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Politik
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20. Oktober 2010

Chinesen in Sambia: Antwort aus Gewehrläufen

 Von Johannes Dieterich
Der Minenarbeiter Vincent Chenjela im Krankenhaus, in dem Ärzte ihm die Schrotkugeln aus dem Körper operierten.  Foto: AFP

Chinesische Manager haben auf demonstrierende Kumpel einer Mine in Sambia geschossen. In von Chinesen betriebenen Bergwerken und Unternehmen in dem afrikanischen Land gab es bereits wiederholt Zusammenstöße zwischen Arbeitern und Managern.

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In dem südafrikanischen Staat Sambia sind zwei chinesische Minenmanager des versuchten Mordes angeklagt worden, nachdem sie das Feuer auf demonstrierende Minenarbeiter eröffnet und elf Kumpels zum Teil schwer verletzt hatten. Der Zwischenfall ereignete sich am vergangenen Freitag, als mehrere hundert Beschäftigte in der Kohlemine Collum, mehr als 300 Kilometer südlich der Hauptstadt Lusaka gelegen, für höhere Löhne und bessere Arbeitsbedingungen demonstrierten.

Die beiden Manager Xiao Li Shan (48) und Wu Jiu Hua (46) fühlten sich ihren eigenen Angaben nach bedroht und eröffneten mit Schrotflinten das Feuer auf die Demonstranten. Dabei wurden neun Kumpel leicht und zwei schwer verletzt. Sie wurden zur Operation in ein Krankenhaus nach Lusaka gebracht.

Chinas Außenministerium sprach von einem „Missverständnis“. Der Vorfall solle von der sambischen Gerichtsbarkeit geklärt werden, sagte ein Sprecher des Außenministeriums in Peking: Er werde die „freundlichen Beziehungen zwischen Sambia und China“ jedoch nicht beeinträchtigen können. Dagegen forderte die sambische Oppositionspartei „Patriotische Front“ (PF) „einschneidende Maßnahmen“ zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen in den von Chinesen betriebenen Bergwerken des Landes und warf der eigenen Regierung vor, mit den „chinesischen Ausbeutern“ gemeinsame Sache zu machen. Die Regierung sehe „der Misshandlung“ sambischer Kumpel seitens chinesischer Manager untätig zu, klagte der Generalsekretär der Patriotischen Front, Winter Kabimba: „Das ist eine neue Form des Kolonialismus.“

In von Chinesen betriebenen Bergwerken und anderen Unternehmen in Sambia gab es bereits wiederholt Zusammenstöße zwischen Arbeitern und Managern – wie im Juli vor fünf Jahren, als bei Protesten in der Kupfermine Tschambischi sechs Kumpel angeschossen wurden. PF-Präsidentschaftskandidat Michael Sata hatte während des Wahlkampfs vor vier Jahren angekündigt, im Fall seines Wahlsieges alle chinesischen Händler aus dem Land zu werfen. Demonstranten, die sich in den vergangenen Tagen wiederholt vor der chinesischen Botschaft in Lusaka versammeln wollten, wurden von der Polizei vertrieben. „Niemand soll uns sagen, dass die Chinesen hierhergekommen sind, um uns zu helfen“, meint Wirtschaftsanalyst Bob Sichinga: „Sie sind vielmehr hier, um sich selbst zu helfen.“

Mit seinen Kohle- und vor allem Kupferminen zählt Sambia zu den wichtigsten chinesischen Partnern in Afrika. Nach Angaben der sambischen Regierung hat das Reich der Mitte bereits mehr als drei Milliarden Dollar in dem südafrikanischen Staat investiert. In chinesischem Besitz befinden sich außer drei Minen auch eine Schmelze, die 150 000 Tonnen Kupfer im Jahr verarbeiten kann, mehrere Textilunternehmen sowie zahllose kleinere Betriebe. Viele chinesische Unternehmen zahlten „Sklavenlöhne“ und kümmerten sich weder um Sicherheitsbestimmungen noch um das sambische Arbeitsrecht, kritisiert PF-Generalsekretär Kabimba.

Chinas rapide wachsender Einfluss in Afrika wird auf dem gesamten Kontinent kontrovers betrachtet. Während viele Afrikaner das chinesische Engagement positiv beurteilen und die Auswirkungen der stark gestiegenen Nachfrage auf die Rohstoffpreise loben, sehen andere in dem Reich der Mitte eine neue Kolonialmacht.

Nachdem der Handel zwischen Afrika und China wegen der Rezession im vergangenen Jahr leicht zurückging, wird er in diesem Jahr mit einem geschätzten Umfang von weit über 120 Milliarden Dollar einen neuen historischen Rekord erreichen.

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