kalaydo.de Anzeigen

Bundestag: Weitere 1000 Soldaten nach Afghanistan

Der Bundestag billigt die Anhebung der Obergrenze für die Bundeswehrtruppen in Afghanistan auf 4500 Soldaten. Außerdem wird das Isaf-Mandat verlängert. Interaktive Grafik: Getötete Isaf-Soldaten

Ein deutscher ISAF-Soldat bei einer Patrouille in Afghanistan.
Ein deutscher ISAF-Soldat bei einer Patrouille in Afghanistan.
Foto: Foto: dpa

Berlin. Der Bundestag hat am Donnerstag die Anhebung der Obergrenze für die Bundeswehrtruppen in Afghanistan von 3500 auf 4500 gebilligt. Mit einer Mehrheit von 442 Ja-Stimmen zu 96 Nein-Stimmen bei 32 Enthaltungen votierten die Abgeordneten sowohl für die Erweiterung und als auch für die Verlängerung des Isaf-Mandats zur militärischen Absicherung des Wiederaufbaus um 14 Monate.

Dafür stimmten mehrheitlich die Koalitionspartner Union und SPD sowie die oppositionelle FDP. Die Grünen enthielten sich mehrheitlich, die Linke stimmte geschlossen dagegen. Zuvor hatten sich Vertreter aller Fraktionen außer der Linken für die Weiterführung des Einsatzes ausgesprochen.

Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul mahnte: "Die Konsequenz des Rückzugs wäre der Bürgerkrieg." Die Bundesregierung stehe zu ihrer 2001 gegebenen Verpflichtung. "Ich weiß, dass die Situation schwieriger geworden ist, aber es hat auch richtig große Fortschritte gegeben", sagte die SPD-Politikerin unter Verweis auf die verschärfte Sicherheitslage vor allem im Norden des Landes, für den die Bundeswehr verantwortlich ist.

Auch der stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Walter Kolbow sagte: "Es geht um Verlässlichkeit und Vertrauen." Die deutschen Truppen sorgten am Hindukusch auch für die Sicherheit Deutschlands. Zur Fortführung des Engagements gebe es keine Alternative.

Der CDU-Abgeordnete Andreas Schockenhoff betonte ebenfalls: "Die Reaktion auf die schlechten Nachrichten aus Afghanistan kann nicht der Rückzug sein." Er sagte voraus, man werde das Mandat noch einige Jahre verlängern müssen. Für die FDP sagte die Verteidigungsexpertin Birgit Homburger: "Ein Aufbau ohne Militär ist eine Illusion." Würden die internationalen Streitkräfte jetzt abziehen, "dann ist Kabul morgen die Hauptstadt des Terrors".

Schlagabtausch zwischen SPD- und Grünen-Abgeordneten

Von den Grünen enthielten sich die meisten Abgeordneten, einige stimmten dafür, andere dagegen. Der stellvertretende Fraktionschef Jürgen Trittin begründete dieses differenzierte Verhalten der Fraktion damit, dass man zwar grundsätzlich hinter dem Einsatz stehe, dass der von der Bundesregierung versprochene Strategiewechsel hin zu mehr zivilem Wiederaufbau aber nicht stattgefunden habe. Die Aufstockung der Truppen-Obergrenze sei dennoch richtig.

Einen Schlagabtausch über das richtige Abstimmungsverhalten lieferten sich die Abgeordneten Gert Weisskirchen von der SPD und Winfried Nachtwei von den Grünen. Weisskirchen mahnte, insbesondere an die Adresse der Grünen gerichtet: "Wer die Stimme verweigert oder auch sich enthält, der stärkt die Taliban." Nachtwei betonte, seine Fraktion habe keine Alternative zu einer mehrheitlichen Enthaltung, wenn die Regierung ihren stetig wiederholten Versprechungen für mehr ziviles Engagement nicht nachkomme. "Wir bleiben mit dem Aufbau aus vielerlei Gründen ganz ganz schlimm zurück", kritisierte er.

Für die Linksfraktion bekräftigte der Abgeordnete Paul Schäfer die grundsätzliche Ablehnung des Einsatzes. "Die Nato-Mission am Hindukusch ist gescheitert", sagte er und fügte hinzu: "Mehr an Falschem kann nicht zu Richtigem führen." (ap)

Datum:  16 | 10 | 2008
Kommentare:  Kommentieren
Empfehlen:  E-Mail
Leserbrief:  Leserbrief
Artikel:  Drucken
Ressort

Nachrichten aus der Politik, Kommentare, Doku und Debatten


Kolumne

Unser Autor Stephan Hebel macht launische Bemerkungen über die doppelte Merkel, den griechischen Unmut über Spar-Kommissare - und, natürlich, den Sylt-Urlaub unseres Staatsoberhaupts.

Spezial
        

 Polizisten vor dem  durch eine Explosion zerstörten Haus in Zwickau,  in dem das rechtsradikale Trio zuletzt untergeschlüpft war.

13 Jahre lang überziehen Rechtsextreme der Zwickauer Zelle das Land mit Morden, Bombenanschlägen und Überfällen. Analysen und Hintergründe im Spezial zum Neonazi-Terror.

Interaktiv

Hier finden Sie alle Termine und aktuellen Ergebnisse der Vorwahlen der Republikaner, sowie Informationen zu den Präsidentschaftskandidaten.

Interaktiv

Wer sitzt mit wie vielen Abgeordneten im Bundesrat? Alle Ministerpräsidenten, alle Zahlen und Fakten hier!

Fotostrecke
Fotostrecke
Politiker-Pannen 2011 (14 Bilder)
Spezial
Die Gegner von S 21 freuen sich über den Etappensieg.

Seit Februar 2010 laufen Bauarbeiten am Stuttgarter Bahnhof. Diskussion, Hintergründe, Fotostrecken und mehr im FR-Spezial.

Fotostrecke
Plaßmanns Welt (241 Bilder)

Anzeige

Spezial
Rechte Proteste gegen den Bau der Kölner Zentralmoschee (Archivbild).

Radikales Gedankengut erreicht unter dem Deckmantel von Islamkritik das bürgerliche Lager. Das Spezial zur Neuen Rechten.

In eigener Sache

FR-Online.de möchte Lesern unter vielen Texten zielführende Diskussionen ermöglichen. Die Redaktion prüft Beiträge in verschiedenen Verfahren.

Sonderthema
Protest in Libyen.

Tunesien, Ägypten, Libyen, Algerien, Jemen - das Volk wagt den Aufstand gegen die Autokraten. Einige sind gefallen, andere bekämpfen die Revolutionäre bis aufs Blut.

Videos
Fotostrecke
Zum Anbeißen: Der Zoo Hannover sorgt beim Füttern für die saisonal passende Deko. Das Erdmännchen hat offenbar seinen Spaß dran.

Manchmal sind es die kleinen, schönen Dinge am Rande, die beeindrucken. Genau die zeigen wir in unseren Bildern des Tages.

Anzeige

Spezial

Bespitzelung von Beschäftigten, Datenklau, Elena, Swift - Was passiert mit unseren Daten?

Anzeige

 
Quiz
Wissens-Test.

Politik, Sport, Wirtschaft - wie gut sind Sie informiert? Machen Sie den Test mit dem unterhaltsamen Tagesquiz.

Fotostrecke
Plaßmanns Klima (19 Bilder)
Meistgeklickt
Die Szene, die zum umstrittenen Strafstoß führte.
Eintracht gegen Düsseldorf 
Auch Bettina Wulff wirkt müder als sonst - hier besichtigt sie Leonardo da Vincis
Bundespräsident Wulff in Italien 
Sascha Rösler, Agent Provocateur
Sascha Rösler 
Zeitgeschichte

Wiedervereinigung, Mauerfall, Deutscher Herbst, 1968, der Frankfurter Auschwitzprozess und das Hitler-Attentat vom 20. Juli 1944.

ANZEIGE
- Business
- Kauftipps!