Aktuell: Fußball-EM 2016 | US-Wahl | Flüchtlinge in Deutschland und Europa | Zuwanderung Rhein-Main
Möchten Sie zur mobilen Ansicht wechseln?
Ja Nein

Politik
Nachrichten und Kommentare zur Politik in Deutschland und der Welt

26. Februar 2016

Ehe für alle: Mehrheit für „Homo-Ehe Light“ in Italien

 Von 
Demonstration in Rom für die Gleichberechtigung schwuler und lesbischer Paare.  Foto: dpa

Regierungschef Matteo Renzi stellt die Vertrauensfrage und schafft den Durchbruch für die "Ehe für alle". Die Homosexuellen-Verbände kritisieren jedoch den Verzicht auf die Stiefkind-Adoption.

Drucken per Mail
ROM –  

#bigimage[0]

Der Durchbruch ist geschafft, schon bald wohl werden schwule und lesbische Paare auf italienischen Standesämtern den Bund fürs Leben schließen können. Nachdem die Einführung der Homo-Ehe in den vergangenen 30 Jahren mehrmals am katholischen Widerstand gescheitert war, hat Regierungschef Matteo Renzi vor der entscheidenden Abstimmung im Senat die Vertrauensfrage gestellt und das Schicksal seiner Regierung daran geknüpft. Die Parlamentskammer stimmte am Donnerstagabend daraufhin mehrheitlich für eine Unione Civile, eine Zivilunion, mit der homo- wie heterosexuellen Paaren alternativ zur herkömmlichen Ehe Rechte und Pflichten eingeräumt werden. Das Gesetz muss noch die zweite Kammer passieren, wo aber keine Probleme zu erwarten sind.

Italien ist das letzte westeuropäische Land, in dem es bisher keine Absicherung für schwule und lesbische Partnerschaften gibt. Mit der Unione Civile sollen Homosexuelle künftig unter anderem den Familiennamen des Partners übernehmen können, Anspruch auf Hinterbliebenenrente und Erbe sowie ein Besuchsrecht im Krankenhaus haben und unterhaltspflichtig sein. Weil es sowohl von katholischen Abgeordneten seiner eigenen Partei PD wie auch vom kleinen konservativen Bündnispartner Neue Rechte Mitte massive Einwände gegen den Gesetzentwurf gab und ein erneutes Scheitern drohte, ließ Renzi sich in letzter Minute auf einen Kompromiss für eine Art „Homo-Ehe Light“ ein.

Die von Homosexuellen-Verbänden eigentlich als unverzichtbar erklärte Möglichkeit der Stiefkind-Adoption, also der leiblichen Kinder des Partners, wurde gestrichen. Ein allgemeines Adoptionsrecht war sowieso nicht vorgesehen. Auch gilt, anders als bei der herkömmlichen Ehe, für die Unione Civile kein Treuegebot. „Wir haben eine Revolution gegen die Natur und die Anthropologie verhindert“, erklärte der Parteichef der Neuen Rechten Mitte, Innenminister Angelino Alfano, triumphierend. Renzi schrieb bei Facebook: „Die Liebe hat gesiegt.“ Es sei ein historischer Tag für das Land. Der Regierungschef hatte die Abstriche gegenüber dem ursprünglichen Entwurf sehr pragmatisch verteidigt. „Besser ein Teil jetzt als Alles nie“, argumentierte er. Das Adoptionsrecht müsse ohnehin auch mit Blick auf heterosexuelle Paare diskutiert werden.

Viele Homosexuellen-Verbände sind jedoch enttäuscht und empört. Das Gesetz ignoriere völlig die Existenz und die Bedürfnisse von Kindern homosexueller Paare, kritisieren sie. Für den 5. März planen sie landesweit Demonstrationen.

[ Lesen Sie jetzt das EM-Spezial der FR - digital oder gedruckt sechs Wochen lang ab 27,30 Euro. Hier geht’s zur Bestellung. ]

Zur Homepage

Anzeige

comments powered by Disqus

Anzeige

Ressort

Nachrichten aus den Inland und Ausland, Analysen und Kommentare.

Parteitag

Darum bleibt „Die Linke“ saft-und kraftlos

Von  |
Der Tortenwerfer ersparte Linke-Politikerin Wagenknecht eine heikle Debatte.

Linker Populismus ist rechtem Populismus zuweilen gefährlich nahe - darüber beim Linke-Parteitag offen zu reden, hätte sich gelohnt. Doch dazu kam es nicht. Der Leitartikel. Mehr...

Atomwaffen

Worte der Hoffnung

Obama: „Aber wir müssen auch den Mut haben, der Logik der Angst zu entkommen und eine Welt anstreben ohne Atomwaffen.“

Barack Obama spricht erneut von einer Welt ohne Atomwaffen. Er weckt damit Erwartungen, die er selbst nicht erfüllen kann. Doch sein Traum könnte ein Ziel für die Menschheit sein. Mehr...

Verlagsveröffentlichung


Der Kampf um die Startbahn West +++ Tschernobyl-Katastrophe erreicht Frankfurt +++ Attentate erschüttern Rhein-Main-Gebiet +++ Der Main erhält ein Museumsufer +++ Hochhäuser in Frankfurt

Videonachrichten Politik
Dossier


Millionen Menschen verlassen ihre Heimat. Sie fliehen vor Krieg oder Umweltschäden; sie suchen Arbeit, ein besseres Leben. Nicht wenige sterben, etwa vor Lampedusa. Andere schaffen es nach Deutschland - und werden hier nicht immer gut behandelt.

Übersichtsseite - alles auf einen Blick.

Zuwanderung in Frankfurt und Rhein-Main.

Schicksale - die betroffenen Menschen.

Lampedusa - Europa schottet sich ab - die Folgen.

Anzeige

Talkshow-Kritiken auf einen Blick
Meinung