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Stuxnet: Cyberwar auf Israelisch

Computerspezialisten sabotieren über das Internet das iranisches Nuklearprogramm. Israel zählt zu den weltweit führenden Staaten, wenn an unsichtbaren Fronten mit Hilfe von Hightech zugeschlagen wird.

Stolz präsentierte die libanesische Armee diese Woche einen Erfolg: die Demontage zweier Spionageinstallationen, made in Israel.
Stolz präsentierte die libanesische Armee diese Woche einen Erfolg: die Demontage zweier Spionageinstallationen, made in Israel.
Foto: AFP

Stolz präsentierte die libanesische Armee diese Woche einen Erfolg: die Demontage zweier Spionageinstallationen, made in Israel, bestehend aus Kameras, Sendern sowie Laser-Ausrüstung. Getarnt hinter künstlichen Steinen waren sie im Gebirgsland bei Beirut entdeckt worden. Der Hinweis auf das Versteck stammte von geheimdienstlichen Informationen der pro-iranischen Hisbollah. Vermutet wird, dass die Überwachungsanlagen dem Eindringen in das Kommunikationsnetzwerk der islamistischen Organisation dienten, die als verlängerter Arm Teherans gilt.

Israel enthielt sich vornehm jeder Stellungnahme. Doch vorausgesetzt, seine Agenten hatten tatsächlich die Hände im Spiel, dürfte der Rückschlag verwindbar sein. Zeige die aufgeflogene Spionagevorrichtung doch, hieß es in einem Kommentar, wie sehr man den Libanesen operativ und technologisch überlegen sei.

Im Cyberwar, dem Krieg im virtuellen Netz, gilt das erst recht. Neben USA, Russland, China und Frankreich zählt Israel zu den weltweit führenden Staaten, wenn an unsichtbaren Fronten mit Hilfe von Hightech zugeschlagen wird. „Cyber passt perfekt in Israels Sicherheitskonzept“, pries General Amos Yadlin, Chef des Militärgeheimdienstes, im Januar 2010 die neuen, schier unbegrenzten Möglichkeiten.

Ohne Gefahr für das Leben der Soldaten könnten damit militärische Komponenten wie auch die Wirtschaft feindlicher Staaten getroffen werden. Mithin wäre dies die ideale Waffe, um Irans atomare Ambitionen zu hintertreiben.

Als der Computervirus Stuxnet grassierte, gerieten die Rechner in der Urananreicherungsanlage in Natanz durcheinander. Teheran bestritt zwar, dass größerer Schaden entstanden sei. Aber Sicherheitsexperten gehen davon aus, dass das iranische Nuklearprogramm um zwei Jahre zurückgeworfen wurde. Laut „weit verbreiteter Spekulation“, schrieb die Jerusalem Post, sei die Software vom israelischen Geheimdienst oder von US-amerikanischen Kollegen ausgeheckt worden – womöglich auch in Kooperation.

Mysteriöse Pannenserie

Was Sanktionen oder verkappte militärische Drohungen bislang nicht vermochten, könnte im Cyberwar gelingen: den Bau einer Atombombe zu sabotieren. Die mysteriöse Pannenserie, die schon seit längerem iranische Nuklearanlagen plage, treibe „die ohnehin paranoide Führung in Teheran“, so der Iran-Experte Meir Javedanfar, bereits zu aberwitzigen Verdächtigungen. So habe neulich ein Artikel in Asr Iran gar vor „Vögeln von Adlergröße“ gewarnt, die mit Abhörgeräten und Antennen über einem Dorf bei Natanz gekreist seien.

Die Attentate auf zwei Nuklearwissenschaftler in Teheran Ende November dürften die Paranoia iranischer Geheimdienstler noch gesteigert haben. Den Verdacht, der Mossad steckte dahinter, teilen auch westliche Experten. Israelische Gesandte im Ausland jedenfalls erhielten eine explizite Warnung aus Jerusalem vor möglichen Vergeltungsschlägen, denen vorzubeugen sei.

Cyberattacken sind vergleichsweise risikolos für den Angreifer. Zwar wurde auch Israel schon von Computerviren attackiert. Aber meist legten die Viren nur Websites lahm. „Das System blieb verschont“, bescheinigt der Fachmann Yitzhak Shichor. „Den Cyberwar entscheidet, wer darin besser ist.“ Und da sei Israel im Vorteil. „Nach dem Armeedienst wandern die besten Köpfe in die Hightech-Industrie.“

Radar der Syrer blockiert

Israelische Cyberoperationen jedenfalls erwiesen sich laut Shichor – soweit man von ihnen überhaupt erfuhr – als „extrem erfolgreich“. Als Beispiel führt der Spezialist für asymmetrische Kriegsführung den Luftangriff 2007 auf die syrische Anlage in Dair Alzoun an, wo sich mutmaßlich ein Nuklearreaktor im Anfangsstadium befand. Für Damaskus kamen die Kampfjets aus dem Nichts. Während des gesamten Einsatzes war das Radarsystem der Syrer blockiert. Im Computersystem ihrer militärischen Kommandozentrale lief nichts mehr, wie es sollte.

Eine militärische Option gegen Iran besteht nach Shichors Überzeugung allerdings nicht. „Iran ist zu weit weg, viel zu groß und hat dazu seine nuklearen Anlagen unterirdisch oder in den Bergen versteckt.“ Ganz abgesehen davon, dass ein Bombardement wahrscheinlich eine harte Gegenreaktion provozieren würde. „Cyberwar ist da weit effizienter.“

Auch für China, das bei Sanktionen gegen Iran nur bedingt mitspielt, aber schon wegen seiner Ölzufuhr eine Krise am Golf als „Worst Case Szenario“ fürchtet, könnten laut Shichor verdeckte Cyberoperationen eine Alternative sein. Der Wissenschaftler macht folgende Rechnung auf. In jedem Volk „weisen 1,5 Prozent einen Intelligenzquotienten von 170 auf“. Man stelle sich vor, wie viele Superhirne die Volksrepublik mit ihrer weit über einer Milliarde Bewohner hervorbringe.

Autor:  Inge Günther
Datum:  17 | 12 | 2010
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