Der schleswig-holsteinische Ministerpräsident Peter Harry Carstensen (CDU) hat sich als erster Ministerpräsident offen für eine Verlängerung der Laufzeiten deutscher Kernkraftwerke nach der Bundestagswahl ausgesprochen. Zugleich sollen aber erneuerbare Energien wie die Windkraft massiv ausgebaut werden. So soll die Atomenergie nach seinen Vorstellungen zusammen mit der Windkraft das Rückgrat der künftigen Energieversorgung im nördlichsten Bundesland bilden.
"Die Windkraft bleibt zwar die Leitenergie in Schleswig-Holstein, aber wir brauchen auch die Kernenergie", sagte Carstensen. "Das Abschalten der Kernkraftwerke ist ein Fehler." Er bezog explizit das Kernkraftwerk Brunsbüttel am Unterlauf der Elbe ein, das nach den im Atomgesetz festgesetzten Reststrommengen in zwei bis drei Jahren vom Netz genommen werden müsste. Betreiber Vattenfall will allerdings Strommengen seines zweiten Meilers Elbe aufwärts in Krümmel auf Brunsbüttel übertragen, was das Bundesumweltministerium verboten hat. Dagegen klagt Vattenfall und hofft auf eine Entscheidung noch vor der Bundestagswahl.
Offensichtlich bereitet sich der Stromkonzern bereits auf eine Verlängerung der Laufzeiten vor. "Wir investieren in beiden Kraftwerken in die Sicherheit", sagte eine Sprecherin. Krümmel darf bis etwa 2017 am Netz bleiben. Drittes Kernkraftwerk im Land ist Brokdorf im Besitz des Düsseldorfer Energiekonzerns Eon. Landeswirtschaftsminister Werner Marnette (CDU) forderte bessere Sicherheitsstandards, wenn die Laufzeiten verlängert würden, sowie sinkende Strompreise.
Schleswig-Holstein soll nach außen hin vor allem als Windkraftland wahrgenommen werden. "Wir wollen bis 2020 mehr als 100 Prozent erneuerbare Energien erreichen", sagte Carstensen. Das Land würde dann mehr regenerativen Strom erzeugen als es verbraucht. Derzeit liegt der Anteil bei 40 Prozent. Diese Pläne können aber nur bei einem Ausbau der Windkraft auf hoher See aufgehen, der entscheidend von der Risikobereitschaft privater Investoren abhängt - und die ist aktuell wegen der Finanzkrise gedämpft. Das Land kann finanziell nicht helfen. "Landesbürgschaften", lässt Marnette durchblicken, "können wir uns nicht leisten." Dem Ausbau der Windkraft steht auch das Fehlen geeigneter Netze zur Aufnahme des Stroms entgegen - ein Problem, das für die drei Kernkraftwerke des Landes nicht gilt.
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