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Die FDP im Höhenrausch: Partner mit Schwächen

Die FDP macht sich Mut und frohlockt: "Das Projekt Schwarz-Gelb rückt näher." Doch aller guten Ergebnisse zum Trotz, plötzlich müssen sich die Liberalen um die Union sorgen. Von Markus Decker

Strotzt nur so vor Selbstbewusstsein nach den ersten Zahlen aus Thüringen, Sachsen und dem Saarland. FDP-Chef Guido Westerwelle.
Strotzt nur so vor Selbstbewusstsein nach den ersten Zahlen aus Thüringen, Sachsen und dem Saarland. FDP-Chef Guido Westerwelle.
Foto: ddp

Kein Zweifel: Die FDP kann sich zu den Gewinnern des Tages zählen. Die Liberalen verdoppeln im Schnitt ihren Stimmenanteil. In Sachsen können sie die Sozialdemokraten als Koalitionspartner ablösen. In Thüringen kehren sie triumphal in den Landtag zurück. Damit bekommt ein schwarz-gelbes Bündnis im Bund mehr Plausibilität - und der liberale Bundestagswahlkampf noch mehr Zug- und Schubkraft. Jedenfalls auf den ersten Blick.

Die stellvertretende Bundesvorsitzende Cornelia Pieper sagt der FR: Die FDP kann sich unterm Strich freuen. Wir haben guten Rückenwind für den 27. September. Das Projekt Schwarz-Gelb rückt näher." Mit den Landtagswahlen habe man "die erste Hürde genommen. Die zweite nehmen wir jetzt in Angriff."

Wie gewohnt zwei Phonstärken lauter formuliert es FDP-Chef Guido Westerwelle bei seinem ersten Statement im Thomas-Dehler-Haus. "Wir sind die Wahlsieger des heutigen Abends", ruft er in die Mikrofone. In Sachsen sei man sogar stärker als die SPD - "daran könnt´ ich mich gewöhnen." Zu früh gefreut, die SPD überholt später dann doch noch.

Westerwelle setzt allerdings hinzu, mit Blick auf die linken Mehrheiten im Saarland und in Thüringen: "Das war ein Warnschuss für die ganze Republik. Extremismus ist immer schlecht. Dieses Land muss von der Mitte aus regiert werden." Der liberale Vormann weiß: Auf der anderen Seite ergibt sich plötzlich wieder so etwas wie eine Machtoption - oder zumindest eine Verhinderungsoption. Und das ist problematisch für die eigene Machtoption. Schließlich sind die Verluste für die CDU im Saarland und in Thüringen erheblich.

An den Spannungen im bürgerlichen Lager ändern die Resultate vom Sonntag nichts. Die CSU nämlich will ihre Anhänger dazu aufrufen, in vier Wochen auch die Zweitstimme den Christsozialen zu geben - ganz so, wie es die FDP früher tat. Weshalb Westerwelle erklärt: "Wir werden die CSU-Fouls nicht mit einem Gegen-Foul beantworten." Man sieht: Die Nervosität ist hier wie dort erheblich. Auch die liberalen Bäume wachsen nicht in den Himmel.

Ein Symbol ganz eigenen Art ist deshalb die Anwesenheit des FDP-Ehrenvorsitzenden Hans-Dietrich Genscher im Thomas-Dehler-Haus. Der 82-Jährige repräsentiert jene schwarz-gelbe Ära, die 1982 begann, 1998 endete und aus FDP-Sicht eine goldene war. Die Botschaft des Genscher-Auftritts lautete: Die Liberalen möchten in Berlin da weitermachen, wo sie vor elf Jahren in Bonn aufhören mussten. Wenn man sie denn lässt.

Autor:  Markus Decker
Datum:  31 | 8 | 2009
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