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Dokumente zur Kundus-Affäre: Bundestag dementiert Anonymous-Attacke

Die Hacker-Gruppe Anonymous behauptet, über das Computersystem des Deutschen Bundestags an bislang geheime Dokumente zur Kundus-Affäre gekommen zu sein. Der Bundestag dementiert: Einen Hacker-Angriff habe es nicht gegeben.


Foto: AFP
Berlin –  

Die Hacker-Gruppe Anonymous hatte am Morgen mit einem angeblich spektakulären Hacker-Angriff auf sich aufmerksam gemacht. Sie verbreiteten Meldungen im Internet, wonach sie über das Computersystem des Deutschen Bundestags auf bislang geheime Dokumente zur Kundus-Affäre zugreifen konnten. Am Mittag dementierte die Bundestagsverwaltung die Behauptung von Anonymous und veröffentlichte auch einen Link auf das angeblich geheime Funk-Protokoll des umstrittenen Luftschlags im September 2009.

In einer Stellungnahme der Bundestagsverwaltung heißt es wörtlich: „Meldungen, dass Seiten des Bundestages gehackt wurden, treffen nicht zu. Die veröffentlichten Dokumente sind in der BT-Drucksache 17/7400 (http://dipbt.bundestag.de/dip21/btd/17/074/1707400.pdf, Beschlussempfehlung und Bericht des Verteidigungsausschusses als 1. Untersuchungsausschuss gemäß Artikel 45a Absatz 2 des Grundgesetzes) enthalten."

Über die Links kann man Auszüge aus dem Funkprotokoll aufrufen, in dem unter anderem der an dem Luftschlag beteiligte Pilot spricht. Die Dokumente "in dieser Drucksache" seien vom Ausschuss bearbeitet worden, so die Bundestagsverwaltung - Teile des Protokolls sind geschwärzt.

Die Liste der Dokumente sei im Dokumentenverzeichnis aufgeführt (ab Seite 460). Der Bundestag schreibt weiter: "Die nachstehenden Dokumente befinden sich auch im Internet. Sie werden durch Anklicken der Zeilen im Verzeichnis oder der jeweiligen Dokumentangabe in den Fußnoten geöffnet."

Unter den Dokumenten befänden sich auch solche, die ursprünglich als "geheim" oder "vertraulich" eingestuft waren. "Die Dokumente sind in Zusammenarbeit von Bundesministerium der Verteidigung und Deutscher Bundestag auf schutzbedürftige Informationen geprüft und ggf. passagenweise geschwärzt worden.", schreibt der Bundestag.

Hacker brüsten sich mit Protokoll des Luftanschlags

Die Hacker hatten in der Nacht zu Mittwoch unter anderem ein vermeintliches Funkprotokoll des Luftangriffs vom September 2009 ins Internet gestellt. Laut dem IT-Portal gulli.com sollten darin angeblich Gespräche des beteiligten Piloten festgehalten worden sein - einige Stellen seien aber geschwärzt, heißt es. Auch eine als "geheim" gekennzeichnete Liste mit den Namen über 100 ziviler Todesopfer des Luftschlags sollte dem Bericht nach unter den gehackten Dateien sein.

Tanklaster-Bombardement bei Kundus

Bildergalerie ( 9 Bilder )

Zusätzlich seien kleine Anfragen zur Afghanistan-Informationspolitik gefunden worden, die allerdings auch auf der Webseite des Bundestages verfügbar seien, schreibt das IT-Magazin. Andere Informationen seien zwar mittlerweile nicht mehr als "geheim" gekennzeichnet, aber nach Einschätzung des IT-Magazins "einer breiten Öffentlichkeit bislang noch nicht bekannt".

Laut gulli.com waren die Dokumente nicht ordnungsgemäß geschützt beziehungsweise die Zugriffsberechtigungen falsch gesetzt. So hätten die Hacker sie von außen finden können.

In einer Mitteilung auf dem Portal Pastebin schreiben die Hacker: "Wenn der Deutsche Bundestag schon so mit eigenen Daten und Dokumenten umgeht, was passiert dann mit den Daten der Bürger?"

Sowohl der Bundestag als auch das Bundesverteidigungsministerium kommentierten den Vorgang am Mittwoch trotz mehrerer Medienanfragen - unter anderem seitens der Nachrichtenagentur dapd - zunächst nicht.

Hunderte Tote bei Luftschlag im Kundus

Bei dem Luftangriff Anfang September 2009 bombardierten US-amerikanische Kampfflugzeuge zwei von den Taliban entführte Lastwagen - den Befehl zu der Attacke kam von den Deutschen Truppen. Bei dem Angriff kamen zahlreiche Zivilisten ums Leben, die sich an dem Tanklaster Sprit abzapfen wollten. Kritiker hatten den Verantwortlichen daraufhin vorgeworfen, Informationen - zum Beispiel über die genaue Zahl der zivilen Opfer - bewusst verschleiert zu haben.

Der Vorfall hatte die Debatte um den Afghanistan-Einsatz neu entfacht und dem damaligen Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg heftige Kritik eingebracht. (mit dapd)

Autor:  Sabine Weber
Datum:  8 | 2 | 2012
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