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03. Juli 2012

De Maizière in Kundus: "Abzug aus Afghanistan ist kompliziert"

Siebter Besuch bei der Bundeswehr in Afghanistan: Thomas de Maizière. Foto: AFP

Wenige Tage vor der Afghanistan-Konferenz in Tokio macht sich der deutsche Verteidigungsminister Thomas de Maizière ein Bild von der Lage am Hindukusch. De Maiziere rechnet mit einem Abzug der deutschen Truppen über Nord-Afghanistan und über den Luftweg. Pakistan blockiert derzeit seine Grenzen.

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Berlin/Kabul –  

Bundesverteidigungsminister Thomas de Maiziere rechnet damit, dass ein großer Teil des internationalen Truppenabzuges aus Afghanistan über das Bundeswehr-Gebiet im Norden des Landes ablaufen wird. Er sei mittlerweile nicht mehr zuversichtlich, dass die Grenzübergänge nach Pakistan bald wieder geöffnet würden, sagte de Maiziere am Dienstag bei einem Besuch der deutschen Soldaten im nordafghanischen Feldlager Kundus. „Von daher wird sehr viel durch die Luft oder durch den Norden erfolgen. Das ist logistisch kompliziert, aber daran arbeiten wir“, sagte er. Es gehe darum, möglichst viele Varianten für den Abzugsweg zu haben, um flexibel reagieren zu können.
Vor allem die USA als größter Truppensteller hatten darauf gesetzt, ihr Material über Pakistan und dann weiter über See in die Heimat zurückzubringen. Pakistan blockiert jedoch nach einem Streit mit den USA seit Monaten die Grenze für Militärtransporte, was auch den Nachschub für die US-Truppen erschwert, der bis dahin vor allem über diese Route ablief.

Sollten die internationalen Truppen verstärkt über die Nordroute und damit über das Verantwortungsgebiet der Bundeswehr abziehen, dürfte dies Konsequenzen für den deutschen Abzug haben: Die Bundeswehr betreibt in Masar-i-Scharif das größte Feldlager und den größten Flughafen im Norden. Über dieses Drehkreuz müsste dann weit mehr Material als bisher geplant umgeschlagen werden, und die Bundeswehr müsste bis zum Schluss die Logistik dafür vorhalten. Zudem muss jeder Landtransport aus dem Süden den gefährlichen Baghlan-Korridor südlich von Kundus passieren, den bisher ebenfalls die Bundeswehr sichert.

Kosten für Abzug stehen noch fest

Ihr erstes größeres Lager in Afghanistan will die Bundeswehr bis zum Herbst räumen. Der Stützpunkt im abgelegenen Feisabad solle bis dahin aufgelöst sein, kündigte de Maiziere in Kundus an. Die Kosten des Abzugs wollte der Minister nicht beziffern. „Eine Kostenschätzung können wir noch nicht abschließend geben“, sagte er. Eine Summe könne erst genannt werden, wenn klar sei, wie viele Soldaten und wie viel Material auch über 2014 hinaus am Hindukusch bleiben werde. „Im Herbst kann ich darüber Auskunft geben, heute noch nicht“, erklärte de Maiziere.

Die Sicherheitslage am Hindukusch hat sich nach Worten des Ministers verbessert, vor allem gegenüber dem Jahr 2010, als viele deutsche Soldaten starben. Inzwischen sei in etwa wieder das Niveau des Jahres 2009 erreicht, erklärte de Maiziere bei seinem siebten Besuch in Afghanistan. „Das ist immer noch keine stabile Sicherheitslage, da gibt es nichts drum herum zu reden, aber es ist ein großer Fortschritt.“ Begleitet wurde der Minister vom sächsischen Ministerpräsidenten Stanislaw Tillich und dem Regionalkommandeur der Isaf-Truppen im Norden, dem deutschen General Erich Pfeffer.

Raketen aus Pakistan

Afghanistan warf unterdessen der pakistanischen Armee erstmals direkt vor, sein Territorium mit Raketen zu beschießen. Es handle sich um Angriffe auf die Provinz Kunar im weitgehend unkontrollierten Grenzgebiet der beiden Länder, wo bereits Hunderte Raketen niedergegangen und seit März vier Zivilisten getötet worden seien. „Uns liegen jetzt genügend Beweise vor, die belegen, dass die bei diesen Angriffen verwendeten Raketen der pakistanischen Armee gehören“, sagte ein Sprecher des afghanischen Inlandsgeheimdienstes. Die Regierung in Kabul kündigte an, den UN-Sicherheitsrat einzuschalten, falls diplomatische Gespräche keine Fortschritte bringen sollten.
Pakistan hatte Afghanistan und den dort stationierten Nato-Truppen vor einer Woche vorgeworfen, nichts gegen Taliban in Kunar zu unternehmen, die dort Unterschlupf gefunden hätten. Die radikal-muslimische Gruppe verübt in beiden Staaten immer wieder Anschläge. Bislang hatte Afghanistan lediglich sogenannten Elementen in der pakistanischen Regierung und Armee vorgeworfen, Extremisten zu unterstützen. Pakistan hatte dies zurückgewiesen. (rtr)

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