Großzügig geschätzt waren wegen Karl-Theodor zu Guttenberg am Wochenende rund 3500 Menschen auf den Beinen – bundesweit, darunter auch in den drei größten deutschen Städten, in Berlin, Hamburg und München. Und da sind die Gegendemonstranten schon mitgerechnet.
Es sind dann also doch weniger geworden als die eine Million Menschen, die sich angeblich auf zwei Facebook-Seiten als Unterstützer des weiland Verteidigungsministers eingeclickt haben. Es sind auch weniger als die 2,9 Millionen Menschen, die täglich die Bild-Zeitung kaufen, oder die 12,5 Millionen, die sie lesen. Bild trommelt seit Jahr und Tag für den CSU-Politiker. Doch irgendwie hat das Guttenberg-Zentralorgan die Massen in dieser Frage nicht mobilisieren können. Auch die Junge Union übrigens nicht, die vor allem die öffentlichen Sympathiebekundungen am Samstag organisiert hatte.
Nach Guttenbergs Rücktritt verliert die Union in der Wählergunst. Im aktuellen „Sonntagstrend“ der Bild am Sonntag kommt die Union nur noch auf 33 Prozent - ein Minus von 2 Prozentpunkten.
74 Prozent sind der Emnid-Umfrage zufolge der Meinung, dass die schwarz-gelbe Koalition nach Guttenbergs Abgang schlechter dasteht als vorher. (dpa)
Die Anhänger des abgetretenen Barons hatten zudem inmitten des allgemeinen Karnevalstrubels ein Wahrnehmungsproblem. Sie vermochten bei den Zusammenkünften nicht immer genau auszumachen, was nun spaßeshalber, was ernsthaft vorgetragen wurde. So nannte einer Guttenberg auf dem Münchner Rindermarkt einen „Helden“, und ein anderer ihn am Brandenburger Tor in Berlin einen „Erlöser“.
Nur zur Klarstellung: Der mit dem „Erlöser“ war der Satiriker. In München sprach ein Redner tapfer davon, dass die Demo doch zeige, „dass Guttenberg in allen Teilen des Volkes beliebt ist“. Der Mann war pro KT, muss aber angesichts von 300 Demonstranten eine recht eingeschränkte Vorstellung von „allen Teilen des Volkes“ haben.
Im Plakatwettbewerb zwischen Berlin, der Hauptstadt, und München, der heimlichen Hauptstadt, punkteten die Guttenberg-Gegner am Brandenburger Tor mit „Wir sind Dein Volk“, „Du hast die Haare schön“ und „Jetzt oder nie: Monarchie“. Auf dem Marienplatz hielt man mit „Doktor für alle und zwar sofort“ und „Guttenberg muss Kaiser werden“ dagegen.
Der „kommunistische Block der Pro-Guttenberg-Demo“ in Frankfurt setzte die linke Tradition der Slogan-Reimerei fort und lief unter „Wer hat uns verraten – Christdemokraten“ oder „Titel für alle – sonst gibt’s Krawalle“.
In einem Ort der Republik jedoch hatten die Spötter das Nachsehen. 2000 Menschen zogen für ihren Liebling allein in dessen oberfränkischem Heimatdorf auf die Straße. Er heißt so wie die ansässige Adelsfamilie: Guttenberg. Dort wandte sich der Vater des gefallenen Politstars an die Menge. Es blieb ihm, dem Dirigenten Enoch zu Guttenberg, vorbehalten, zum geschmacklosen Nationalsozialismusvergleich zu greifen. Er hätte nicht gedacht, sagte Guttenberg laut dapd, dass so eine „Menschenjagd nach 1945 noch möglich ist.“
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