WUPPERTAL. Die vergangenen Tage sind nicht spurlos an ihr vorbeigegangen. Der Verhandlungsmarathon. Die Negativschlagzeilen. Die Interview-Gegenoffensive. Und nun auch noch Jürgen Rüttgers. "Stellen Sie sich einmal vor, wir wären Hans-Olaf Henkel gefolgt!", gibt der selbsternannte Arbeiterführer auf dem Johannes-Rau-Platz in Wuppertal den Lafontaine: "Dann hätten wir die ganze Altersvorsorge in Aktien angelegt, und die Rentner müssten jetzt an der Supermarktkasse Tüten packen." Da zieht Angela Merkel die Augenbrauen hoch.
Kurz darauf steht die CDU-Chefin selbst am Rednerpult vor den 2000 Zuhörern. Die nordrhein-westfälische Landtagswahl hat für sie enorme Bedeutung: Nicht nur ihre Mehrheit im Bundesrat steht auf dem Spiel. Bei einem schlechten Abschneiden dürften die Streitereien in der Koalition zunehmen. Und auch die Führungsdiskussion in der Union könnte wieder aufbrechen.
Doch die Euro-Krise hat den Wahlkampf verändert. Das zeigt sich in Wuppertal. Schon zu Beginn der Veranstaltung hat der örtliche CDU-Bundestagsabgeordnete Jürgen Hardt geklagt, es sei "nicht immer ganz einfach", die Entscheidungen zur Griechenland-Hilfe zu verstehen: "Das ist ein Wechselbad. Ich wünsche mir manchmal, wir hätten mehr Zeit."
Ein Wechselbad - so empfinden viele an der Unions-Basis die Politik der Kanzlerin, die erst als "Madam Non" eine Unterstützung des Mittelmeerlandes ablehnte und nun am heutigen Freitag im Bundestag einen 22-Milliarden-Euro-Kredit absegnen lassen will. Dazwischen lag, das muss man fairer Weise erwähnen, die Einigung Athens mit dem IWF auf ein radikales Sparprogramm.
In Wuppertal gibt Merkel die schwäbische Hausfrau: Griechenland habe "über seine Verhältnisse gelebt", rügt sie. Trotzdem müsse man "die Stabilität des Euro" sichern. Vertiefen möchte sie das Thema nicht. Lieber verspricht sie kämpferisch, sie werde "dafür eintreten, dass weltweit den Spekulanten das Handwerk gelegt wird".
Im Konrad-Adenauer-Haus rätseln die Wahlstrategen derweil, wie sich die Griechenland-Krise auf die NRW-Wahl auswirkt. "Das ist eine Black Box", heißt es. Mancher fürchtet, dass enttäuschte Unions-Anhänger am Sonntag zuhause bleiben könnten. Umso greller malt die CDU nun das rot-rot-grüne Schreckgespenst an die Wand, und Merkel beschwört den Wert der "Stabilität" in der Krise: "In meiner mecklenburgischen Heimat sagt man: Am Berg wechselt man die Pferde nicht!" Das klingt einleuchtend. Freilich gibt es in Mecklenburg keine Berge.
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