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Neuer Gesundheitsminister: Daniel Bahr: Der Musterknabe

Daniel Bahr hat eine mustergültige FDP-Karriere hingelegt. Und er kennt sich aus im Gesundheitssystem. Und zwar so gut, dass man den erst 34-Jährigen in der Verbandsszene schon lange für den heimlichen Minister hält.

Daniel Bahr (34), Staatssekretär im Gesundheitsministerium, soll das Ressort von Philipp Rösler (links) übernehmen.
Daniel Bahr (34), Staatssekretär im Gesundheitsministerium, soll das Ressort von Philipp Rösler (links) übernehmen.
Foto: dapd

Daniel Bahr ist die Ausnahme. Normalerweise gelten Parlamentarische Staatssekretäre lediglich als Frühstückdirektoren. Doch es gibt keine Entscheidung, die Bahrs bisheriger Chef Philipp Rösler ohne Absprache mit „dem Daniel“ getroffen hat. Denn Bahr kennt sich aus im Gesundheitssystem. Und zwar so gut, dass man den erst 34-Jährigen in der Verbandsszene schon lange für den heimlichen Minister hält.

Bahr hat eine mustergültige FDP-Karriere hingelegt: Mit 14 geht er zu den Jungliberalen (Julis), macht nach dem Abitur in Münster eine Banklehre, arbeitet als Finanzberater in Schwerin und studiert dann Volkswirtschaft. Schon früh nimmt der gleichfalls aus Münster stammende Jürgen Möllemann den Jungpolitiker unter seiner Fittiche. 1999 wird Bahr Juli-Vorsitzender.

Immer wieder fordert er eine Verjüngung der Partei: Er verlangt den Rücktritt des damaligen Parteichefs Wolfgang Gerhardt und spricht sich 2000 als einer der ersten für Guido Westerwelle als Parteichef aus. Damit wendet er sich gegen Möllemann. Doch Bahr, ab 2002 im Bundestag, hat ein sehr sicheres Gespür für Machtfragen, das er zunehmend für seine Karriere nutzt. Nach der Wahl 2005 setzt er sich dafür ein, dass Westerwelle auch Fraktionschef wird. Bahr wird Sprecher für Gesundheitspolitik und profiliert sich als scharfzüngiger Kritiker von Ministerin Ulla Schmidt (SPD).

Kontrolliert und unnahbar

Von Möllemann und Westerwelle hat der stets korrekt gekleidete Bahr gelernt, dass in der Politik vor allem Klappern zum Handwerk gehört. Mal steigt er als Oppositionspolitiker in ein Fass mit kaltem Wasser, um gegen die Regierung Schröder zu protestieren, mal wirft er seine Kritik mit einem Beamer ans Kanzleramt. 2005 sorgt er für Aufregung mit der Bemerkung, es sei falsch, dass in Deutschland nur die sozial Schwachen Kinder bekämen.

Bundesweit bekannt wird er aber erst im Ministerium. Da platzt ihm der Kragen, nachdem die CSU Rösler im Streit um die Gesundheitsprämie vorführt: Der Koalitionspartner trete auf wie eine „Wildsau“. Dafür fängt er sich umgehend einen Rüffel von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) ein.

Am Stuhl von Westerwelle sägt Bahr, seit Frühjahr auch FDP-Landeschef von NRW, schließlich gemeinsam mit Rösler und Generalsekretär Christian Lindner. Mit Rösler und Lindner teilte er auch das Ziel eines „mitfühlenden“ Liberalismus, der mehr Eigenverantwortung fordert, ohne die Schwachen im Stich zu lassen. Im Ministerium dürfte sich wenig ändern. Außer dem Stil: Anders als der muntere Rösler wirkt Bahr oft kontrolliert und unnahbar.

Autor:  Timot Szent-Ivanyi
Datum:  10 | 5 | 2011
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