Könnten die Westfalen alleine entscheiden, dann wäre Norbert Röttgen wohl das künftige Gesicht der CDU in Nordrhein-Westfalen. Das erste Duell mit Armin Laschet um den Parteivorsitz im größten Landesverband der CDU entschied der Bundesumweltminister am Mittwochabend für sich. Schon nach wenigen Worten erhielt Röttgen in einer mit mehr als 800 Mitgliedern überfüllten Stadthalle in Münster deutlich mehr Applaus als der ehemalige NRW-Integrationsminister Laschet.
Nun haben beide Kandidaten noch einen Monat und sieben weitere Konferenzen Zeit, die 160000 Mitglieder im Land zu überzeugen. Laschets stärkstes Argument ist seine Präsenz im Düsseldorfer Landtag. „Diese rot-grüne Minderheitsregierung ist so instabil, dass sie morgen zerbrechen kann. Ich bin 100 Prozent im Landtag“, stichelte er in Richtung seines Kontrahenten. Röttgen konterte, er könne die Interessen der notleidenden Kommunen in Berlin vertreten: „Die erste Aufgabe von uns ist es, die Düsseldorfer Regierung so schnell wie möglich zu beenden. Ich sage klar, ich möchte die kommende Landesregierung hier anführen.“
Inhaltlich auf einem Kurs
Bislang scheint Laschets Strategie, sich die öffentliche Unterstützung der Funktionäre im Land zu sichern, nicht aufzugehen. Möglicherweise nimmt ihm die Basis seine Nähe zum abgewählten Ministerpräsidenten Jürgen Rüttgers übel. Dieser hatte in Münster seinen ersten Auftritt nach der Schlappe im Mai, beschränkte sich aber darauf, als unparteiischer Moderator wortkarg auf der Bühne zu sitzen. Rüttgers selbst hatte sich vor mehr als einem Jahrzehnt in Münster-Hiltrup der Basis gestellt – und am Ende gewonnen. Nun hat er die Landtagswahl nach einer Amtszeit verloren und wird den Parteivorsitz abgeben. Alle 160000 Mitglieder an Rhein und Ruhr können bis zum 30. Oktober per Brief seinen Nachfolger wählen.
Inhaltlich waren die beiden Rheinländer Laschet und Röttgen auf einem Kurs: Beide finden Thilo Sarrazin und seine ausländerfeindlichen Thesen inakzeptabel, beide befürworten den Mindestlohn in bestimmten Branchen, beide wollen ebenso eine christliche Politik durchsetzen. Beide gehören dem modernisierenden Flügel der Partei an und sind für schwarz-grüne Bündnisse offen. So suchen und betonen sie nur einen formalen Unterschied – der eine arbeitet in Berlin, der andere in Düsseldorf.
Doch das bürgerliche Westfalen ist für keinen der beiden Großstädter ein Heimspiel. Hier sind die Kreisverbände von Bauern bestimmt, die Kirchen am Sonntag noch gefüllt, und nicht selten ist der Schützenkönig auch Vorsitzender des CDU-Kreisverbandes.
Für die CDU-Basis war es die erste Gelegenheit zur Aussprache nach der verlorenen Wahl. Überwiegend männliche und grauhaarige Christdemokraten fanden sich in der Stadthalle ein – mehr als bei den meisten Veranstaltungen der CDU im verlorenen Landtagswahlkampf. Ein Fragesteller bezeichnete die Versammlung denn auch ironisch als „erweiterte Seniorenunion“.
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