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Politik
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03. Oktober 2011

DIW: Afghanistan-Einsatz kostete 17 Milliarden

Der Afghanistan-Einsatz soll Deutschland 17 Milliarden Euro gekostet haben.

Das Deutsche Instituts für Wirtschaftsforschung hat nachgerechnet, was die Verteidigung der deutschen Freiheit am Hindukusch bisher gekostet hat. Veranschlagt waren einmal 5,5 Milliarden Euro

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Berlin –  

Der Afghanistan-Einsatz hat Deutschland nach Berechnungen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) in den vergangenen zehn Jahren 17 Milliarden Euro gekostet. Das ist drei Mal so viel wie die von der Bundesregierung offiziell veranschlagten 5,5 Milliarden Euro.

Bis zum geplanten Abzug der letzten deutschen Kampftruppen Ende 2014 muss Deutschland nach Schätzung der Forscher mindestens fünf weitere Milliarden in den Einsatz investieren.

Der Beginn des internationalen Afghanistan-Einsatzes jährt sich am 7. Oktober zum zehnten Mal. Die DIW-Forscher gehen in ihren Berechnungen über die reinen Einsatzkosten für Personal, Infrastrukturmaßnahmen oder Materialbeschaffung und -erhaltung hinaus. Sie berücksichtigen beispielsweise auch die Investitionen des Entwicklungsministeriums oder des Auswärtigen Amts zur Stabilisierung der Region oder gesellschaftliche Kosten durch Tod oder Verletzung von Soldaten.

Tote in Kandahar

Ein Selbstmordattentäter hat bei einem Anschlag auf ein afghanisches Regierungsmitglied in der Stadt Kandahar im Süden des Landes mindestens zwei Zivilisten mit in den Tod gerissen und 19 weitere verletzt. Ziel des Täters sei der Konvoi eines Mitglieds der afghanischen Regierung gewesen, teilte die Polizei am Montag mit. Der Minister für Stammesangelegenheiten, Asadullah Khalid, habe den Tatort zum Zeitpunkt der Explosion jedoch bereits passiert gehabt. Zunächst bekannte sich niemand zu der Tat. Kandahar gilt als Taliban-Hochburg.

In den vergangenen Monaten haben Aufständische immer wieder Anschläge gegen Vertreter von Regierung, Sicherheitskräften und Justiz verübt. So waren im Juli in Kandahar der Chef des Provinzrates sowie der Bürgermeister von Kandahar-Stadt getötet worden. Erst vor knapp zwei Wochen fiel zudem der Vorsitzende des Hohen Friedensrates, Ex-Präsident Burhanuddin Rabbani, einem Anschlag zum Opfer.

Karsai denkt um


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Afghanistans Staatschef Hamid Karsai will nach dem Mord an Ex-Präsident Burhanuddin Rabbani vor rund zwei Wochen seine Verhandlungsstrategie mit den radikalislamischen Taliban überdenken. Die Umstände des Anschlags sind weiter unklar, Kabul machte am Sonntag einen Pakistaner verantwortlich. Nach Angaben der NATO wurde in Afghanistan ein Anführer des mit den Taliban verbündeten Haqqani-Netzwerks gefangen genommen.
„Sämtliche Friedensgespräche mit den Taliban liegen auf Eis“, sagte Karsais Sprecher Siamak Herawi. „Der Präsident wird daher seine Friedens- und Versöhnungsstrategie überdenken.“ Schon „sehr bald“ werde er in einer TV-Ansprache sein neues Vorgehen vorstellen. Rabbani hatte im Auftrag der Regierung Gespräche über Friedensverhandlungen mit den Taliban geführt.

Mit Unterstützung der internationalen Gemeinschaft versucht die afghanische Regierung seit Jahren, die Taliban an den Verhandlungstisch zurückzubewegen. Den Islamisten wurde eine Beteiligung an der Regierung zugesagt, sollten sie ihre Waffen niederlegen. Die Taliban stellen für Verhandlungen aber die Bedingung, dass alle ausländischen Truppen aus Afghanistan abziehen.

Erst am Freitag hatte Karsai vor religiösen Würdenträgern in Kabul seine Frustration über die Lage geäußert. Taliban-Führer Mullah Mohammed Omar habe „keine Adresse, und sein Friedensgesandter entpuppt sich als Killer“, sagte er. „Mit wem sollen wir also reden?“ Rabbani war am 20. September in seinem Haus in Kabul getötet worden. Der Attentäter hatte sich als gesprächsbereiter Vertreter der Taliban ausgegeben, die Bombe hatte er in seinem Turban versteckt.

Der Präsidentenpalast erklärte am Sonntag, es gebe Beweise, dass Rabbanis Mörder Pakistaner sei. Der Anschlag sei im pakistanischen Quetta geplant worden und der Attentäter habe in Chaman an der Grenze zu Afghanistan gelebt, hieß es unter Berufung auf Ermittlungen. Bereits zuvor hatte Kabul die Quetta Shura, Mullah Omars von Pakistan aus agierende Talibanbewegung, mit dem Anschlag in Verbindung gebracht. Die Taliban selbst übernahmen jedoch nie die Verantwortung für Rabbanis Tod.

Unterdessen erklärte die NATO, in Afghanistan den dortigen Anführer des Haqqani-Netzwerks, Hadschi Mali Chan, gefasst zu haben. Mali Chan, ein Onkel von Haqqani-Chef Siradschuddin Haqqani, habe „Stützpunkte geleitet und Aktionen in Afghanistan und Pakistan überwacht“, erklärte die ISAF. Seine Festnahme sei ein „bedeutender Meilenstein“ in den Bemühungen, das Netzwerk zu zerschlagen. Die Haqqani-Gruppe ist mit den Taliban und dem Terrornetzwerk El Kaida verbündet und hat ihre Hochburg in Pakistan. Das Netzwerk soll für einige der schwersten Anschläge in Afghanistan verantwortlich sein.

Siradschuddin Haqqani wies in einem Interview mit der BBC am Montag jede Verwicklung seines Netzwerks in Rabbanis Tod zurück: „Wir haben Burhanuddin Rabbani nicht getötet.“ Das afghanische Innenministerium hatte den pakistanischen Geheimdienst ISI beschuldigt, an der Planung des Attentats beteiligt gewesen zu sein und der Haqqani-Gruppe wiederum wird vorgeworfen, Verbindungen zum ISI zu haben. Auch das wies Haqqani in der BBC zurück. (dpa/afp)

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