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Wahl in Haiti: Das Idol der Jugend steht nicht zur Wahl

Der Hip-Hop-Musiker Wyclef Jean scheitert mit seiner Bewerbung als Präsidentschafts-Kandidat für Haiti. Der Wahlrat begründete den Grund für den Ausschluss nicht.

        

Nach seiner Ablehnung als Präsidentschafts-Kandidat verlässt Wyclef Jean  sein Hotel, um  in seine Wahlheimat USA  zurückzukehren.
Nach seiner Ablehnung als Präsidentschafts-Kandidat verlässt Wyclef Jean sein Hotel, um in seine Wahlheimat USA zurückzukehren.
Foto: dpa

Wyclef Jeans Traum vom Präsidentenamt in Haiti dauerte nur knapp zwei Wochen. Am späten Freitagabend beendete der Wahlrat in Port-au-Prince alle Hoffnungen des Hip-Hop-Musikers. Nach tagelangen Beratungen veröffentlichte das Gremium die Liste der Kandidaten, die zur Abstimmung am 28. November zugelassen wurden. Wyclef Jeans Name fehlte darauf. Lediglich 19 der 34 Bewerber nahmen die Hürde. Den Ausschluss der Kandidaten begründete der Wahlrat nicht.

Wyclef Jean ahnte, dass er gestrichen würde. Minuten nach der Entscheidung verbreiteten haitianische Medien eine Erklärung des 37-Jährigen, in der er den Grund für die Ablehnung seiner Kandidatur nannte: Seinen fehlenden Wohnsitz in Haiti. „Ich halte die Entscheidung für falsch, aber respektiere sie und rufe meine Anhänger auf, dies auch zu tun.“

Etablierte bleiben unter sich

Wer in Haiti als Präsident kandidieren will, muss mindestens fünf Jahre vor der Abstimmung durchgehend seinen ersten Wohnsitz in dem Land gehabt haben. Wyclef Jean aber lebt seit 28 Jahren in den USA und pendelte vor allem in den vergangenen Jahren zwischen seinem Wohnort New York und Port-au-Prince. Der Musiker hoffte, dass sein Status als Sonderbotschafter die fehlende Residenz in Haiti wettmachen würde.

Haitis Präsident René Préval hatte Jean vor drei Jahren dazu ernannt. Er finanziert mit seiner Stiftung „Yele Haiti“ seit fünf Jahren Volksküchen und Schulstipendien in seinem Geburtsland. Seit dem Beben vom 12. Januar hilft er Opfern mit Nahrungsmittellieferungen in Millionenhöhe.

Wyclef Jean hatte erst am 6. August, begleitet von einem internationalen Medien-Echo, seine Kandidatur eingereicht. Nach Ansicht von Beobachtern hätte der Mitgründer der Band The Fugees gute Chancen gehabt, die Wahl zu gewinnen. Er ist vor allem bei jungen Leuten extrem beliebt. Haitis Bevölkerung ist zur Hälfte jünger als 25 Jahre. Sie reagierte zunächst gelassen auf den Rückzug Jeans.

Einmal mehr hat die Bevölkerung nur die Wahl zwischen ehemaligen Regierungschefs, amtierenden und früheren Ministern, einer ehemaligen First Lady und einem Unternehmer. Gegen manche der zugelassenen Bewerber waren früher Korruptionsvorwürfe anhängig, andere wurden wegen praktizierter Unfähigkeit aus dem Amt gejagt. Ihre politische Wirkung auf die mehrheitlich jungen Haitianer ist begrenzt. Sie gelten als Varianten des ewig gleichen Systems, das es nicht vermocht hat, das ärmste Land Amerikas aus dem Elend zu führen.

Favorit ist Baufachmann

Nach Einschätzung von Robert Fatton, Haiti-Experte an der Universität von Virginia (USA), hat der Kandidat der Regierungspartei Inite, Jude Célestin, beste Chancen auf das Präsidentenamt: „Mit der Unterstützung Prévals und dem Parteiapparat der Inite im Rücken gilt er als der große Favorit.“ Der 48-Jährige ist ein in der Schweiz ausgebildeter Ingenieur und hat vor allem in staatlichen Funktionen gearbeitet.

Gegenwärtig leitet er die Straßenbau- und Infrastrukturbehörde CNE. Er hat sonst keinerlei politische Erfahrung. Die Regierung verkauft ihn als einen zupackenden Fachmann, der angeblich der richtige Präsident für ein Land ist, das vorerst vor allem mit dem Wiederaufbau beschäftigt sein wird.

Wyclef Jean, der die Entscheidung des Wahlrats am Freitag in einem Hotel im Vorort Pétionville erwartet hatte, war nach seinem Ausschluss nicht zum Reden zumute. Er verschwand noch in der Nacht mit seiner Entourage in sein Haus in Lasser, nahe Port-au-Prince. Nur sein Berater, der Sänger „King Kino“ Divers, wandte sich an die Medien: „Nicht Wyclef hat verloren, sondern eine ganze Generation in Haiti, die Menschen in den Zelten, im Elend, die Menschen ohne Arbeit.“

Ehe Jean in die USA zurückflog, teilte er mit, dass er sich trotz des Ausschlusses auch weiter für die Erneuerung seines Geburtslandes engagieren werde. „Auch wenn ich nach Ansicht des Wahlrates hier nicht wohne. Heimat ist dort, wo das Herz ist. Und meines wird immer in Haiti sein.“

Autor:  Klaus Ehringfeld
Datum:  22 | 8 | 2010
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