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CIA in Afghanistan: Das Erbe des Charlie Wilson

Vor 30 Jahren organisierte der US-Abgeordnete Charlie Wilson Milliarden US-Dollar für CIA-Missionen in Afghanistan. Jetzt ist er in Texas gestorben. Von Dietmar Ostermann

Mudschaheddin-Kämpfer in Süd-Afghanistan, März 1989. Die Sowjets zogen bald darauf ab.
Mudschaheddin-Kämpfer in Süd-Afghanistan, März 1989. Die Sowjets zogen bald darauf ab.
Foto: afp

Washington. Es gibt ein Foto von Charlie Wilson, auf dem er triumphierend ein uraltes Enfield-Gewehr in die Höhe reckt, in der stolzen Pose des Jägers, der soeben ein Großwild erlegt hat. Aufgenommen wurde es 1988 im Washingtoner Büro des legendären Kongressabgeordneten aus Texas. An der Wand hinter Wilson hängt auf dem Foto ein Bild, auf dem ein bärtiger Mudschaheddin zum Gebet niederkniet.

Beides wäre heute undenkbar. Waffen im Kapitol sind verboten, islamistische Kämpfer in den USA suspekt. Sein Großwild aber hatte Charlie Wilson damals erlegt. Knapp ein Jahr, nachdem das Foto entstand, zogen die sowjetischen Besatzer aus Afghanistan ab.

Charlie Wilson verschaffte den Mudschaheddin Milliarden.
Charlie Wilson verschaffte den Mudschaheddin Milliarden.
Foto: getty

Lange war die Rolle, die Charles Nesbitt Wilson nach der sowjetischen Invasion 1979 am Hindukusch und in der Weltpolitik gespielt hatte, nur wenigen Eingeweihten bekannt. Im Kapitol galt der Abgeordnete als Frauenheld und Lebemann. Seine Freundinnen nannte er "Schneeflocke" oder "Silvesterknaller". Kollegen nannten ihn wegen seiner ausschweifenden Partys "Good-time Charlie".

Der Besuch in einem afghanischen Flüchtlingslager, so hat es der Autor George Crile im später mit Tom Hanks in der Hauptrolle verfilmten Buch "Der Krieg des Charlie Wilson" erzählt, wurde dann zum Wendepunkt. Er machte aus dem überzeugten Antikommunisten Wilson eine Schlüsselfigur bei der geheimen US-Hilfe für die Mudschaheddin. Im Kapitol organisierte der Demokrat in den 80er Jahren verdeckt Milliarden Dollar für die CIA-Operation "Wirbelsturm": Zehntausende afghanische Kämpfer wurden bewaffnet und ausgebildet.

Der US-Schattenkrieg gegen die Sowjetbesatzer freilich war nicht nur der Krieg des Charlie Wilson. Präsident Jimmy Carter hatte die geheime CIA-Operation 1979 unmittelbar nach dem Sowjeteinmarsch angeordnet, Nachfolger Ronald Reagan weitete sie aus und machte sie als "Reagan Doktrin" zum Modell für ähnliche Operationen, etwa die Unterstützung der Contra-Rebellen in Nicaragua. Doch während die Contra-Waffenlieferungen zum Skandal führten, organisierte Wilson im Kongress über Jahre geschickt die Gelder für Afghanistan.

Dass der damalige Geheimkrieg am Hindukusch zugleich die Saat legte für den späteren Aufstieg militanter Islamisten, von den Taliban bis El Kaida, mochte Charlie Wilson so nie sehen. Die Mudschaheddin nicht zu bewaffnen "wäre das Gleiche gewesen, wie die Sowjets im Zweiten Weltkrieg nicht gegen Hitler zu unterstützen", sagte er 2007. Der Fehler sei gewesen, Afghanistan später sich selbst zu überlassen. So sieht das auch Pentagonchef Robert Gates, damals als CIA-Vize ein enger Verbündeter Wilsons, heute selbst verantwortlich für den Krieg in Afghanistan: "Nachdem die Sowjets abzogen, kämpfte Charlie weiter für das afghanische Volk und warnte davor, das traumatisierte Land seinem Schicksal zu überlassen - eine Warnung, auf die wir besser gehört hätten."

1997 hörte Wilson als Abgeordneter auf. Am Mittwoch erlag er in seiner texanischen Heimat Lufkin mit 76 Jahren einem Herzinfarkt.

Autor:  Dietmar Ostermann
Datum:  12 | 2 | 2010
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