Edward Jay Epstein ist zwar Enthüllungsjournalist. Das heißt aber nicht, dass er über sich selbst gern Auskunft gibt. Ob er nun 71, 76 oder 78 Jahre alt ist, darüber streiten die Experten. Eines aber steht fest: trotz seinem Alter zittert dem Amerikaner noch nicht die Hand, wieder einmal hat er in ein Wespennest gestochen. Und wieder fallen die Getroffenen über den Störer her.
Dominique Strauss-Kahns verhängnisvolle Begegnung mit Nafissatou Diallo, dem Zimmermädchen des New Yorker Sofitel, sei Teil eines Komplotts, hat Epstein im Magazin New York Review of Books suggeriert. Der damalige Chef des Weltwährungsfonds und Herausforderer des französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy sei am 14. Mai gestolpert und als angeblicher Vergewaltiger Diallos tief gestürzt – weil ihm politische Gegner eine Falle gestellt haben.
Sarkozys rechtsbürgerliche UMP habe das Handy des Sozialisten gehackt, behauptet Epstein. Eine SMS von Strauss-Kahns Gattin Anne Sinclair sei in der Pariser UMP-Zentrale eingegangen. Auch hätten ein Sicherheitsbeauftragter und ein weiterer Angestellter des Sofitel kurz nach der Benachrichtigung der Polizei ein dreiminütiges Freudentänzchen aufgeführt. Eine Überwachungskamera des Hauses habe den Reigen festgehalten.
Kaum war die Kunde vom Komplott nach Frankreich gedrungen, gingen Sarkozys Getreue zum Gegenangriff über. Jean-François Copé, der UMP-Generalsekretär, nannte die Vorwürfe am Montag „grotesk und lächerlich“. Innenminister Claude Gueant beklagte haltlose Gerüchte. Wie schon nach den Anschlägen vom 11. September, hinter denen Epstein ebenfalls Verschwörer gewittert hatte, bleibt der selbst ernannte „Experte für ungelöste Geheimnisse“ Beweise schuldig, zählt aber interessante Indizien auf. Das angeblich ausspionierte Handy Strauss-Kahns ist am Tag der folgenschweren Begegnung mit dem Zimmermädchen spurlos verschwunden. Aus den Aufzeichnungen des Hotels geht hervor, dass Diallo vor und nach der Begegnung mit dem prominenten Gast die benachbarte Suite 2820 aufgesucht hat. Traf sie dort Verbindungsleute?
Nicht nur das Sofitel und Sarkozys Partei weisen die Komplott-These zurück. Auch Anhänger Strauss-Kahns melden Zweifel an. Epstein aber gibt sich nicht geschlagen. Er droht das Video mit dem Reigen ins Netz zu stellen.
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