen an, wonach drei von vier EU-Bürgern einer europaweiten Verschärfung der Alkoholreklame zustimmen würden. Dabei erinnern sie an das seit Jahren geltende Tabakwerbeverbot. Nickel hält dagegen: "Wettbewerb findet auch über Werbung statt; diese Möglichkeit muss man den Unternehmen zubilligen." Im Übrigen, so der ZAW-Manager, habe das Koma-Saufen in Frankreich deutlich zugenommen - trotz restriktiver Alkoholwerberegeln.
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