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23. Januar 2013

Bundeswehreinsatz in der Türkei: Deutsche Soldaten angegriffen

 Von Frank Nordhausen
Ungefähr 240 Bundeswehrsoldaten sind am Sonntag von Berlin in die Türkei geflogen. Foto: Getty Images

Randale zum Auftakt des Nato-Einsatzes in der Türkei: Wütende Demonstranten greifen in der Stadt Iskenderun eine Gruppe deutscher Soldaten an. Die türkische Polizei schreitet ein.

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Randale zum Auftakt des Nato-Einsatzes in der Türkei: Wütende Demonstranten greifen in der Stadt Iskenderun eine Gruppe deutscher Soldaten an. Die türkische Polizei schreitet ein.

Istanbul –  

Die Bundesregierung hat die Türkei nach einem Angriff auf Bundeswehrsoldaten in der Hafenstadt Iskenderun aufgefordert, besser für den Schutz der Deutschen zu sorgen. Man erwarte, dass die Sicherheit der deutschen Soldaten in türkischen Städten gewährleistet sei, sagte ein Sprecher von Verteidigungsminister Thomas de Maiziere am Mittwoch in Berlin.

Linksnationalistische Demonstranten haben am Dienstagabend im Einkaufsviertel von Iskenderun eine Gruppe von sieben der in das Land verlegten Bundeswehrsoldaten bei einem Ausgang angegriffen. Dabei riefen sie Parolen gegen die Stationierung der Patriot-Raketenabwehrsysteme in der Türkei und gegen die Nato. In einem Video der türkischen Tageszeitung Hürriyet sieht man, wie etwa 40 Männer in Lederjacken und schwarzen Anoraks die jungen Deutschen bedrohten, die sich in ein Juweliergeschäft geflüchtet hatten und dort von anderen Türken beschützt wurden. Schließlich erschien die Polizei, begleitete die Deutschen in ihr Hotel und nahm 28 Randalierer fest.

Keine Verletzten unter den Deutschen

Die Deutschen gehören zum Einsatzkontingent, das den Nato-Partner Türkei mit den Patriot-Systemen gegen mögliche Angriffe aus Syrien schützen soll. Waffen und Ausrüstung für den Einsatz waren am Montag im Hafen von Iskenderun angekommen. Dagegen hatten bereits einige Dutzend Demonstranten protestiert. Am Dienstag hatte es erneut kleinere Proteste gegeben, die sich dann auch gegen die Bundeswehrsoldaten auf ihrem Einkaufstrip richteten. „Dabei wurde einem der Soldaten ein Sack über den Kopf gezogen, in dem sich weißes Pulver oder Puder befand“, erklärte die Bundeswehr. Unter den Deutschen gab es keine Verletzten.

Türkische Medien berichteten, die Demonstranten gehörten zur Jugendorganisationen TGB der linksnationalistischen Arbeiterpartei, die bei Parlamentswahlen kaum mehr als 0,5 Prozent der Wählerstimmen errang. Im Hürriyet-Video sieht man, wie einer der Angreifer mit einem Plastiksack hantiert. Der TGB-Chef Ilker Yücel ruft: „Keine amerikanischen Soldaten auf türkischem Land!“ und „Wir haben Säcke für sie alle!“ Das deutet darauf hin, dass die Deutschen mit Soldaten der US Army verwechselt wurden. TGB-Aktivisten haben in den vergangenen Jahren mehrfach US-Soldaten, aber auch Touristen attackiert und ihnen Säcke über den Kopf gezogen. Damit wollen sie an den Irakkrieg 2003 erinnern, als US-Militärs elf türkische Soldaten in der nordirakischen Stadt Süleymaniye mit Säcken über dem Kopf zum Verhör abführten.

Insgesamt 350 deutsche Soldaten

Iskenderun liegt in der südtürkischen Provinz Hatay, die an Syrien grenzt und in der viele Einwohner mit arabischen Wurzeln leben, die der in Syrien herrschenden Alawitensekte angehören. Deshalb kommt es in Hatay häufig zu Demonstrationen gegen die Syrien-Politik der Türkei, die das Ende des Assad-Regimes anstrebt. Eine Intervention in Syrien lehnt die Mehrheit der Bevölkerung ab. Meinungsumfragen zu Pro und Contra der Patriotstationierung sind in der Türkei aber bisher nicht bekannt geworden. Größere Proteste dagegen organisierten linke Studenten Anfang Januar an der Universität von Ankara.

Das deutsche Einsatzkontingent ist in der Stadt Kahramanmaras stationiert, etwa 100 Kilometer von der syrischen Grenze entfernt. Insgesamt werden etwa 350 deutsche Soldaten den Nato-Partner Türkei gemeinsam mit Einheiten aus den USA und den Niederlanden vor möglichen Raketenangriffen schützen. Die Bundeswehr setzte am Mittwoch den Aufbau ihrer Gerätschaften am Rande der Stadt fort, sagte ein Sprecher. (mit dpa)

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