Für die Linke ist es ein schöner Wahlabend. Wieder ist sie in einen westdeutschen Landtag eingezogen, und das Saarland-Ergebnis stellt alles in den Schatten, was die Partei bislang in der alten Bundesrepublik erreicht hat. Dazu die komfortable Lage im Osten: Sowohl in Thüringen als auch in Sachsen hat die Linke das rot-rote Duell mit der SPD klar zu den eigenen Gunsten entschieden.
Entsprechend gut ist die Stimmung im Karl-Liebknecht-Haus. Auf einem Rost in der Berliner Parteizentrale brutzeln Thüringer Würstechen. Als die ersten Hochrechnungen auf den Großbildschirm im Innenhof des Parteihauses erscheinen, reagiert die Anhängerschaft mit Beifall und Gejohle.
Zwei "schwarze" Ministerpräsidenten haben ihre Mehrheiten eingebüßt - "noch besser konnte es kaum kommen", sagt Bundestagsvizepräsidentin Petra Pau. Und wie soll es in Thüringen nun weitergehen? Pau verweist auf die SPD: "Die Sozialdemokraten müssen sich endlich mal entscheiden, ob sie ewig in der babylonischen Gefangenschaft mit der CDU bleiben wollen." Damit unterstreicht die Reformlinke: Thüringens Linken-Spitzenkandidat Bodo Ramelow hat keinen Grund, seinen Anspruch auf das Erfurter Ministerpräsidenten-Amt aufzugeben - die SPD ist im Zugzwang.
Die Linke hofft auf den Abschwung von Schwarz-Gelb
Unter den Besuchern der Berliner Linken-Wahlparty ist die Stimmung denn auch recht einhellig: Die Landes-SPD soll über ihren Schatten springen und entgegen ihrer Ankündigung vor der Wahl in eine von einem Ministerpräsidenten Bodo Ramelow geführte Koalition einwilligen, ob mit oder ohne Grüne.
In den Reihen der Linken ist auch immer wieder zu hören: Mit den drei Landtagswahlen sei trotz der Zuwächse für die FDP noch keine Vorentscheidung für die Bundestagswahl in vier Wochen gefallen. Vielmehr bestehe weiterhin eine gute Chance, eine schwarz-gelbe Mehrheit im Bundestag zu verhindern.
"Wir sind bereit, unseren Beitrag für eine andere Mehrheit zu leisten", sagte Partei-Bundesgeschäftsführer Dietmar Bartsch. Die Linke habe in allen drei Wahlen stärker zu mobilisieren vermocht als die SPD. Offenkundig sei es der SPD auch in der Schlussphase nicht gelungen, ihre Wähler stärker zu motivieren als die Linke.
Der alt-neue Angstgegner
Gleichwohl ist die Frage noch offen, wie Linkspartei und Sozialdemokraten in den letzten vier Wochen des Wahlkampfes miteinander umgehen werden. Die Linke kann kein Interesse daran haben, die SPD noch zusätzlich zu schwächen.
Irgendwie bleibt die SPD aber auch der alt-neue Angstgegner der Linkspartei. Bundestags-Fraktionschef Gregor Gysi gibt schon mal die Sorge zu Protokoll: In der Schlussphase vor dem Bundestagswahl-Termin könnten rot-rote Wechselwähler womöglich eher zur SPD umschwenken.
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