Jerusalem. Der israelische Botschafter in London, Ron Prosor, ist am Donnerstag ins britische Außenministerium einbestellt worden. Ebenso musste sein Kollege in Dublin vor irischen Regierungsvertretern erscheinen.
Der Grund dafür liegt in der Ermordung des Hamas-Führers Mahmoud Mabhouh. Vor vier Wochen war er von einem Killerkommando in Dubai ermordet worden. Die Täter, die angeblich im Auftrag des israelischen Geheimdienstes Mossad handelten, sollen sich dabei nicht nur mit Brillen, Bärten und Tennis-Bekleidung getarnt haben. Sondern auch mit gefälschten Ausweispapieren. Alles in allem soll es sich um mindestens sechs britische, drei irische sowie einen französischen und deutschen Pass gehandelt haben. Zumindest in einigen Fällen benutzten die Täter Ausweise real existierender Personen. Interpol hat die Verdächtigen am Donnerstagnachmittag zur Fahndung ausgeschrieben.
Der Mann, der unter dem deutschen Namen Michael Bodenheimer im Januar nach Dubai reiste und dort Teil eines Killerkommandos gewesen sein soll, ist nach Informationen israelischer Medien tatsächlich ein US-amerikanischer Jude, der im Vorort Bnei Brak nahe Tel Aviv lebt. Er soll keinen Bezug nach Deutschland haben.
Das Bundeskriminalamt (BKA) prüft im Augenblick, ob sich der Mann der Ausweisdaten eines tatsächlich existierenden Mannes bediente oder einen gänzlich gefälschten deutschen Pass benutzte. Das Bundesinnenministerium teilte am Donnerstag lediglich mit, dass die Berichte aus Dubai "bekannt" seien und "diesen Verlautbarungen gegenwärtig nachgegangen" werde.
Nach FR-Recherchen gibt es in der Bundesrepublik lediglich einen "Michael Bodenheimer", der offiziell in einem Telefonbuch gelistet ist. Er wohnt ausgerechnet in Wiesbaden, dem Sitz des BKA. Unklar ist, ob ihm bewusst ist, dass sein Name auf einer Fahndungsliste in Dubei steht. Er war am Donnerstag telefonisch nicht zu erreichen. (eff)
So hat Paul Keeley die vergangenen Tage als "persönlichen Alptraum" erlebt. Der Anstreicher aus dem Kibbuz Nahscholim ist einer der Israeli, dessen Identität die Attentäter benutzten. Er hat nun genug davon, ständig gefragt zu werden, wie er sich denn als Doppelgänger eines Mossad-Agenten fühle. Schlimmer noch, der Mann mit einem israelischen und einem britischen Pass fühlt sich seines Lebens nicht mehr sicher. Jetzt erwägt er eine Klage gegen den Staat Israel wegen "Identität-Diebstahls", sollte sich herausstellen, dass der Vorwurf stimmt und tatsächlich der israelische Geheimdienst Mossad Auftraggeber der Tat gewesen ist.
Nicht nur innenpolitisch sondern auch auf diplomatischer Ebene hat sich Israel damit reichlich Ärger eingefangen. Nach dem Gespräch im Foreign Office in London zeigte sich Rosor zwar entspannt. Natürlich sei er gerne dem Ersuchen der Briten nachgekommen. Aber, "ich bin nicht in der Lage gewesen, besagten Vorgang zu erhellen", sagte er.
Das entspricht ganz der Linie, die das Jerusalemer Außenamt vorgegeben hatte: erst mal hören, was die überhaupt genau wissen wollen, antworten kann man ja später noch. Offiziell hüllt sich Israel zu dem Fall in Schweigen, abgesehen von Außenminister Avigdor Lieberman, der erklärt hat, für einen Mossad-Mitwirkung gebe es keinen Beweis, aber dementieren wolle er auch nichts.
So unverfroren das klang - hinter den Kulissen sorgt man sich in Israel durchaus über eine weitere Abkühlung in den Beziehungen zur EU, insbesondere zu Großbritannien. Premier Gordon Brown hat eine eigene Untersuchung zu den gefälschten Pässen in Auftrag gegeben. Man werde alles tun, um den britischen Pass - "Teil der britischen Identität" - zu schützen.
In den israelischen Medien finden sich mehr und mehr Stimmen, die die Sache in Dubai für ein Fiasko halten. Am Anfang überwog noch die Bewunderung für die Ausschaltung eines Hamas-Führers, der vor mehr als zwanzig Jahren zwei israelische Soldaten kidnappte und zuletzt als Mittelsmann der Hamas den Waffennachschub von Iran nach Gaza organisierte.
Inzwischen wird kritisch nachgefragt, ob ein toter al-Mabhouh die Enttarnung so vieler Agenten wert sei, ganz zu schweigen von dem politischen Preis in den internationalen Beziehungen. Für Premier Benjamin Netanjahu dürfte das ein "deja-vu-Erlebnis" sein. Ein gescheitertes Attentat des Mossad auf den Hamas-Exilchef Khaled Meschal 1997 in Amman hatte ihn in seiner ersten Amtszeit schwer in die Bredouille gebracht und Israel eine ernste Krise mit Jordanien beschert.
Der Polizeichef von Dubai hat zumindest so gut wie keine Zweifel mehr, dass hinter dem Mord an Hamas-Führer Mahmoud al-Mabhouh der israelische Mossad steckt. Er sei sich da "99 Prozent, wenn nicht hundert Prozent" sicher, sagte Dahi Khalfan Tamim der Emiratszeitung The National. Allerdings hatten die Mossad-Agenten bei ihrem Einsatz am Golf womöglich auch palästinensische Helfer.
Jordanien hat bestätigt, dass es zwei Palästinenser wegen des Falls verhaften und an Dubai ausliefern ließ. Am Donnerstag wurden erstmals ihre Namen bekannt: Achmad Hasin und Anwar Shecheiber, die für den Sicherheitsapparat der Autonomiebehörden in Ramallah gearbeitet haben sollen. Wie Hamas-Sprecher Fausi Barhoum auf Anfrage der FR sagte, standen Beide früher im Dienste des "Preventive Security": dem palästinensischen Geheimdienst, der einst von dem ehrgeizigen wie machthungrigen Fatah-Führer Mohammed Dahlan geführt wurde. Nach dem Putsch der Hamas im Juni 2007 seien die Zwei wie auch andere Fatah-Mitglieder in die Westbank geflohen. Kein Geheimnis ist zudem, dass Dahlan und seine Leute Kontakte zu westlichen und israelischen Geheimdienstlern pflegten.
Ein dritter Palästinenser, der laut Guardian im Verdacht steht, die "Zielperson" - also Mabhouh - im Auftrag des Mossad zu identifizieren, soll in Damaskus festgenommen und dort verhört worden sein. Das Pikante: Der Verdächtige, Nahro Massoud, ist selbst ein Sicherheitsmann der Hamas und soll früher als Kommandant des bewaffneten Flügels fungiert haben. Khaled Meschal, Chef des Hamas-Politbüros in Damaskus, nannte allerdings die Darstellung "überhaupt nicht wahr". Nichtsdestotrotz soll Massoud Begleiter von Mabhouh bis zu dessen Tod gewesen sein, was Fragen nach seiner Rolle nahelegt. Schließlich lieferten auch bei Israels "gezielten Tötungen" in Gaza oft palästinensische Spitzel die entscheidende Information.
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