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Geheimberichte: Die Wikileaks-Spur von Bin Laden

Dokumente auf WikiLeaks belegen Aktivitäten des El-Kaida-Chefs: Er beauftragte Selbstmordattentate und belobigte Bombenbauerinnen. Die internationale Schutztruppe Isaf warnt derweil vor Gefahren auch für Zivilisten.

Osama bin Laden (Archivbild)
Osama bin Laden (Archivbild)
Foto: dpa
Paris –  

Seine Spur haben die Geheimdienste entsprechend ihrer öffentlichen Darstellung bereits seit Jahren verloren. Der zum Superterroristen hochstilisierte Osama bin Laden schien verschollen. In den Geheimdokumenten, die das auf Enthüllungsgeschichten spezialisierte Internetforum WikiLeaks veröffentlicht hat, taucht der Name des El-Kaida-Chefs allerdings immer wieder auf. Die Dokumente aus der Zeit zwischen 2004 und 2008 zeigen, dass der Extremistenführer in dieser Zeit offenbar aktiv in den Kampf gegen die afghanische Regierung und die internationalen Truppen am Hindukusch eingreift.


Aus dem Bericht Nummer 20060816155041SPV6092076699 vom 16. August 2006, den WikiLeaks ins Internet gestellt hat, geht hervor, dass bin Laden einmal pro Monat an einem Treffen von Rebellenführern teilnimmt. Diese werden demnach entweder in der pakistanischen Stadt Quetta an der Grenze zu Afghanistan oder in einem nahegelegenen Dorf abgehalten.

Wikileaks und die Geheimberichte
Einsatz in Afghanistan
Wikileaks-Sprecher Julian Assange bei einer Pressekonferenz zu den Geheimberichten.
Foto: Getty Images

Die Website wikileaks.org veröffentlicht teils geheime und vertrauliche Dukumente u.a. über Großunternehmen, Regierungen und Parteien. Die Informanten können völlig anonym zum Beispiel über die Seite https://secure.wikileaks.org/ eingereicht werden. Beim Kongress re:publica in Berlin bezeichnete der deutsche Sprecher die Enthüllungsplattform als "die aggressivste Presseagentur der Welt". Die Echtheit der Dokumente wird vorab untersucht: Vor der Veröffentlichung überprüfen die rund 1000 Mitarbeiter von Wikileaks das Material unter anderem auf Fälschungshinweise sowie auf Glaubwürdigkeit und Motivation des Informanten. Dokumente werden vor ihrer Veröffentlichung technisch von allen Hinweisen auf die Quelle gesäubert. Die Logbücher des Krieges hat der Guardian grafisch aufbereitet. Mehr über die Organisation Wikileaks. pb

Verteidigen wir tatsächlich unsere Sicherheit am Hindukusch? Mehr dazu im Afghanistan-Spezial.


„Die vier wichtigsten Personen, die dem Treffen beiwohnen, sind Mullah Omar, Osama bin Laden, Mullah Dadullah und Mullah Baradar“, heißt es in dem Dokument. Während der Militärchef der Taliban, Mullah Baradar, Mitte Februar in Pakistan gefasst wurde und der afghanische Taliban-Kommandeur, Mullah Dadullah, im Mai 2007 bei einem Nato-Einsatz ums Leben kam, ist der Taliban-Führer Mullah Omar wie Osama bin Laden weiter auf der Flucht.


Im Verlauf einer solchen Zusammenkunft der vier Männer hätten wenige Tage vor dem 16. August 2006 mehrere Selbstmordattentäter den Auftrag erhalten, eine Serie von Anschlägen in Afghanistan zu organisieren, heißt es in dem Bericht weiter. Sie erhielten den Angaben zufolge jeweils 50.000 Dollar und die Zusicherung, dass ihre Familien versorgt seien.


Der Bericht Nummer 200409011000031NAA6600800000 vom 1. September 2004 belegt, wie Osama bin Laden persönlich einen Auftrag zu Selbstmordattentaten erteilt. Drei „bewährte Terroristen“ seien von ihm beauftragt worden, auf den afghanischen Präsidenten Hamid Karsai Anschläge zu verüben. Sie sollten demnach mit gefälschten Pässen als Journalisten nach Afghanistan einreisen und während einer Pressekonferenz von Karsai Kameras oder Aufnahmegeräte mit Sprengstoff zur Explosion bringen.
Dem Dokument mit der Nummer 200607144000042SVF7746377769 vom 14. Juli 2006 zufolge bedachte der Extremistenführer eine junge Frau mit Geschenken für ihre Fähigkeiten beim Bombenbau. Diese habe sie sich während eines dreijährigen Trainings in einer Koranschule angeeignet.


Der Bericht 20080501000042SXD26006400 vom 1. Mai 2008 zeigt wie mehrere andere Dokumente, wie bin Laden als ideologische Instanz im Kampf gegen die internationalen Truppen in Afghanistan auftritt. Darin heißt es, der Hersteller eines Gifts habe die Substanz „Osama Kapa, zu Ehren Osama bin Ladens“ genannt. Mit ihr sollte das Trinkwasser von Soldaten vergiftet werden.

Empörung bei der Isaf

Die internationale Schutztruppe Isaf warnt vor Gefahren auch für Zivilisten:. In den von der Internetplattform Wikileaks offengelegten Dokumenten würden zahlreiche Afghanen namentlich genannt, die mit den afghanischen Sicherheitsbehörden oder der Isaf beispielsweise als Übersetzer zusammengearbeitet hätten, sagte der ISAF-Sprecher, Brigadegeneral Josef Blotz, am Donnerstag in einer von Kabul nach Deutschland übertragenen Video-Pressekonferenz. „Das ist wirklich etwas, was man energisch verurteilen muss.“ Blotz betonte, dass die Veröffentlichung ausgesprochen unverantwortlich“ sei. „Im Grunde genommen handelt es sich ja auch um eine Straftat“, sagte er.


Einen Neuigkeitswert haben die Geheimdokumente für Blotz allerdings nicht. Die Protokolle könnten „wirklich nur denjenigen aus dem Hocker hauen ..., der seit drei Jahren keine Zeitung mehr gelesen hat“. Es handele sich um „nicht abgeglichenes Rohmaterial, dass es nicht erlaubt, von zusammenhängenden Bildern zu sprechen“. Die Inhalte gingen kaum über das hinaus, was aus anderen Quellen bereits in den Jahren 2008 und 2009 bekanntgeworden sei.

Waffen aus Österreich in Afghanistan

Die auf der Enthüllungswebseite Wikileaks veröffentlichten geheimen Militärakten zum Afghanistan-Einsatz enthalten auch Hinweise auf Waffen und Munition aus Österreich. Diese seien von bewaffneten Gruppen in dem Land am Hindukusch verwendet worden. Informationen der Wiener Zeitung „Der Standard“ zufolge finden sich Berichte über österreichische Mörsermunition, Granatwerfer und Handgranaten, die von der US-Armee zwischen 2006 und 2009 sichergestellt und zerstört wurden.


„Wir sind dabei uns anzusehen, auf welchem Weg das dorthin gekommen ist“, sagte der Sprecher des Außenministeriums Peter Launsky-Tieffenthal am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur. „Alles was wir sagen können ist, dass es nicht auf legalem Weg dorthin gekommen ist“, erklärte Innenministeriumssprecher Harald Noschiel. Es sei jedoch nicht sicher, ob man noch herausfinden könne, wer die Waffen geliefert habe, fügte er hinzu.

Das österreichische Gesetz erlaubt es nur dann, Kriegsmaterialien zu liefern, wenn in dem betreffenden Gebiet kein Konflikt herrscht oder auszubrechen droht. Es sei denkbar, dass Waffen und Munition über Pakistan nach Afghanistan gebracht worden sein könnten, zitierte „Der Standard“ den Österreich-Korrespondenten der Militärzeitschrift „Jane's Defence Weekly“, Georg Mader. „Granatwerfer sind ja nicht kompliziert. Man kann sie auf drei Eseln transportieren“, sagte er. (afp/dpa)

Datum:  29 | 7 | 2010
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