kalaydo.de Anzeigen

Afrika-Beauftragter: Der coolste Diplomat

Der neue Afrika-Beauftragte des Außenministers, Walter Lindner, hat zumindest in Kenia einen guten Eindruck hinterlassen.

Walter Lindner, damals noch deutscher Botschafter in Kenia, beobachtet mit einheimischen Bereitschaftspolizisten Proteste gegen die Regierung.
Walter Lindner, damals noch deutscher Botschafter in Kenia, beobachtet mit einheimischen Bereitschaftspolizisten Proteste gegen die Regierung.
Foto: rtr

Einen guten Diplomaten, so wurde einmal gesagt, zeichnet die Fähigkeit aus, jemandem so nahezulegen, er solle sich zum Teufel scheren, dass dieser sich geradezu auf den Weg freue. Von Walter Lindner, bis vor kurzem deutscher Botschafter in Kenia, kann man das so nicht sagen, doch seine Worte klingen vielen Kenianern wie Musik in den Ohren - im wahren Sinne des Wortes.

Der Diplomat mit dem Pferdeschwanz, der so anders war als alles, was man im Land bis dato kannte, hat in Kenia unauslöschliche Spuren hinterlassen. "Ich bin als Freund Kenias hier", sagte er stets. Er erwies sich als guter Freund, etwa als Berater der unerfahrenen Koalitionsregierung, die im vergangenen Jahr gebildet wurde, nachdem das Wahldebakel vom Dezember 2007 heftige Unruhen im Land ausgelöst hatte.

An der kenianischen Koalitionsregierung sah er Licht- und Schattenseiten, die er offen benannte. "Man muss verstehen, dass eine große Koalition keine Liebesheirat ist. Es kann nicht darum gehen, dass sich eine Partei um der Koalitionsharmonie willen von ihren Grundsätzen verabschiedet. Es geht darum, für die grundlegenden Probleme und Nöte der Menschen in Kenia praktische Lösungen zu finden. Selbst Kompromissgeist sollte man von einer Koalition nicht erwarten, da sie nicht auf Dauer ausgelegt ist. Entscheidend ist, was am Ende herauskommt, und wir erkennen, dass sich einiges tut", erklärte er in einem Presseinterview.

Der Botschafter, zu dessen Diplomatengepäck auch Tonaufnahmegeräte gehören, hat durch die Musik einen Beitrag zum Frieden geleistet. Als Künstler veranstaltete Lindner in der Botschafterresidenz in Muthaiga am nördlichen Stadtrand Nairobis ein Friedenskonzert, nachdem er und andere Diplomaten aus der EU und den USA sich besorgt über die Sicherheit und die damalige politische Lage in Kenia geäußert hatten. "Frieden für Kenia" - ein Konzert mit mehr als 20 Künstlern, darunter die Gruppe Mystique Fusion, die der Botschafter gemeinsam mit kenianischen Musikern gegründet hatte.

In Kenia genießt Lindner enormes Ansehen. Er gründete das Kikwetu-Festival, ein Afro-Fusion-Musikfestival, bei dem die besten Popmusiker Kenias auftreten. Mit seinem Flügel und anderen Instrumenten aus seinem Studio gab er der Veranstaltung eine besondere Note.

Lindner, 1956 in München geboren, studierte am Richard-Strauss-Konservatorium, an der Joe Haider Jazzschool in München und später an der Berklee Jazz School in Boston (USA) Musik. Dann sattelte er auf Rechtswissenschaften an der Münchener Ludwig-Maximilians-Universität um - "um Geld zu verdienen und die Welt zu verändern".

Nachdem er 1988 in den diplomatischen Dienst eintrat, führte in sein Weg auch nach New York. Dort begann er auch mit dem Aufbau seines mobilen Studios "Tucan", benannt nach den großen, bunten Vögeln aus Südamerika und der Karibik. Als er mitsamt Studio und Musikequipment in Nairobi ankam, ging er auf die Suche nach Gleichgesinnten. Schon bald stieß er auf Künstler, die einen Mentor suchten und in ihm den richtigen Mann fanden.

"Als ich nach Kenia kam, wollte ich die Musik und die verschiedenen Stilrichtungen kennenlernen... also hab ich mir einiges gekauft, einiges ausgeliehen und über 200 CDs angehört", sagte er in einem Interview mit der Daily Nation. "Mein Studio habe ich auf allen Reisen dabei."

Seine Aufnahmen laufen im Radio und in den Clubs von Nairobi. "Wenn wir einen Diplomaten vermissen werden, dann Walter Lindner", sagt der kenianische Feuilletonist Tim Kamuzu Banda. In der Kulturszene Kenias wird die Frage diskutiert, ob die Regierung, der Lindner die Leitung des Kikwetu-Festivals übertragen hat, seinen Spuren folgen wird. Die Antwort bleibt abzuwarten.

Munyao Mutinda von der Tageszeitung Daily Nation in Nairobi (Kenia) war als Austausch-Journalist im Rahmen des Programms Nahaufnahme des Goethe-Institut bei der Frankfurter Rundschau zu Gast.

Autor:  Munyao Mutinda
Datum:  8 | 11 | 2010
Kommentare:  Kommentieren
Empfehlen:  E-Mail
Leserbrief:  Leserbrief
Artikel:  Drucken
Ressort

Nachrichten aus der Politik, Kommentare, Doku und Debatten


US-Wahl 2012: Countdown für Obama

Damir Fras ist unser US-Korrespondent
Olivia Schoeller berichtete zuvor aus Washington
Daniel Haufler ist Redakteur im Ressort Meinung
Countdown für Obama - das Weblog zur US-Wahl


Spezial: US-Wahl 2012

Bleibt Barack Obama Präsident der USA? Oder macht Mitt Romney von den konkurrierenden Republikanern das Rennen?

US-Wahl-Spezial mit Analyse und Hintergrund

Interaktive Karte zu den Vorwahlen der Republikaner

Exklusive Reportagereise durch den Wahlkampf

Weblog der USA-Experten unserer Redaktion

Kolumne

Die Politik ist eine Castingshow - und Angela Merkel ihr Dieter Bohlen: Stephan Hebel in seiner Audioslideshow über Peter Altmaier (eine Runde weiter!), den Osterhasen (Artenvielfalt gerettet!) und einen friedlosen ESC (wo ist Nicole, wenn man sie braucht?). Über Fußball - diesmal kein Wort!

Interaktiv

Wer sitzt mit wie vielen Abgeordneten im Bundesrat? Alle Ministerpräsidenten, alle Zahlen und Fakten hier!

Anzeige

 

Anzeige

 

Video
Spezial: Israel-Iran-Konflikt

Bombardiert Israel die iranischen Atomanlagen? Weitet sich der Konflikt zum Regionalkrieg aus? Werden gar die USA hineingezogen? Die Lage in Nahost spitzt sich dramatisch zu. Das Spezial.


Politik-Spezial

Ihr Wunsch-Bundespräsident Wulff scheitert, sie muss Gauck als Nachfolger hinnehmen, ihre Mehrheit steht im Bundestag nicht mehr hinter ihr: Die Autorität von Bundeskanzlerin Merkel schwindet. Das Spezial.


Fotostrecke
Plaßmanns Welt (295 Bilder)
Fotostrecke
Meeresbewohner: Leuchtend grüne Quallen gleiten durch ein Aquarium.

Manchmal sind es die kleinen, schönen Dinge am Rande, die beeindrucken. Die zeigen wir in unseren Bildern des Tages.

Revolte

Protest und Party, Revolte - aber keine Revolution: 1968 hat die Gesellschaft nachhaltig verändert.

Quiz
Wissens-Test.

Politik, Sport, Wirtschaft - wie gut sind Sie informiert? Machen Sie den Test mit dem unterhaltsamen Tagesquiz.

ANZEIGE
- Business
- Kauftipps!