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Die Linke: Aus Ehrlicher wird Peinlicher

Die Linke träumt gesamtdeutsch, während ihr Kandidat für das Bundespräsidentenamt Peter Sodann den säuerlichen Ossi gibt. Von Bernhard Honnigfort

Verrenkt sich nicht und lässt sich  nicht verbiegen.
Verrenkt sich nicht und lässt sich nicht verbiegen.
Foto: ddp

In diesem einen Moment, diesem entsetzten Blick, lag Wahrheit. Peter Sodann redete und redete und redete. Linke-Parteichef Oskar Lafontaine verdrehte die Augen zur Decke und wippte nervös auf den Füßen. Ihm war sichtbar unbehaglich.

Am vergangenen Dienstag war das. Sodann, der 72-jährige Schauspieler, frühere Tatort-Kommissar Bruno Ehrlicher und Kandidat der Linken für die Bundespräsidentenwahl 2009, war nach seiner Vision für das höchste Staatsamt gefragt worden. Er berichtete daraufhin von seinem morgendlichen Stuhlgang, bei dem er gerne zwei Kreuzworträtsel löse. Und einmal sei er darin, 63 waagerecht, nach einem anderen Wort für Vision gefragt worden. Dürfte Parteichef Lafontaine am Dienstag bei Sodanns Gerede leicht mulmig geworden sein, werden ihn am Donnerstag heftige Zweifel an seiner Menschenkenntnis gepackt haben.

In einem denkwürdigen Gespräch mit der Sächsischen Zeitung erläuterte der "betende Kommunist" Sodann nämlich, wie er sich Politik im höchsten Staatsamt so vorstellt. Mit US-Präsident George W. Bush würde er gar nicht reden, teilt er mit. Den Papst würde er belehren: "Herr Papst, Se wärn entschuldischn, warum reden Sie nur gegen den Krieg und nennen keine Namen?" Und wäre der Hallenser Sodann nicht nur Präsident, sondern auch noch "Polizeikommissar von Deutschland", er würde den Herrn Ackermann von der Deutschen Bank verhaften. "Dann würde man mich zwar rausschmeißen, aber ich hätte es wenigstens mal gemacht."

Sollte Lafontaine die Hoffnung gehabt haben, Kandidat Sodann könnte ein Angebot an Ost- aber auch Westdeutsche sein, ihm müssten die Ohren klingeln. Sodann ist irgendwo in den frühen neunziger Jahren, als die Knirschgeräusche des Zusammenwachsens von West- und Ostdeutschland noch lauter waren, steckengeblieben.

Als seien 18 Jahre spurlos an den Ost- und Westdeutschen vorbeigegangen, gibt er immer noch den säuerlichen Ossi: "Kennen Sie eigentlich den Unterschied zwischen Ossis und Wessis? Der Wessi redet mehr, als er weiß. Der Ossi sagt nicht alles, was er weiß." Sodann hat sich geoutet als Mann, den die Jahre und das Leben ein gutes Stück überholt haben.

Außer Popularität, Anekdoten, Sprüchen und Zitaten hat er wenig zu bieten. Die Nationalhymne will er abschaffen und durch Bertolt Brechts Kinderhymne ("Anmut sparet nicht noch Mühe") ersetzen. Überhaupt ist er voller Zweifel: "Ich halte das, was wir haben, ja nicht für eine Demokratie."

Aber warum kandidiert er dann für das höchste demokratische Staatsamt in Deutschland? "Weil ich gefragt worden bin." Und: "Mir gefällt unser derzeitiges Leben nicht so." In der Linkspartei steht man noch hinter dem schrägen Kandidaten. "Das ist doch hübsch", kommentierte ein Sprecher die Interview-Äußerungen Sodanns. "Der Mann ist ein moderner Eulenspiegel." Sodann stelle die Fragen, die sich normale Menschen stellten. Sein Spektrum reiche vom Altherrenwitz ins Bubenschlaue, "das hat was".

Was ein neuer Bundespräsident als Erstes tun müsste? Etwas mehr Heiterkeit in dieses Amt tragen, meint Kandidat Sodann. Mit seiner Kandidatur hat er einen Anfang gemacht. Dass er allerdings tatsächlich Horst Köhler ablösen könnte, gilt als ausgeschlossen. Eine Mehrheit für den alten Linken, der zudem noch gegen die Sozialdemokratin Gesine Schwan antritt, ist bei der Wahl der Bundesversammlung im Mai 2009 nicht in Sicht. Aber das weiß er ja.

Hauptsache Spaß an der Freud.

Autor:  BERNHARD HONNIGFORT
Datum:  16 | 10 | 2008
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