Herr Glatzner, was halten Sie von dem Vorstoß, dass Internet-Provider den Zugang zu Kinderporno-Seiten blockieren sollen?
Den Kindern hilft das nicht. Es wird nur der Zugang gesperrt, die Seiten gibt es nach wie vor. Wer sie sucht, findet sie auch.
Florian Glatzner ist Politologe und engagiert sich im Verein Foebud für freien Datenverkehr und Bürgerrechte.
Wie denn?
Es ist leicht, die eigene Internetkonfiguration entsprechend zu ändern. Kinderpornos werden ohnehin kaum über normale Webseiten getauscht. Da gibt es versteckte Server mit verschlüsselten Zugängen. Konsumenten wie Produzenten von Kinderpornos haben viel kriminelle Energie.
Die Sperrung des Zugangs hilft also allenfalls wenig - aber sie schadet doch auch nicht, oder?
Doch. Die negative Folge kann sein, das der Internet-Zensur eine Tür geöffnet wird. Es stehen schon viele an: Einige Länder würden gerne Kasino-Seiten sperren lassen, um den Glücksspielstaatsvertrag zu retten. Firmen wollen, dass Filesharing-Seiten blockiert werden, um ihr Urheberrecht zu schützen. Wenn man erstmal angefangen hat
Was müsste man stattdessen gegen Kinderpornografie tun?
Der Verein Carechild hat sich die Sperrlisten angeschaut, die es in anderen Ländern schon gibt. Zum einen fanden sich da viele Seiten, die gar nicht kinderpornografisch waren. Vor allem haben sie festgestellt, dass die meisten Kinderporno-Seiten in der EU oder den USA gehostet waren, wo es sehr wohl eine Handhabe gäbe, die Seiten abschalten zu lassen, statt nur den Zugang zu sperren.
Es dauert doch sicher, bis ein Server-Betreiber reagiert?
Der Verein hat die Provider angeschrieben und festgestellt, dass der allergrößte Teil der Seiten ganz schnell abgeschaltet wurde. Ich weiß nicht, ob die Regierung das auch versucht hat; ich bezweifle es stark. Ein Instrument wie die Sperrung des Zugangs ist aber nur verhältnismäßig, wenn es kein milderes, ebenso geeignetes Mittel gibt. Der Weg zum Server-Betreiber ist milder und sogar wirksamer: Die Seiten sind dann nicht mehr im Netz, für niemanden.
Ihr Verein bietet Software zum anonymen Surfen an. Helfen Sie damit nicht den Konsumenten von Kinderpornografie?
Wir wollen jedem deutlich machen, dass es diese Techniken gibt. Sie haben ja auch ihren Sinn, zum Beispiel, wenn Leute in China sich Informationen beschaffen wollen. Unserer Ansicht nach ist Anonymität im Internet notwendig, wichtig und richtig.
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