In Mexiko hat die Schule begonnen. 27 Millionen Kinder und Jugendliche gehen nach den Sommerferien wieder zum Unterricht. Für einige allerdings ist der Beginn dieses Schuljahres anders als sonst, für manche ist er sogar mit großen Veränderungen verbunden. Denn in einigen Staaten des Landes haben die lokalen Behörden besondere Schutzprogramme aufgelegt, um Schüler und Lehrer vor der Gewalt der Drogenkartelle zu schützen.
Daher gibt es im neuen Schuljahr transparente Ranzen, um Waffen und Drogen zu identifizieren, Schulüberwachung im Internet, und in manchen Grund- und weiterführenden Schulen haben die Behörden zur Vorsicht gleich mal ein Polizeirevier installiert.
Im Bundesstaat Nayarit hat der Gouverneur für Lehrer und Schüler eine Lebensversicherung abgeschlossen. Dort wurden außerdem die Ferien im Anschluss an Schießereien zwischen Pistoleros der Kartelle verlängert.
In Ciudad Juárez, der gewalttätigsten Stadt Mexikos an der Grenze zu den USA, erhielten Grundschul- und Gymnasialpädagogen eine Fortbildung, wie sie sich im Falle von Schießereien und Bombendrohungen zu verhalten haben. In den vergangenen zwei Jahren sind in der Millionenstadt 7000 Menschen im Kugelhagel ums Leben gekommen. Viele dieser Auseinandersetzungen fanden in unmittelbarer Nähe von Schulen statt. Manchmal sind die Kids sogar auf dem Nachhauseweg vom einen oder anderen Kartell niedergestreckt worden. Bürgermeister José Reyes Ferriz stellte die Schulen deshalb unter Polizeischutz. „Wir müssen verhindern, dass die Gewalt die Kinder erreicht“, sagte er.
Auch im Süden des Landes haben sich die Behörden Vorsichtsmaßnahmen ausgedacht. In Chilpancingo im Bundesstaat Guerrero sind Schüler und Lehrer mit Übungen auf mögliche Schusswechsel eingestellt worden. So haben geschulte Polizisten den Kindern erzählt, dass sie sich − die Hände am Kopf − auf den Boden unters Pult werfen sollen, sobald scharf geschossen wird. In ganz Guerrero soll es 5000 dieser Trockenübungen geben.
In dem Staat kämpfen zwei Kartelle seit Dezember besonders hartnäckig um die Vormachtstellung. Erst im März kamen in einem Gymnasium zwei Schüler ums Leben, als sie in die Schusslinie zwischen Killern und Soldaten gerieten. Insgesamt sind nach Angaben der Behörden in den vergangenen fünf Jahren 900 Minderjährige bei Auseinandersetzungen der Kartelle getötet worden.
Zum Glück ist in Mexiko ein deutscher Brauch unbekannt. Sonst wären die Erstklässler am Montag mit durchsichtigen Schultüten zum Unterricht erschienen.
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Damir Fras ist unser US-Korrespondent
Olivia Schoeller berichtete zuvor aus Washington
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