Der Rentner Dietrich Wagner, der mit seinen blutüberströmten Augen zum Symbol der Eskalation der Proteste gegen Stuttgart 21 geworden ist, wird lebenslang auf einem Auge blind bleiben. Eine Sprecherin des behandelnden Stuttgarter Katharinenhospitals sagte am Mittwoch, auf einem Auge werde definitiv keine Sehfähigkeit mehr eintreten. Beide Augen waren durch einen Wasserwerfereinsatz der Polizei vor zwei Wochen schwer verletzt worden.
Den Angaben zufolge wird der zuvor sehfähige 66-Jährige auch auf dem zweiten Auge schwer sehbehindert bleiben. Wagner werde auch mit diesem Auge nie mehr eine Sehfähigkeit erreichen können, die zum Autofahren oder Lesen reiche. Er könne mit diesem Auge „grob“ Menschen erkennen. Es bestehe die Hoffnung, dass hier zumindest soviel Sehfähigkeit zurückkehre, dass er wieder einigermaßen selbstständig werde und etwa ohne Begleitung gehen könne, teilte das Krankenhaus mit.
Vor knapp zwei Wochen war die Polizei massiv gegen die Gegner des Bahnhofsneubaus in Stuttgart vorgegangen und hatte unter anderem Wasserwerfer und Tränengas eingesetzt. Nach offiziellen Angaben waren die Beamten zuvor von Demonstranten provoziert worden.
Die Grünen im baden-württembergischen Landtag fordern einen Untersuchungsausschuss zu dem Polizeieinsatz. Die Verantwortung der Landesregierung für das kritisierte harte Vorgehen der Polizei müsse geklärt werden. Es gebe seriöse Hinweise, dass die Politik Einfluss auf die Polizeistrategie gehabt hat, sagte Grünen-Innenexperte Hans-Ulrich Sckerl am Mittwoch in Stuttgart.
Für einen Untersuchungsausschuss bräuchten die Grünen die Stimmen der ebenfalls oppositionellen SPD. Die SPD-Fraktion will jedoch zunächst kein solches Gremium. Die Regierung müsse binnen drei Wochen eine SPD-Anfrage beantworten, sagte SPD-Fraktionschef Claus Schmiedel. Erst danach werde entschieden, „ob wir das Schwert des Untersuchungsausschusses brauchen“.
Die Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg kündigte an, sie werde sich den Protesten gegen Stuttgart 21 auch vor Ort anschließen. Mitglieder der Bürgerinitiative, die seit Jahren gegen ein Atommüll-Endlager in Gorleben kämpft, wollen mit ihren Traktoren an der nächsten Montagsdemonstration in Stuttgart teilnehmen. (dapd/rtr/afp)
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