kalaydo.de Anzeigen

Chile: Rechtsruck bei Präsidentenwahl

Chile steht nach der Präsidentschaftswahl vor einer Rechtswende. Der rechtsgerichtete Milliardär Piñera erreichte nach der Auszählung rund 44 Prozent aller Stimmen, muss aber noch in eine Stichwahl.

Sebastián Piñera hat die meisten Stimmen auf sich vereinigen können.
Sebastián Piñera hat die meisten Stimmen auf sich vereinigen können.
Foto: rtr

Santiago de Chile. Bei der Präsidentenwahl in Chile hat es einen Rechtsruck gegeben. Der konservative Millionär Sebastián Piñera erhielt nach Auszählung fast aller Stimmen am Sonntag mit 44,03 Prozent mit Abstand die meisten Stimmen.

Allerdings verpasste der 60- Jährige die für einen Sieg in der ersten Runde notwendige absolute Mehrheit und muss in die Stichwahl. Dort trifft er am 17. Januar auf Ex-Präsident Eduardo Frei von der seit fast 20 Jahren regierenden Mitte-Links-Koalition Concertación. Der 67-Jährige kam nach diesen offiziellen Angaben auf 29,62 Prozent.

Auf Platz drei mit 20,12 Prozent landete der Dissident aus dem Lager der Concertación, der unabhängige, erst 36-jährige Kandidat Marco Enríquez Ominami. Jorge Arrate, Kandidat der Linken, erhielt 6,21 Prozent. Die Angaben beruhten auf der Auszählung von 98,32 Prozent der Stimmen.

Schon vor der Wahl hatten Informationen über ein mögliches Bündnis der Concertación mit Ominami und Arrate die Runde gemacht. Angesichts der realen Chance, dass die Konservativen erstmals seit 1958 durch Wahlen an die Macht kommen könnten, rief Frei die Wähler Ominamis und Arrates auf, in der Stichwahl für ihn zu stimmen. Kommentatoren erklärten das schlechteste Wahlergebnis der Concertación mit ihrer Abnutzung durch die lange ununterbrochene Regierungszeit, das mangelnde Charisma von Frei und die erstmalige Spaltung des Mitte- Links-Lagers.

Ein Regierungswechsel würde nach Einschätzung politischer Beobachter jedoch keine dramatischen Änderungen in der Wirtschafts- und Sozialpolitik in dem wohlhabenden und stabilen Land nach sich ziehen. Auch die Concertación hat eine relativ konservative und auf Marktkräfte vertrauende Politik betrieben. Jedoch könnte Piñera bei der Bekämpfung der Armut in dem von krassen sozialen Unterschieden geprägten Land andere Akzente setzen. Die ärmsten zehn Prozent der Bevölkerung sind nur mit etwa zwei Prozent an den Ausgaben aller Privathaushalte beteiligt, die reichsten zehn Prozent dagegen mit über 40 Prozent.

Einen echten Kurswechsel könnte es unter Piñera hingegen in der Außenpolitik geben. Er würde den Beziehungen zu linksgerichteten lateinamerikanischen Regierungen wie denen in Venezuela, Bolivien und Nicaragua weniger Bedeutung beimessen und dafür die Verbindungen zum konservativ regierten Kolumbien und vor allem zu den USA aufwerten. Und auch die Bestrafung der Täter in Uniform wegen Menschenrechtsverbrechen unter der Pinochet-Diktatur möchte Piñera beschränken.

Der Wahlsieger tritt am 11. März für vier Jahre die Nachfolge der sehr populären sozialistischen Präsidentin Michelle Bachelet an. Die chilenischen Gesetze erlauben mehrere Amtszeiten, schließen eine unmittelbare Wiederwahl aber aus. Die Sozialistin hat bereits angedeutet, beim nächsten Mal erneut antreten zu wollen. (dpa)

Datum:  14 | 12 | 2009
Kommentare:  Kommentieren
Empfehlen:  E-Mail
Leserbrief:  Leserbrief
Artikel:  Drucken
Ressort

Nachrichten aus der Politik, Kommentare, Doku und Debatten


US-Wahl 2012: Countdown für Obama

Damir Fras ist unser US-Korrespondent
Olivia Schoeller berichtete zuvor aus Washington
Daniel Haufler ist Redakteur im Ressort Meinung
Countdown für Obama - das Weblog zur US-Wahl


Spezial: US-Wahl 2012

Bleibt Barack Obama Präsident der USA? Oder macht Mitt Romney von den konkurrierenden Republikanern das Rennen?

US-Wahl-Spezial mit Analyse und Hintergrund

Interaktive Karte zu den Vorwahlen der Republikaner

Exklusive Reportagereise durch den Wahlkampf

Weblog der USA-Experten unserer Redaktion

Kolumne

Die Politik ist eine Castingshow - und Angela Merkel ihr Dieter Bohlen: Stephan Hebel in seiner Audioslideshow über Peter Altmaier (eine Runde weiter!), den Osterhasen (Artenvielfalt gerettet!) und einen friedlosen ESC (wo ist Nicole, wenn man sie braucht?). Über Fußball - diesmal kein Wort!

Interaktiv

Wer sitzt mit wie vielen Abgeordneten im Bundesrat? Alle Ministerpräsidenten, alle Zahlen und Fakten hier!

Anzeige

 

Anzeige

 

Video
Spezial: Israel-Iran-Konflikt

Bombardiert Israel die iranischen Atomanlagen? Weitet sich der Konflikt zum Regionalkrieg aus? Werden gar die USA hineingezogen? Die Lage in Nahost spitzt sich dramatisch zu. Das Spezial.


Politik-Spezial

Ihr Wunsch-Bundespräsident Wulff scheitert, sie muss Gauck als Nachfolger hinnehmen, ihre Mehrheit steht im Bundestag nicht mehr hinter ihr: Die Autorität von Bundeskanzlerin Merkel schwindet. Das Spezial.


Fotostrecke
Plaßmanns Welt (295 Bilder)
Fotostrecke
Meeresbewohner: Leuchtend grüne Quallen gleiten durch ein Aquarium.

Manchmal sind es die kleinen, schönen Dinge am Rande, die beeindrucken. Die zeigen wir in unseren Bildern des Tages.

Quiz
Der zurückgetretene Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg holt seine Entlassungspapiere im Schloss Bellevue ab (03.03.2011).

Guttenberg hatte einen guten Grund. Aber weshalb sind Horst Köhler oder Richard Nixon abgetreten?

Quiz
Wissens-Test.

Politik, Sport, Wirtschaft - wie gut sind Sie informiert? Machen Sie den Test mit dem unterhaltsamen Tagesquiz.

ANZEIGE
- Business
- Kauftipps!