Das war nicht immer so. Völkisch-national gaben sich die Burschenschaften, deren Ursprung in den Befreiungskriegen gegen Napoleon liegt, zwar schon immer. Aber lange hielten sich Gemäßigte und Radikale in der DB einigermaßen die Waage. Das änderte sich erst, als der Streit darüber, ob Österreicher in die Deutsche Burschenschaft gehören, 1961 eskalierte. Damals gründeten Bünde aus der DB mit österreichischen Korporierten die Burschenschaftliche Gemeinschaft (BG), die bis heute die Auffassung vertritt, "dass keine Abtretung der Ostgebiete stattgefunden hat".
Der 32-jährige Christdemokrat und Korporierte Carsten Engelhardt winkt dagegen ab: "Ich kann nicht bestätigen, dass es bei uns irgendwelche Extremisten gibt." Engelhardt gehörte allerdings zu den Mitunterzeichnern eines Manifests gegen den "Linksruck" in der CDU. Außerdem ist er Vorsitzender der Heidelberger Burschenschaft Normannia und als solcher Verhandlungsleiter des diesjährigen Burschentages.
Jetzt sitzt er im Thüringer Hof und findet es erkennbar unangenehm, über "extremistische Tendenzen" reden zu müssen. Er ist gerade in so schöner Feierstimmung. "Wissen Sie", sagt Engelhardt, "wir Burschenschafter trinken ja auch ganz gerne mal einen Schoppen. Da kann es schon sein, dass sich mal der eine oder andere danebenbenimmt." Dann muss er gehen.
Es gibt für Engelhardt genügend zu tun: Der Fackelzug, der Kommers, Streit zwischen Rechten und Ultrarechten schlichten, den einen oder anderen Salamander reiben - wie das gegenseitige Zuprosten genannt wird. Morgen kommt der Gastredner. Es wird Christian Köckert sein. Der ist auch bei der CDU - war mal Innenminister von Thüringen.
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