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Costa Rica: Laura Chinchilla greift nach der Macht

Das zentralamerikanische Musterland kürt am Sonntag vermutlich erstmals eine Frau zur Präsidentin. Der Wahlkampf kam erst in den vergangenen Wochen mit absurden Radio- und TV-Spots in Gang. Von Klaus Ehringfeld

Laura Chinchilla  will  ihrem Mentor  Arias  folgen. Unter ihm  war sie Vizepräsidentin und Justizministerin.
Laura Chinchilla will ihrem Mentor Arias folgen. Unter ihm war sie Vizepräsidentin und Justizministerin.
Foto: afp

Nachrichten aus Zentralamerika drehen sich meist um Gewalt, Bandenkriminalität und Staatsstreiche. Costa Rica produziert in dieser Hinsicht nur wenige Schlagzeilen. Der Staat ist seit Jahrzehnten eine Ausnahmeerscheinung. Zwar steigt auch die Kriminalität und schwächelt die Wirtschaft, aber verglichen mit den Nachbarn ist Costa Rica ein Hort der Stabilität und des Wohlstands. Selbst Wahlen bringen meist nur marginale Veränderungen. Die Staatschefs pendeln sich immer ein bisschen links oder ein bisschen rechts der Mitte ein.

Dass die Costaricaner allen Umfragen zufolge eine Frau zur Nachfolgerin von Präsident Oscar Arias wählen, darf da schon als revolutionär gelten. Die 50 Jahre alte Laura Chinchilla geht für die liberal-sozialdemokratische Regierungspartei PLN ins Rennen und gilt als enge Vertraute von Arias. Bei einer großen Politikmüdigkeit ist Chinchillas Vorteil ihre Unverbrauchtheit. Während sich die beiden härtesten Kontrahenten, Otto Guevara und Ottón Solís, bereits mehrfach um das höchste Amt im Staat bemühten, ist es für die Juristin die erste Kandidatur. Chinchilla war allerdings bis Oktober 2008 Vizepräsidentin und Justizministerin unter Arias.

Der Wahlkampf kam erst in den vergangenen Wochen mit absurden Radio- und TV-Spots in Gang. Etwa der des Kandidaten Luis Fishman, der sich als der "Beste unter den Schlechten" als Kleinkind in Windel präsentierte. Der Rechtskandidat Guevara warb in Unterhosen um Stimmen. Noch vor vier Jahren stritten die Kandidaten heftig um den Beitritt Costa Ricas zur Zentralamerikanischen Freihandelszone Cafta.

"Der Wahlkampf ist langweilig, fade und geistlos ", kritisiert der Politologe Jaime Ordóñez. Die Entideologisierung habe dazu geführt, dass die Parteien nicht mehr über unterschiedliche Konzepte streiten würden. Dieses Mal steht das Thema öffentliche Sicherheit im Zentrum der Debatten. Während es Kandidaten wie Guevara mit harter Hand lösen wollen, schwebt Laura Chinchilla vor allem eine Stärkung der Polizei vor. In Costa Rica hat die Präsenz mexikanischer Drogenkartelle deutlich zugenommen.

Seine Ausnahmestellung hat sich Costa Rica mit Wohlfahrtsmaßnahmen erarbeitet. Seit dem 19. Jahrhundert besteht Schulpflicht. 1948 schaffte die Regierung die Armee ab und steckte das Geld in Bildung, staatliche Fürsorge und die Schaffung einer Reihe von Staatsmonopolen im Dienstleistungs- und Versorgungssektor.

60 Jahre lang waren Energie, Telekommunikation, Versicherung, die einzige Ölraffinerie, Banken, Alters- und Krankenvorsorge in Händen des Staates. Diese Monopole haben Costa Rica bescheidenen Wohlstand beschert. Nur jeder Fünfte lebt in Armut. Staatliche Unis genießen einen besseren Ruf als private. Nahezu überall fließt trinkbares Wasser aus den Hähnen. Wirtschaftlich hat sich das Land von der Größe Niedersachsens von einem Agrarstaat zu einem Dienstleistungszentrum gewandelt. Wichtigster Devisenbringer ist der Tourismus.

Autor:  Klaus Ehringfeld
Datum:  6 | 2 | 2010
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