Berlin. Der Vorsitzende des Bundeswehrverbandes, Ulrich Kirsch, hat die Einführung einer Tapferkeitsmedaille für Bundeswehrsoldaten mit dem gefährlichen Einsatz der Truppe begründet.
"So eng wie Tod und Verwundung an den Soldaten dran ist, ist das in anderen Berufen nicht gegeben", sagte er in der ARD. Zu Befürchtungen von Kritikern, die Medaille könnte zu einem neuen Heldenkult führen, sagte Kirsch im WDR, die Bundeswehr in einer Demokratie habe mit der Wehrmacht "überhaupt nichts am Hut".
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) wollte am Mittag in Berlin gemeinsam mit Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) vier Soldaten den neuen Orden erstmals verleihen. Sie werden im Kanzleramt für ihren herausragenden Einsatz für Kameraden nach einem Selbstmordanschlag auf die Bundeswehr im nordafghanischen Kundus im vorigen Oktober ausgezeichnet.
Die Bundeswehr hatte bisher für die Auszeichnung von Soldaten Ehrenkreuze vergeben, deren Verleihung aber meist an die Länge der Dienstzeit geknüpft war. Seit dem Zweiten Weltkrieg hatte Deutschland im Gegensatz zu anderen NATO-Staaten bewusst auf einen Tapferkeitsorden verzichtet.
Nach den Worten des Wehrbeauftragten des Bundestages, Reinhold Robbe, haben Tugenden wie Kameradschaft, Treue, Mut und Tapferkeit eine zentrale und neue Bedeutung für Bundeswehrsoldaten bekommen. Früher sei die Übung der Ernstfall gewesen, heute sei der Ernstfall tagtägliche Realität in vielen Teilen der Welt, sagte er Handelsblatt.com. In Afghanistan hätten dies bereits viele Soldaten leidvoll erfahren müssen. Er betonte, die neue Tapferkeitsmedaille sei "positiver Patriotismus" und kein Heldenkult.
Kirsch sagte: "Der entscheidende Punkt ist doch, dass einzelne Menschen was ganz Besonderes geleistet haben. Und sie haben ihre eigene Angst überwunden, sie haben ihr eigenes Leben in die Waagschale geworfen, um anderes Leben zu retten. Und jetzt kriegen sie symbolisch ein Dankeschön vom Staat." Und: "Eine Nation, die keine Symbole hat, die ist arm dran." (dpa)
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