Berlin. Die Wirtschaftskrise trifft in Deutschland Arbeitnehmer mit schwerer Behinderung besonders stark. Das ergab eine Analyse des Deutschen Gewerkschaftsbundes. DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach sagte am Montag der Nachrichtenagentur ddp, seit Jahresbeginn seien zudem in Niedersachsen, Bayern, Hessen und Baden-Württemberg "überdurchschnittlich viele Schwerbehinderte arbeitslos geworden".
Damit ist vor allem Westdeutschland von dieser Entwicklung betroffen. Buntenbach betonte: "Gebiete mit industriellen Großbetrieben haben traditionell einen hohen Beschäftigtenanteil Schwerbehinderter und sind durch die Exportabhängigkeit besonders von der Krise gebeutelt." In der Analyse heißt es, die allgemeine Arbeitslosigkeit sei weniger deutlich angestiegen als befürchtet und gehe seit März dieses Jahres sogar zurück. Dagegen steige die Arbeitslosigkeit der schwerbehinderten Menschen weiter an: "Im Mai 2010 waren 174 511 schwerbehinderte Menschen arbeitslos gemeldet, das waren 4,8 Prozent mehr als im Vorjahresmonat." Allgemein sei die Arbeitslosigkeit im Mai im Vergleich zum Vorjahresmonat um 6,3 Prozent gesunken.
Aufgrund längerer Kündigungsverfahren sind den Angaben zufolge die Auswirkungen der Krise bei der Arbeitslosigkeit schwerbehinderter Menschen zeitverzögert zu beobachten. Der deutsche Arbeitsmarkt stehe zwar im weltweiten Vergleich "relativ gut da". Für Menschen mit Behinderung bedeute die Krise aber "einen tiefen Einschnitt mit nachhaltig negativen Auswirkungen".
Zum einen hätten sich die Chancen auf eine Einstellung deutlich verschlechtert. Zum anderen habe die weltweite Wirtschaftskrise insbesondere das exportabhängige Gewerbe getroffen "und damit die westdeutschen industriellen Großbetriebe". In dem Papier wird unterstrichen: "Hier waren bisher viele Schwerbehinderte beschäftigt, weil unter anderem starke gewerkschaftliche Interessenvertretungen dafür gesorgt haben, dass auch leistungsgewandelte Beschäftigte im Unternehmen verbleiben können."
Buntenbach sagte, wenn sich der Arbeitsmarkt wieder erhole, hätten Behinderte "ebenfalls schlechte Karten". Dann werde nämlich oft Bewerbern "ohne Handicap" der Vorzug gegeben. Deshalb fordere der DGB unter anderem eine Erhöhung der Beschäftigungspflicht Schwerbehinderter in Betrieben auf sechs Prozent.
Ferner müsse es eine gezielte Eingliederung von Beschäftigten geben, die aus längerer Krankheit zurückkehren. Buntenbach kritisierte: "Zudem ist es fatal, ausgerechnet in dieser Krise die Arbeitsmarktmaßnahmen zur Förderung Schwerbehinderter zurückzufahren. Das Gegenteil wäre notwendig." (ddp)
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