Noch vor zwei Jahren konnte Almash von ihrer Arbeit halbwegs leben. Zwar hatte die 18-Jährige keinen unbefristeten Job, doch in der Bekleidungsindustrie Kirgistans wurden junge Frauen wie Almash gesucht. Dann schlug 2009 die Finanzkrise auch in ihrer Heimat voll durch. Jede fünfte Bekleidungsfabrik musste dichtmachen. „Ich weiß nicht, wie ich es meiner Familie sagen soll“, klagt Almash: „Aber da, wo ich lebe, gibt es keine Beschäftigung.“
Almash ist kein Einzelfall. Berufsanfänger und junge Erwachsene sind die Hauptbetroffenen der globalen Wirtschafts- und Finanzkrise. Weltweit ist die Arbeitslosenquote der 15- bis 24-Jährigen von 11,9 Prozent im Jahr 2007 auf 13,0 Prozent im Jahr 2009 gestiegen. Im laufenden Jahr dürfte sie gar die Rekordmarke von 13,1 Prozent erreichen. Rund um den Globus wären dann 81,2 Millionen Jugendliche und junge Erwachsene ohne Job. Dies geht aus einer Studie der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) in Genf zu den globalen Beschäftigungstrends für die Jugend hervor, die der Frankfurter Rundschau vorliegt.
Die Jugend in Spanien leidet unter der höchsten Arbeitslosigkeit in ganz Europa. Eurostat meldet für Juni 2010 eine Arbeitslosenquote von 40,3 Prozent bei der Gruppe der unter 25-Jährigen. Damit liegt der spanische Wert doppelt so hoch wie der EU-weite Schnitt. Dabei erlebte Spanien jahrelang einen Arbeitsplatz-Boom, 2007 waren erst 17,5 Prozent der 16- bis 25-Jährigen arbeitslos. Doch seitdem der aufgeblähte Immobilienmarkt eingebrochen ist und die Finanzkrise ihre volle Wucht entfaltet, steigen die Zahlen dramatisch.
Von einer „Generation Null“ mit äußerst geringen Perspektiven und überhaupt keinen Jobchancen schreibt die größte Tageszeitung des Landes, El País.
Schulabbrecher und gering Qualifizierte sind zwar wie andernorts besonders betroffen. Auf der iberischen Halbinsel haben aber auch Jungakademiker massive Probleme, nach dem Studium einen Job zu finden.
Selbst eine Anstellung bedeutet im Jahr 2010 in Spanien keinerlei Planungssicherheit. Rund 90 Prozent der spanischen Arbeitnehmer unter 25 Jahren haben lediglich befristete Arbeitsverträge. Sie sind leicht kündbar.
Zukunftsängste und fehlende Motivation stellen Experten als Folgen fest - und häufig auch eine lange finanzielle Abhängigkeit der jungen Menschen von den Eltern.
„Ni-Ni“ wird die Generation schon in Fachkreisen genannt. Das Kürzel steht für „ni estudian, ni trabajan“. Es ist also die Rede von einer Jugend, die weder lernt noch arbeitet. Jugendliche ohne Antrieb, die keine Träume für die Zukunft haben und wieder bei den Eltern wohnen. Spanien befürchtet, dass durch die Wirtschaftskrise eine „verlorene Generation“ von jungen Menschen heranwächst. Philipp Woldin
Pünktlich zum heutigen Internationalen Tag der Jugend warnt die ILO, die Krise könne eine „verlorene Generation“ von jungen Menschen hervorbringen, die aus dem Arbeitsmarkt gefallen seien und „alle Hoffnungen auf Arbeit für ein anständiges Leben aufgegeben haben“.
Laut ILO hat die Rezession die 15- bis 24-Jährigen nämlich deutlich härter getroffen als die älteren Erwerbstätigen. Deren Arbeitslosenquote stieg zwischen 2007 und 2009 von 4,2 auf 4,9 Prozent. In Krisen gelte immer noch die Regel „last-in, first-out“, heißt es in der 80-seitigen Studie zur Begründung. Zudem seien Jugendliche und junge Erwachsene den Schwankungen am Arbeitsmarkt stärker ausgeliefert, weil sie weniger Berufserfahrung vorweisen könnten und oft nicht die finanziellen Mittel zur Überbrückung von Krisenzeiten hätten.
Quote im Mittleren Osten und in Nordafrika am höchsten
Während die Betroffenen als Konsequenz aus einem Jobverlust in den entwickelten Ländern oft gezwungen seien, eine schlechter bezahlte Tätigkeit aufzunehmen, versuchten sie in den Entwicklungsländern in den weiter expandierenden informellen Sektor auszuweichen. So mussten 2008 weltweit 152 Millionen jugendliche Erwerbstätige mit Pro-Kopf-Einkünften von weniger als 1,25 Dollar am Tag auskommen. Dies entspricht einer Armutsrate von 28 Prozent.
Die Untersuchung zeigt deutliche regionale Unterschiede bei der Entwicklung der Jugendarbeitslosigkeit. So lag die Quote der erwerbslosen 15- bis 24-Jährigen 2009 im Mittleren Osten und in Nordafrika mit 23,4 und 23,7 Prozent am höchsten. Die stärkste Steigerung im Zuge der Finanzkrise war hingegen in den entwickelten Volkswirtschaften und Europa zu verzeichnen, wo die Quote von 13,1 Prozent (2008) auf 17,7 Prozent (2009) sprang. Deutschland konnte sich mit einer Quote von elf Prozent deutlich besser halten. Weltweit erwartet die ILO erst für 2011 einen leichten Rückgang auf 12,7 Prozent.
In fast allen Gegenden der Welt ist es für junge Frauen schwieriger, einen Job zu finden als für junge Männer. So lag die weltweite Frauen-Erwerbslosenquote 2009 mit 13,2 Prozent um 0,3 Punkte über dem männlichen Wert. In den moslemisch geprägten Regionen des Mittleren Ostens und Nordafrikas sind ein Drittel der jungen Frauen ohne Job.
Dringend mahnt die ILO eine gezielte Bildungs- und Beschäftigungspolitik an. Arbeitslosigkeit in jungen Jahren erzeuge bei den Betroffenen ein Gefühl der Nutzlosigkeit und könne Kriminalität, psychische Probleme und Drogenkonsum befördern. Doch auch volkswirtschaftlich verursache sie hohen Schaden. So würden weniger Sparrücklagen gebildet und die Binnennachfrage gebremst. Außerdem seien Bildungsinvestitionen verloren und den sozialen Sicherungssystemen fehlten die Beitragszahler.
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