Weil Eva sich nicht beherrschen konnte und vom Baum der Erkenntnis naschte, sind sie und ihr Partner aus dem Paradies geflogen. Sie hätte sich auch einfach damit abfinden können, dass es ihr nicht gestattet ist, den Unterschied zwischen gut und böse zu erkennen, aber Eva musste es ganz genau wissen, und sie hat sich und ihrer Art damit ´ne Menge Ärger eingehandelt.
Wir alle kennen die Geschichte: Adam und Eva werden sich ihrer Nacktheit bewusst, entdecken den Sex, schämen sich ´ne Runde, und Eva wird klar, dass sie diejenige ist, die das Kind austragen soll. Das ist dann länger als erwartet auf ihre Hilfe angewiesen, sie soll aber trotzdem alles andere auch auf die Reihe kriegen, und wegen ihrer Rädelsführerschaft beim Sündenfall ist Eva von nun an doppelt gestraft.
Solange die Frau es schwerer hat als der Mann, soll sie auch einen Frauentag haben. Das ist der eine Tag im Jahr, an dem wir alle genau daran erinnert werden sollen, auf die eine oder andere Weise.
In meiner Kindheit in der DDR wurde viel gebastelt, meistens weiße Tauben oder Dinge die der "Mutti" - wie die schöne, willensstarke, kluge Frau die mich groß gezogen hat, im Osten genannt wurde - die Arbeit im Haushalt erleichtern sollten.
Ihren ekstatischen Höhepunkt fanden diese Bastelevents natürlich am internationalen Frauentag. Der sozialistische Brigadechef deckte den Kaffeetisch und servierte kleine Likörchen; hatte er Humor, band er sich mit einem Augenzwinkern eine kleine Schürze um.
Jede Frau sollte an diesem besonderen Tag etwas von dem zurückbekommen, wofür den Rest des Jahres keiner danke sagte. Neben ihrer regelmäßigen Erwerbstätigkeit hatte sie ja auch noch eine Arbeit, die nur dann auffiel wenn sie nicht gemacht wurde.
Und ganz frei von Ironie oder jenem Augenzwinkern erledige ich heute noch dieselben blöden Tätigkeiten jeden Tag, die auch meiner Großmutter auf den Geist gehen. Ich sammle schmutzige Wäsche ein und wasche sie, dann hänge ich sie zum Trocknen auf
und nehme sie ab und verteile dann alles auf die richtigen Schränke und fange wieder mit Einsammeln an.
Wenn die Sonne untergeht, koche ich. Die hierfür benötigten Töpfe weiche ich hinterher ein, weil meistens irgendwas anbrennt. In meinem Kopf wohnt eine Haushaltstandanzeige, die rot leuchtet und vibriert, wenn ich an einem Supermarkt vorübergehe.
Und weil das ganz sicher nicht nur bei mir so ist, brauchen wir einen Frauentag oder wahlweise einen anderen guten Grund, um am Nachmittag schon Sekt zu trinken.
Caroline Korneli (geb. 1982) ist Moderatorin im Fernsehen und im Radio sowie Schauspielerin. Außerdem macht sie Einspieler in der Harald-Schmidt-Show. Zusammen mit Markus Kavka hat sie das Buch "Mach mir mal ´ne Nudelsuppe, bevor ich Dich besudel, Puppe!" verfasst, in dem es um das heutige Rollenverständnis von Frau und Mann geht. Korneli hat zwei Kinder.
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