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Liberias Ex-Präsident: Der Diktator und der Prediger

Der fundamentalistische Fernsehprediger Pat Robertson hat Geschäfte mit dem liberianischen Ex-Präsidenten Charles Taylor gemacht.

Fernsehprediger Pat Robertson hat von Charles Taylor Schürfrechte in Liberia erhalten. (Symbolbild)
Fernsehprediger Pat Robertson hat von Charles Taylor Schürfrechte in Liberia erhalten. (Symbolbild)
Foto: dpa
Washington –  

Die Geschichte ist nicht so aufregend wie die von der Schönen und dem Schurken. Vielleicht ist es auch so, dass die Aussage von Supermodel Naomi Campbell für das Verfahren vor dem UN-Sondertribunal in Den Haag gegen Liberias Ex-Präsidenten Charles Taylor einfach bedeutsamer war. In dem Prozess geht es ja um Taylors Verwicklungen in den Bürgerkrieg im benachbarten Sierra Leone, um grausame Verbrechen und seine mutmaßlichen Geschäfte mit "Blutdiamanten" dort - nicht darum, was er mit den Rohstoffen im eigenen Land tat. Jene ungeschliffenen Diamanten, die Campbell nach einem Abendessen mit Nelson Mandela in Pretoria im September 1997 im Auftrag Taylors zugesteckt bekam, sind für die Anklage deshalb ein wichtiges Beweisstück.

Der Vertrag, in dem Taylor knapp zwei Jahre später dem US-Unternehmen Freedom Gold Ltd. Schürfrechte in Liberia überließ, mag da tatsächlich keine Rolle spielen. Doch es gibt Menschen in den USA, die sich gewünscht hätten, dass die Anklage in Den Haag einen weiteren prominenten Zeugen vorlädt: den evangelikalen Fernsehprediger Pat Robertson. Der 80-jährige Fundamentalchrist gilt in den USA als einer der wichtigsten Vertreter der religiösen Rechten. In den 1980er Jahren spielte er beim Aufstieg der Christian Coalition, der einflussreichen Sammelbewegung konservativer Christen, in der US-Politik eine Schlüsselrolle. Mit dem Christian Broadcasting Network, das heute in 180 Ländern und 71 Sprachen sendet, wurde er reich. Dass der umtriebige Gottesmann auch in Afrika Geschäfte machte, ist lange bekannt. Ein "Mineral Development Agreement" vom 22. April 1999 trägt seine Unterschrift ebenso wie die von Charles Taylor. Darin tritt die liberianische Regierung einer Robertson-Firma mit dem zynischen Namen Freedom Gold Ltd. Abbaurechte für Rohstoffvorkommen im Süden des Landes ab. Taylor soll zehn Prozent der Anteile an dem Unternehmen gehalten haben. Für den US-Autor Rob Boston, der für die kirchenkritische Gruppe Americans United for Separation of Church and State die weltweiten Aktivitäten von Robertson recherchiert hat, wäre der Kriegsverbrecherprozess in Den Haag deshalb eine gute Gelegenheit gewesen, auch die Afrika-Geschäfte des prominenten Fernsehpredigers zu beleuchten.

Warum macht ein Fernsehprediger Geschäfte mit einem Diktator?

Halfen Gelder aus dem Deal, Taylors Mörderbanden zu finanzieren? Hat sich Robertson später revanchiert, indem er den international geächteten Präsidenten Liberias öffentlich verteidigte ? Und womöglich gar seine politischen Kontakte in Washington für Taylor spielen ließ? "Wir wissen bis heute nicht genau, was wirklich vor sich ging", sagt Boston. Warum ein amerikanischer Fernsehprediger überhaupt mit einem der übelsten Diktatoren Afrikas Geschäfte macht, ist eine der spannenden Fragen. Taylor ergriff in Liberia 1989 die Macht. Auch in den USA galt der brutale Gewaltherrscher seit den 90er Jahren als Unperson. Die Anklage in Den Haag wirft ihm Anstiftung zum hunderttausendfachen Mord, zur Vergewaltigung, zu Verstümmelungen und der Rekrutierung von Kindersoldaten vor. Wie also wird ein Gottesmann aus Virginia zum Geschäftsfreund eines Mordgesellen? In einem Video seines eigenen Fernsehkanals hat Robertson die Liberia-Geschäfte als humanitäres Engagement ausgegeben: "Wenn du Menschen in einem Land helfen willst, musst du mit der dort existierenden Regierung arbeiten." Taylor habe er nie getroffen, nur ein Mal am Telefon mit ihm gesprochen. Auch habe Freedom Gold mit den Schürfrechten nie Geld verdient. Energisch bestreitet Robertson zudem Vorwürfe, er habe sich in den USA aus wirtschaftlichen Interessen für Taylor eingesetzt. Liberias Ex-Präsident hatte im Februar vor dem Sondertribunal eine frühere Aussage bestätigt, wonach er Robertson als einen Mann betrachtet habe, der "Washington auf unsere Seite ziehen kann". Chris Roslan, ein Sprecher des Fernsehpredigers, wies das zurück: Als der Vertrag 1999 geschlossen wurde, sei der Demokrat Bill Clinton Präsident gewesen, kein politischer Freund von Robertson.

"Baptistenbruder" nicht im Stich lassen

"Er hatte aber gute Kontakte im Kongress", sagt Rob Boston, "und er hat versucht, ein US-Visum für Taylors Frau zu bekommen" Damit nicht genug: Als die Bush-Regierung Taylor 2003 zum Rücktritt drängte, warf Robertson den USA in seiner TV-Sendung "700 Club" vor, einen "Baptistenbruder" im Stich zu lassen. "Wir unterminieren also einen christlichen Präsidenten, um muslimische Rebellen an die Macht kommen zu lassen?" empörte sich Robertson. Sein Sprecher Roslan erklärte jetzt, Robertson sei damals besorgt gewesen, Liberia könne unter dem Druck internationaler Sanktionen in die Hände muslimischer Rebellen aus Guinea fallen, die dann "viele Christen töten". Robertson ist längst nicht der einzige US-Evangelikale, der in Afrika eine eigene, religiös geprägte Agenda verfolgt. Mit viel Geld und oft getarnt als Entwicklungshilfe geht es um handfeste Interessen. "Einige amerikanische Fundamentalchristen betrachten afrikanische Staaten als Labor für ihre politischen Ideen, die sie in den USA nicht umsetzen können, vom Abtreibungsverbot bis hin zur Verfolgung Homosexueller", sagt Rob Boston. Auch werde Afrika oft als Schlachtfeld der Religionen begriffen, wir gegen sie, Christen gegen Muslime: "Solange sie sagen, Jesus Christus sei auch ihr Erlöser, gelten oft selbst blutrünstige Diktatoren wie Charles Taylor als Verbündete." Das zu erklären, dürfte Pat Robertson in Den Haag erspart bleiben.

Autor:  Dietmar Ostermann
Datum:  19 | 8 | 2010
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