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Politik
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22. Juli 2008

Drogen: Rezepte für den Ausstieg

 Von ANNIKA JOERES
Kontrollierte Heroinabgabe im Frankfurter Ostend  Foto: FR / Arnold

Am Gedenktag für Drogenopfer fordern viele Angehörige die kontrollierte Heroinabgabe.

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Wuppertal. Weiße Rosen für ein menschenwürdiges Leben mit der Sucht: Am Montag haben tausende Angehörige von Drogenabhängigen in Innenstädten mit Blumen und Reden an die Opfer erinnert. Sie appellierten an die Bundesregierung, ihre restriktive Politik zu beenden.

"Das Dogma der Abstinenz muss endlich fallen", sagt Jürgen Heimchen, Vorsitzender des Bundesverbandes der Eltern und Angehörigen für akzeptierende Drogenarbeit mit Sitz in Wuppertal. Er fordert im Gespräch mit der Frankfurter Rundschau umfassende Hilfsangebote für die Junkies - und Drogen auf Rezept. "Wir brauchen die freie Heroinabgabe zum Beispiel über Hausärzte." Heimchen hat vor wenigen Jahren seinen heroinabhängigen Sohn verloren und den Gedenktag vor zehn Jahren initiiert.


 Foto: FR-Infografik

Nach Jahren des Rückgangs stieg die Zahl der Drogentoten 2007 um 98 auf 1394 Menschen an. Eine Erklärung dafür hatte die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Sabine Bätzing (SPD) nicht. Sie sprach sich aber klar für die kontrollierte Abgabe von künstlichem Heroin (Diamorphin) und niedrigschwellige Hilfe wie Drogenkonsumräume aus.

"Druck ist kein Weg"

Doch Bätzings Überzeugung hat in Berlin keine Mehrheit. Im Frühjahr beschloss die Koalition auf Druck der CDU, die Bundeszuschüsse für eine kontrollierte Heroinabgabe in sieben Städten zu stoppen. Frankfurt, Hamburg, Hannover, Karlsruhe, München, Köln und Bonn finanzieren nun Modellprojekte vorerst alleine, ihre langfristige Zukunft ist aber offen. "Aus ideologischen Gründen wird hier eine sinnvolle Therapie von Kranken verhindert", sagt Markus Backmund, Vize-Chef der Deutschen Gesellschaft für Suchtmedizin. Deutsche und weltweite Studien hätten belegt, dass zehn bis 15 Prozent der Süchtigen mit den herkömmlichen Substituten und Medikamenten nicht erreicht würden. "Diesen Menschen verweigert die deutsche Gesellschaft ihre Hilfe", sagte der Arzt der Frankfurter Rundschau.

Auch die Selbsthilfeverbände der Angehörigen debattieren über die richtige Reaktion auf die Sucht. "Druck ist kein Weg, Menschen aus der Abhängigkeit zu holen", sagt Lina Möller, Elternvorsitzende in Hannover. Ein medikamentengestützter Entzug sei ein humaner Weg für die Betroffenen.

Der Bundesverband der Eltern drogenabhängiger Jugendlicher lehnt hingegen eine kontrollierte Heroinvergabe weitgehend ab. "Das ist nicht sinnvoll", sagt die Paderborner Gruppenvorsitzende Margret Diel. Viel wichtiger sei es, den Menschen eine Perspektive nach der Therapie zu geben.


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In diesem Punkt kann ihr auch Jürgen Heimchen zustimmen. Nach dem Entzug benötigten die Ex-Junkies eine Arbeit und eine Wohnung. Schließlich koste die Beschaffungskriminalität von Rückfälligen durch Polizeieinsätze, Diebstähle und Gerichtsprozesse Milliarden Euro.

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