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Clinton in Afrika: Kontinent in der Krise

Schlechte Regierungsführung und Korruption bremsen die positive Entwicklung afrikanischer Staaten, meint US-Außenministerin Hillary Clinton zum Auftakt ihrer Afrika-Reise in Nairobi. Von Johannes Dieterich

Hillary Clinton in Nairobi, Kenia, mit dem kenianischen Außenminister  Moses Wetangula.
Hillary Clinton in Nairobi, Kenia, mit dem kenianischen Außenminister Moses Wetangula.
Foto: afp

William Banda gehört zu denen, die den über Afrika hinweg schwappenden wirtschaftlichen Tsunami schon früh zu spüren bekamen. Der 46-jährige Vater von vier Töchtern verlor bereits Anfang des Jahres seinen Job, als die im Norden Sambias gelegene Kupfermine Luanshya plötzlich ihre Schächte schloss und alle 3000 Beschäftigten entließ.

"Das war ein vollkommener Schock für uns", sagt der seit 22 Jahren in dem Bergwerk beschäftigte Kumpel: "Ich musste meine Töchter zu Verwandten geben, weil ich selbst nicht mehr für sie sorgen konnte."

Die Reise

Hillary Clintons erster Afrika-Trip als Außenministerin dauert elf Tage und wird sie gleich in sieben Staaten führen - darunter die drei wirtschaftlichen "Riesen" Kenia, Nigeria und Südafrika. Dass sie außer schönen Worten auch das Konzept für eine neue Afrika-Politik mitbringt, ist eher unwahrscheinlich

Ihre Regierung ist viel zu sehr mit dem Management der Wirtschaftskrise und den Konflikten in Afghanistan und im Nahen Osten beschäftigt, um sich dem Aschenputtelkontinent in besonderer Weise zuzuwenden.

Zum Auftakt eröffnete Clinton gestern den US-afrikanischen Wirtschaftsgipfel in Kenias Hauptstadt Nairobi und prangerte Korruption als größtes Fortschrittshindernis auf dem Kontinent an: "Wirklicher wirtschaftlicher Fortschritt" hänge von "verantwortungsvollen Regierungen ab, die Korruption ablehnen, die Anwendung der Gesetze durchsetzen und Resultate hervorbringen", sagte sie.

Von afrikanischer Seite erhofft man sich allerdings mehr Unterstützung. Denn dem Kontinent helfen auch die bereits unter George W. Bush eingeführten Handelsbegünstigungen kaum.

Clinton hat jedoch allem Anschein nach nichts mitgebracht, womit sie ihre von der Krise arg gebeutelten Gastgeber etwas fröhlicher stimmen könnte. (jod)

Was William Banda offenbar nicht wusste: Die noch vor einem Jahr hoch profitable Mine war fast über Nacht unrentabel geworden, weil die Kupferpreise von 9000 US-Dollar pro Tonne auf weniger als 4000 Dollar plumpsten. Sambias Kupferabbau, der für 80 Prozent der Exporteinnahmen des bettelarmen Staates sorgte und von dem sich 50000 Beschäftigte mitsamt ihren Familien ernährten, wurde von der im Norden ausgelösten Rezession fast völlig zerstört.

Nach William Banda wurden noch Hunderttausende andere Arbeiter in Afrika gefeuert - nach Schätzungen der afrikanischen Entwicklungsbank werden 27 Millionen Menschen infolge der Weltwirtschaftskrise wieder in tiefste Armut zurückfallen. Allein in diesem Jahr wird Afrika auf Einnahmen in Höhe von 50 Milliarden Dollar verzichten müssen, was nach Erhebungen der Weltbank den Tod von bis zu 700.000 Kindern bedeutet, die wegen mangelnder Versorgung ihren ersten Geburtstag nicht erleben werden.

Der Kollaps der Rohstoffpreise und seine Folgen

"Für Afrika hätte die Krise zu keinem schlimmeren Zeitpunkt kommen können", meint Jose Gijon, Ökonom bei der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD): "Alle Errungenschaften, die der Kontinent in den vergangenen Jahren zu erzielen wusste, stehen wieder auf der Kippe."

Die im Norden verursachte Krise wirkt sich im Süden auf vielfältige Weise aus. Die wohl verheerendste Folge der globalen Rezession ist der Kollaps der Rohstoffpreise, der den von Bodenschatzexporten abhängigen Kontinent besonders beutelt.

Der Preissturz löste bereits einen Wertverfall der afrikanischen Währungen aus, der wiederum die Importe stark verteuert.

Hinzu kommt ein empfindlicher Rückgang der Touristenzahlen, der vor allem klassische Reiseländer wie Südafrika, Kenia oder Botswana trifft, sowie ein Einbruch der Überweisungen, mit denen im Ausland lebende Afrikaner ihre zu Hause gebliebenen Familien über Wasser zu halten pflegen.

Notwendige Reformen

Schätzungen des Internationalen Währungsfonds (IWF) zufolge machten diese Zahlungen bisher mindestens 40 Milliarden Dollar jährlich aus: Ganze Staaten wie Simbabwe wurden auf diese Weise vom Totalkollaps bewahrt. Manche Staaten drohten von der Krise schlicht "versenkt" zu werden, orakelt Äthiopiens Premierminister Meles Zenawi: Hungersnöte, Aufstände und Chaos könnten die Folgen sein.

Trotz des düsteren Szenarios hoffen Experten, Afrika könne schnell wieder auf die Beine kommen, falls die sich derzeit abzeichnende Erholung der Märkte Bestand haben sollte. Dafür spreche vor allem, dass viele afrikanische Regierungen in den vergangenen Jahren die notwendigen Reformen durchgeführt hätten - und dass mit China eine neue wirtschaftliche Supermacht entstand, deren Hunger nach Bodenschätzen den nächsten Preisboom schon garantiere.

Tatsächlich gab Peking bereits bekannt, dass sein Interesse an Afrika unter der Krise keineswegs gelitten habe: Bis November will das Reich der Mitte weitere zwei Milliarden Dollar auf dem Kontinent der Bodenschätze investieren. Auch William Banda kann wieder hoffen, nachdem sich der chinesische Bergwerksriese NFCA zum Kauf der Kupfermine Luanshya bereit erklärte.

Dass die Krise überall in Afrika so glimpflich verlaufen wird, ist allerdings fast ausgeschlossen: "Wir werden mit sozialen Spannungen, mit politischer Instabilität und auch mit Todesopfern rechnen müssen", ist der ehemalige UN-Generalsekretär Kofi Annan überzeugt.

Autor:  Johannes Dieterich
Datum:  5 | 8 | 2009
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