Peter Hartz darf hoffen. Der ehemalige Spitzenmanager, ohnehin gebrandmarkt durch seine Beteiligung an der VW-Korruptionsaffäre, steht mit seinem Namen für die unbeliebteste Arbeitsmarktreform in der Geschichte der Republik. Darüber hat er sich wiederholt beklagt und erklärt: „Nicht überall, wo Hartz drauf steht, ist auch Hartz drin.“ Doch die Menschen halten sich nicht dran. Wenn sie in Gelsenkirchen oder Bremen gegen Sozialabbau protestieren, skandieren sie: „Hartz muss weg.“
Diesen Ruf hat Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) erhört. Auch sie will Hartz abschaffen, allerdings nicht im Sinne der Demonstranten. Die CDU-Politikerin möchte den Begriff abstoßen und durch ein freundlicheres Wort ersetzen.
Mit der vom ihm geleiteten Kommission wollte Peter Hartz SPD-Kanzler Gerhard Schröder helfen, die Menschen zu aktivieren. Tatsächlich sprechen Jugendliche heute von hartzen, wenn sie abhängen oder nichts tun meinen. In Neukölln beantworten Schüler, frustriert von ihrer Perspektivlosigkeit, die Frage nach ihrem Berufswunsch mit einem knappen „Hartz IV“. Der Ausdruck wurde zum Synonym für eine kalte, unsoziale Politik. Basisgeld klingt viel entspannter, findet von der Leyen. Doch die Suche nach dem schönen, neuen Namen hat erst begonnen, verkündet die Regierung. Wer will, kann noch bessere Vorschläge einreichen.
Umbenennungen zur Imageverbesserung sind nicht neu. Auch Unternehmen versuchen es immer wieder mit anderen Etiketten. So wirbt die Citibank, durch den Vertrieb von Lehman-Zertifikaten ordentlich in Verruf geraten, als Targobank um Vertrauen. „Raider heißt jetzt Twix, sonst ändert sich nix“ – die Kampagne funktionierte Anfang der 90er Jahre, weil die Verbraucher den Schokoriegel schon vorher schätzten. Doch Jens Lönneker, Geschäftsführer der Marktforschungsfirma Rheingold, warnt von der Leyen: „Wenn ein tolles Produkt einen unseligen Namen trägt, kann die Umfirmierung Positives bewirken“.
Aber bei Hartz IV sieht der Psychologe eher die Gefahr, dass die Aktion vom Bürger schlicht als Täuschungsmanöver empfunden wird. Denn an der Substanz des Produkts will von der Leyen nicht rütteln. Nächste Woche stellt sie die neue Berechnungsmethode der Regierung für Hartz IV-Sätze vor. Und wieder ist von Rechentricks zulasten der Betroffenen zu hören. So aber schürt die Politik vor allem Misstrauen, glaubt Lönneker: „Wenn nur alter Wein in neuen Schläuchen verkauft wird, stößt das dem Publikum übel auf.“
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