Russland will sich beim Klimagipfel in Kopenhagen auf die Verminderung seiner Kohlendioxid-Emissionen um 25 Prozent gegenüber dem Stand von 1990 bis 2020 verpflichten. Das bestätigte EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso nach dem Gipfeltreffen mit dem russischen Präsidenten Dmitri Medwedew am Mittwoch in Stockholm. Dieser habe die Zahl im kleinen Kreis genannt, so Barroso. Medwedew selbst wiederholte die Prozentzahl nicht mehr, sagte aber:"Beim Klima hat Russland fast immer zum europäischen Mainstream gehört". Die EU und Russland müssten jetzt bis zur Konferenz in Dänemark andere von der Notwendigkeit schnellen Handelns überzeugen. Barroso wertete das als "sehr wichtigen Schritt" vor der UN-Konferenz im Dezember. Die EU-Länder haben sich auf eine Verminderung um 20 Prozent bis 2020 verpflichtet und wollen dies auf 30 Prozent erweitern, wenn auch andere maßgebliche Länder das tun.
Unter Klimaexperten ist umstritten, welche praktische Bedeutung die Ankündigung hat. Denn Russlands Ausstoß an C02-Emissionen ist infolge des wirtschaftlichen Zusammenbruchs Anfang der 90er Jahre ohnehin massiv zurückgegangen und liegt heute um bis zu 40 Prozent unter dem Wert von 1990. Etwa ein Viertel dieses Rückgangs wird auf die jüngste Weltfinanzkrise zurückgeführt. Bisher hatte die Moskauer Führung eine Verpflichtung zur Verminderung um 10 bis 15 Prozent weniger Ausstoß von C02 für den Klimagipfel in Aussicht gestellt. In Kopenhagen soll ein Nachfolgeabkommen für den Kyoto-Vertrag vorangebracht werden. Dieser hatte festgelegt, dass Russland seinen CO2-Ausstoß bis 2012 nicht über das Niveau von 1990 steigern darf.
Da Moskaus Emissionen deutlich unter allen bisher genannten Klimazielen liegen, hat es noch eine andere Option: Es könnte nicht genutzte Emissionsrechte (Fachjargon: "heiße Luft") an andere Länder verkaufen, die sie benötigen, weil sie ihre Kyoto-Ziele nicht erreichen. Bisher hat Russland diese Möglichkeit nicht genutzt, anders als Länder wie die Ukraine, Ungarn und Polen. Aufkäufer waren etwa Japan und Spanien. Experten wie Thomas Spencer von der Umweltorganisation Germanwatch führen das darauf zurück, dass Moskau in den letzten Jahren wegen der hohe Einnahmen aus dem Verkauf von Öl und Gas darauf nicht angewiesen war. Umstritten ist allerdings, ob Russland die nicht genutzte "heiße Luft" aus der Kyoto-Periode auch nach deren Auslaufen 2012 noch zu Geld machen kann. (dpa/jw)
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