Wegen des zögerlichen Krisenmanagements ist derzeit nur noch ein Fünftel (20 Prozent) der Deutschen zufrieden mit Schwarz-Gelb - sechs Prozentpunkte weniger als im April. Dies ist der niedrigste Wert für die amtierende Koalition, wie aus dem aktuellen ARD-Deutschlandtrend im Auftrag der ARD-Tagesthemen und der FR hervorgeht.
Besonders tief stürzt Kanzlerin Angela Merkel: In Sachen Vertrauen der Bürger muss sie ein Minus von 10 Punkten binnen Monatsfrist verkraften. Weil nur 48 Prozent mit ihr zufrieden sind, rutscht Merkel auf Platz Drei hinter Verteidigungsminister zu Guttenberg (gleichbleibend 61 Prozent) und Arbeitsministerin von der Leyen (50 Prozent, minus 4) ab. Nur einmal wurde Merkel als Kanzlerin schlechter bewertet: im November 2006 mit 47 Prozent.
Die Meinungsforscher von Infratest dimap erstellen den Deutschlandtrend monatlich im Auftrag der ARD-Tagesthemen, der Frankfurter Rundschau und vier weiterer Tageszeitungen.
Am Dienstag und Mittwoch dieser Woche wurden im Rahmen einer repräsentativen Erhebung tausend wahlberechtigte Frauen und Männer telefonisch befragt. Für die Sonntagsfrage wurden 1500 Personen angerufen. (FR)
Frust bei Liberalen
Wäre am Sonntag Bundestagswahl, käme die Union nur noch auf 33 Prozent der Stimmen (minus 2 im Vergleich zum Vormonat). Die FDP fiele um einen Punkt auf sieben Prozent. Zulegen könnten SPD (27 Prozent, plus 1) und Linke (11 Prozent, plus1). Die Grünen sind weiter im Hoch (unverändert 16 Prozent).
Die gestiegene Unzufriedenheit mit der Bundesregierung wurzelt im gewachsenen Frust der FDP-Anhänger. Nach der Absage des Steuersenkungsversprechens und wegen der Debatte über die von den Liberalen abgelehnte Finanztransaktionssteuer gibt nur noch jeder fünfte Anhänger der Liberalen der Koalition gute Noten. 76 Prozent der FDP-Anhänger sind gar der Meinung, dass die Freidemokraten zu lange an unfinanzierbaren Steuersenkungsversprechen festgehalten haben. Von allen Wahlberechtigten vertreten 77 Prozent, also kaum mehr, diese Meinung. Fast drei Viertel (73 Prozent) meinen, dass Guido Westerwelle mit seinem Agieren der Partei eher geschadet als genutzt habe.
Eurokrise, hohe Schulden und ungeschicktes Regierungshandeln führen dazu, dass sechs von zehn Bürgern (58 Prozent) eine große Koalition vorziehen würden. Nur noch 22 Prozent meinen, Schwarz-Gelb solle wie geplant weitermachen. Bemerkenswert: Auch unter Unionsanhängern plädiert mehr als jeder zweite für ein Bündnis mit der SPD.
Wenig Illusionen machen sich die Bürger über die Folgen der Eurokrise und des Milliardenlochs im Bundesetat. Knapp zwei Drittel (64 Prozent) glauben, dass Steuererhöhungen nötig sein werden - dabei sind sich die Anhänger aller Parteien ziemlich einig. Drei von vier fürchten, dass der schlimmste Teil der Finanzkrise noch kommt - im Vormonat waren es erst 56 Prozent. Zwei von drei Bundesbürgern sorgen sich inzwischen um ihr Erspartes.
Klare Vorstellungen haben die Bürger aber, wo die Bundesregierung auf keinen Fall sparen darf, um Etatlöcher zu stopfen: Bildung, Schule und Forschung (zusammen 63 Prozent der Nennungen) sollten demnach ebenso von Kürzungen verschont bleiben wie Familie, Kinder und deren Betreuung (zusammen 42 Prozent). ((rü) )
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